St. Bartholomäus Mistelbach (Foto: S. Römpp)

Nach der langen Corona-Pause finden nun wieder Gottesdienste um 09:30 Uhr in oder vor unserer Kirche statt:

Wir haben 42 Plätze in und manchmal noch 50 Plätze vor der Kirche!

Mit Liedblatt, Handdesinfektion, 1,5 m Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung!

Bitte kommen Sie frühestens 15 Minuten vor dem Gottesdienst!

Wann und wie Gottesdienste stattfinden, das finden Sie unter "Termine".

Anmeldung jeweils am Vortag bis 18:00 Uhr im Pfarramt ist ratsam:

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!      oder     Telefon: 09201/363

 

 

Die Predigt für den 15. Sonntag nach Trinitatis (20. September 2020) finden Sie hier: 

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Keine Sorge, sie sind heute nicht in der falschen Veranstaltung gelandet. Wir haben keine Märchenstunde, sondern Gottesdienst.

Auch wenn wir heute einen Predigttext haben, in dem manches märchenhaft schön ist, geht es nicht um erfundene Geschichten:

Es geht um uns Menschen, wie wir von Gott gedacht sind und um die Schöpfung der Welt.

 

Predigttextes: 1. Mose 2,4b-9.15(18-25):

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.

Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen wurde keine Hilfe gefunden, die ihm entsprach.

Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Die ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.

Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht. ---

Gott nahm also einen Klumpen Erde. So wie der Töpfer auf der Scheibe den Ton formt, so wird der Mensch aus dem Erdboden erschaffen.

Im hebräischen Originaltext heißt der Mensch Adam, weil er aus der Adamah, dem Erdboden, geschaffen ist. Der Mensch ist also der Erdling. Gottes Schöpferkraft schenkt ihm erst das Leben. ---

Es ist geradezu wie der Kuss im Märchen: Damit beginnt eine große Liebesgeschichte. Gott kommt dem Menschen ganz nahe. Er haucht ihm die Lebenskraft ein, den Odem des Lebens. Gott liebt den Menschen ins Leben.

Wie der Prinz im Märchen mit einem Kuss das schlafende Dornröschen zum neuen Leben erweckt, so macht Gott aus der leblosen Erde einen lebendigen Menschen.

Seiner Liebe, seiner Fürsorge verdanke ich deshalb mein Dasein. Keiner von uns ist ein Produkt des Zufalls. Jeder Einzelne ist ein Geschöpf, ein Wunder, das Gott gewollt und geschaffen hat und das von seiner Liebe umgeben ist!

Mein Leben ist geschenktes Leben. Es ist nicht in meiner Verfügung. Ich bin und bleibe darauf angewiesen, dass Gott mir Atem und Lebenskraft erhält.

 

Das soll uns zur Bescheidenheit mahnen. Denn im 104. Psalm heißt es: Nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

Jeden Tag neu ist unser Leben also ein Geschenk aus Gottes Hand. Ohne ihn sind wir nur Erde, nur Staub, nur Asche. ---

„Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen.“ Gottes Schöpfung vollzieht sich jeden Tag an uns, bei jedem Atemzug neu! ---

Versuchen Sie einmal, ein paar Atemzüge lang daran zu denken! Oder die Luft anzuhalten und dann bewusst wieder zu atmen. ---

Aber nicht nur das Leben kommt aus Gottes Hand. Gott stellt den Menschen in einen Garten, den er für ihn bereitet hat. Er bekommt nicht das Ackerland, die Erde, im Urzustand. Gott pflanzt sogar einen Garten für ihn. Bäume mit ihren Früchten, Kräuter und andere essbare Pflanzen. ---

Im Orient ist das purer Luxus. Alles wird für den Menschen vorbereitet und zubereitet. Er bekommt von Gott einen Raum, in dem er leben kann und in dem er alles findet, was er zum Leben braucht. Auch darin zeigt sich die gnädige Fürsorge Gottes.

 

Aber der Garten und seine Früchte sind nicht nur gut zu essen, sondern auch verlockend anzuschauen. Der Garten dient nicht nur der Versorgung. Gott hat die Welt in ihrer Schönheit geschaffen, damit wir diese Schönheit wahrnehmen, uns darüber freuen und den Schöpfer loben.

Uns freuen über die Schönheit der Wiesen und Felder, über Berge und Wälder, über Blumen und Sträucher, über Schmetterlinge und Vögel und vieles andere mehr.

Ja, es ist zur Freude und zum Staunen, was unser Gott geschaffen hat. In jedem einzelnen Geschöpf zeigt sich seine Kreativität und Schöpfermacht.

Aber dem Menschen fehlte noch etwas. Gott sorgt deshalb weiter für ihn. Gott schafft die Tiere für ihn. Der Mensch soll ihnen Namen geben und sie dadurch in seine Welt eingliedern.

Das geschieht dann auch, aber es führt noch nicht zum Ziel. Denn die Gemeinschaft, die der Mensch braucht, können ihm die Tiere allein nicht bieten.

Diese bekommt er erst in der Gemeinschaft von Mann und Frau. Der hilfsbedürftige Adam bekommt eine Gefährtin, die zu ihm passt. Sie ist das Gegenüber, dass ihm entspricht.

Nicht, um ihn bei der Arbeit zu entlasten. Auch nicht, um Kinder zu gebären, sondern zu Überwindung der Einsamkeit. Die Gemeinschaft von Mann und Frau, die Gemeinschaft in der Familie – auch das ist ein großartiges Geschenk von Gott! ---

Wem dieses alles bewusst wird, der kommt ins Staunen und Danken. Denn wer sein Leben von Gott her sieht, für den ist jeden Tag Bescherung, jeden Tag Weihnachten. Die Welt ist voller Geschenke, die nur darauf warten, von mir gesehen und entdeckt zu werden.

Das größte Geschenk ist mein Leben, das Gott mir gegeben hat. So wie ich bin, so hat er mich gewollt. Er schenkt mir die Gemeinschaft mit anderen Menschen – und mit mir selbst. Jeden Tag neu versorgt er mich. - Sorgen sind deshalb überflüssig.

---

Man könnte nun meinen, es gehe um das Schlaraffenland, in dem man nichts tun braucht und in dem einem gebratene Tauben in den Mund fliegen.

Das Paradies, der Garten Eden, ist Gott sei Dank aber kein Schlaraffenland.

Warum nicht? Weil uns sonst bald langweilig vom Nichtstun und Faulenzen würde. Denn Gott hat viel mehr mit uns vor. Er hat uns dazu berufen, seine Mitarbeiter zu sein. Und das ist auch gut so. ---

Dabei geht es aber nicht um eine rastlose Hektik, die keine Ruhe mehr kennt. Wir Menschen sollen nicht „atemlos durch die Nacht“ rennen, wie Helene Fischer es singt. In Gottes Gegenwart kann ich vielmehr aufatmen.

Es wäre zu wenig, wenn einmal von mir gesagt wird: Nur Arbeit war sein Leben. Nein, es geht um die Bestimmung von uns Menschen, wie Gott uns gedacht und erschaffen sind.

„Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“

Der Mensch ist also zur Mitarbeit an der Schöpfung Gottes berufen und gewürdigt. So wie Gott schöpferisch ist, können auch wir Menschen auf dieser Erde schöpferisch tätig sein.

Das ist eine gute Wertschätzung für uns. Wir können uns entfalten, unsere Gedanken, Ideen und Pläne in die Tat umsetzen.

Von Gott her ist Arbeit etwas, was dem Leben Sinn und Erfüllung gibt. ---

Das sehen wir vor allem an denen, denen das vorenthalten wird. Denn wo Menschen arbeitslos sind, wo sie alt und gebrechlich sind, stellt sich schnell das Gefühl ein, unbrauchbar oder nutzlos zu sein.

„Bebauen und bewahren“ – das ist der Auftrag, den der Mensch von Gott bekommt. Arbeit als Mitarbeit an Gottes Schöpfung ist sinnvoll und befriedigend. Es ist ein gutes Gefühl, am Abend auf das zu sehen, was ich am Tag geschafft habe! ---

Hier könnte die Predigt schließen. Aber dann käme der Einwand: So ist diese Welt doch gar nicht!

Es ist die schmerzliche Erfahrung, dass unsere Erde nicht mehr dem entspricht, wie sie von Gott her ursprünglich gedacht war. Die Welt, in der wir leben, ist ja in vielem kein Paradies mehr.

Wir sollen die Erde bebauen und bewahren, aber lange Zeit stand das Bebauen im Vordergrund und das Bewahren wurde sträflich vernachlässigt.

Der Mensch verhielt und verhält sich oft so, als ob die Erde sein Eigentum wäre. Als könne er mit ihr tun und lassen, was er wolle.

Sie ist uns aber nur von Gott anvertraut. Jeder Einzelne von uns trägt Verantwortung dafür, Verantwortung vor dem Schöpfer.

Wo der Mensch meint, er könne frei über die Erde verfügen, schadet er sich letztlich selber. Immer wieder können und müssen wir sehen, wohin das führt, wenn der Mensch sich von seinem Schöpfer trennt und sein eigener Herr sein will.

Da wird z.B. auch die Arbeit entstellt. Sie wird dann oft zum einzigen Lebensinhalt.

Der Wert des Menschen wird dann nur noch nach seiner Leistung bemessen. Viele werden krank von den viel zu hohen Anforderungen.

Auch die Zerstörung der Umwelt schlägt auf uns Menschen zurück. Das hat inzwischen globale Ausmaße angenommen (Müllproblem, Klima).

Aber das deutete sich schon in 1. Mose 3 an: Da kam die Sünde in die Welt. Sie zerstört die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen.

Und das wirkt sich dann aus auf die Beziehung der Menschen untereinander – und auch auf das Verhältnis von Mensch und Schöpfung. ---

Doch auch das ist – Gott sei Dank! – nicht der Schlusspunkt. In seine Liebe geht Gott uns nach. Denn er will uns wieder in enger Gemeinschaft mit sich haben, wie am Anfang. Gott steht nämlich immer noch zu der ersten Liebe, die wir Menschen so schmählich verlassen haben. Denn in Jesus ist Gottes Hand immer noch für dich und mich ausgestreckt, trotz allem, was war.

Wo - durch Jesus aber die Beziehung zu Gott wieder heil wird, hat das dann auch Auswirkungen auf die Beziehung zur Welt. Da gehen Menschen anders miteinander und mit der Schöpfung um. Und sie sehen wieder ihre Verantwortung.

Da bleibt das, was uns in der Schöpfungsgeschichte erzählt wird, keine Vergangenheit, die unwiederbringlich verloren ist. Da leuchtet vielmehr die ursprüngliche Schöpfung neu auf: Die Welt, so wie sie von Gott gedacht ist.

Das ist Gottes gute Absicht, dass jeder Einzelne von uns wieder in die Gemeinschaft mit dem Schöpfer kommen und die Welt wieder neu als Gottes gute Schöpfung entdecken kann.

Und dass wir unseren Schöpfer dafür wieder loben und preisen. In jeder Pflanze, in jedem Tier und vor allem in jedem Menschen spiegelt sich die Herrlichkeit Gottes wieder.

Jedes Geschöpf ist darauf angelegt, seinen Schöpfer zu loben. Umso mehr ist es unsere Aufgabe als Menschen, Gott zu loben und ihm die Ehre zu geben.

In der Schöpfung zeigt uns Gott, dass er für uns sorgt. Da erfahren wir seine Güte. Und daraus erwächst dann das Vertrauen: Gott, der Schöpfer, wird seine Schöpfung nicht dem Chaos überlassen.

 

Am Ende werden nicht die Kräfte der Zerstörung siegen, sondern Gott wird alles neu machen.

 

So wird der Rückblick auf den Anfang zur Verheißung für die Zukunft: Der lebendige Gott, der uns hier einen Raum zum Leben geschaffen hat, hat sogar einen Raum für uns vorbereitet, der einmal hineinreicht bis in seine Ewigkeit.

 

Amen

 

und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

 

Mit freundlichen Grüßen von

 

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

Hardtstr. 7

95511 Mistelbach

09201/363

 

********************************************************************************************************************************************

********************************************************************************************************************************************

 

Die Predigt für den 14. Sonntag nach Trinitatis (13. September 2020) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Gebet

 

Liebe Konfirmandinnen, lieber Konfirmand, werte Festgemeinde!

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg! So heißt es einmal im 119. Psalm.

Besondere Worte Gottes begleiten uns gerade als evangelische Christen durch unser ganzes Leben.

Da gibt es den Taufspruch, über den der Pfarrer bei meiner Taufe gepredigt hat. Ein Wort Gottes also, das mir ganz am Anfang meines christlichen Lebens ganz persönlich zugerufen wurde.

Wer sich kirchlich hat trauen lassen, der hat auch einen Trauspruch bekommen. Ein Wort Gottes, welches das Ehepaar auf dem ganzen gemeinsamen Lebensweg begleiten will. Ein Wort, das uns Orientierung und Zuspruch geben möchte.

Und so gibt es in unserer Kirche auch besondere Bibelworte zu Konfirmation. Der Konfirmationsspruch ist ein persönliches Wort Gottes, das uns ein Leben lang begleiten möchte.

Mir hat damals zum Beispiel mein Konfirmationspfarrer ein Wort aus Johannes 15,5 zugerufen, wo es aus dem Munde Christi heißt:

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun!

Früher wurden diese Worte vom Pfarrer selber ausgesucht und den Konfirmanden bei der Konfirmation zugerufen. Das hatte etwas von einem Überraschungseffekt an sich. Es ist wie ein Geschenk, dass ein anderer für uns ausgewählt hat. ---

Wie ist es den Älteren unter uns mit ihrem Konfirmationsspruch ergangen? Hat er sie angesprochen, bewegt, zum Nachdenken gebracht? Hat sich dieser Spruch bei ihnen tief in ihr Gedächtnis eingebrannt oder haben sie ihn unterdessen vergessen?

Es lohnt sich auf alle Fälle, diese Worte Gottes, die wir bei der Taufe, der Konfirmation oder der kirchlichen Trauung zugerufen bekommen haben, wieder einmal hervorzuholen und bewusst zu lesen. Kann sein, dass diese Worte uns heute ganz neu und ganz anders ansprechen als damals, weil wir heute in einer anderen Situation leben.

 

Ihr, liebe Konfirmandinnen, lieber Konfirmand, habt euch eure Sprüche selber ausgesucht. Ihr habt euch Gedanken gemacht, nachgedacht, nach einem Wort gesucht, das euch besonders anspricht.

Vielleicht habt ihr bei der Suche auch die Hände gefaltet und Gott um seine Führung gebeten.

Ich möchte heute eure Konfirmandensprüche als Grundlage der Predigt nehmen und die Bibelworte, die ihr für euch ausgewählt und erklärt habt, heute für uns wie eine Perlenkette aneinanderreihen.

Gott hat einen reichen Gabentisch für uns gedeckt. Lassen wir uns deshalb jetzt mit seinem Wort beschenken!

Die A. hat sich einen Vers aus dem Buch der Sprüche, Kapitel 16, Vers 9 ausgesucht:

Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus, aber der Herr lenkt seine Schritte.

Du hast dir viel Gedanken gemacht, welchen Spruch du nehmen möchtest und warum. Dieser Spruch hat für dich etwas, was dich im Leben irgendwie leitet. Du stehst inhaltlich voll dahinter, du kannst das für dich ganz persönlich glauben. Dieser Spruch hat dich zum Nachdenken gebracht du bist überzeugt, dass er dir auf deinem Lebensweg helfen wird. ---

Es ist ja tatsächlich oft so, dass wir etwas von Herzen möchten. Da haben wir einen großen Wunsch, den wir uns unbedingt erfüllen wollen. Vielleicht geht es dabei um die Berufswahl, um den Partner, um besondere Reiseziele oder eine besondere Anschaffung. Wir müssen im Leben oft Entscheidungen treffen, stehen dann wie an Weggabelungen, an denen wir nur rechts oder links weitergehen können.

Manches ist dann verlockend für uns, manches erscheint auf den ersten Blick richtig und gut. Wir denken uns halt unseren Weg aus. - Aber nicht immer erreichen wir dann das, was wir uns erdacht haben.

Für mich war es an den Weggabelungen meines Lebens immer tröstlich zu wissen, dass Gott bei allen Entscheidungen dabei sein will. Und so durfte ich es erleben, dass Gott manchmal Türen geöffnet und Wege ermöglicht hat, er mir dann aber auch einmal wieder Wege verbaut und Türen verschlossen hat.

Für mich war das dann immer gut, weil ich glauben darf, dass Gottes Willen für mich der Beste ist.

 

Die S.  hat sich nun ein Wort aus Sprüche 4,23 gewählt: Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.

Du hast dir diesen Spruch ausgesucht, weil du findest, dass man auf sein Herz hören sollte. Ohne das Herz gibt es auch kein Leben. Du bist der Meinung, dass es gut ist, wenn man auf sein Herz hört, weil man dann weit im Leben kommt. ---

Oft bekommen wir ja auch den guten Rat, bei wichtigen Entscheidungen auf unser Herz zu hören. Dann stehen wir im Einklang mit uns. Denn gegen unser Herz zu handeln würde uns gewiss Schmerzen bereiten.

876-mal soll in unserer Bibel etwas über das Herz zu lesen sein. Das Herz ist der Sitz des Lebens. In unserem Herzen kann viel Gutes sein. Dann bringt es auch gute Früchte hervor. Aber es kann auch das Gegenteil der Fall sein.

Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, was in unserem Herzen ist, was es erfüllt, was es leitet.

Deshalb ist es so wichtig, auf unser Herz zu achten. Denn wenn es mit Gutem gefüllt ist, dann bringt es auch Gutes hervor.

In einem Kindergebet heißt es: Ich bin klein, mein Herz mach rein, soll niemand drin wohnen, als Jesus allein.

Wenn Jesus also der Hausherr in unserem Herzen ist, dann wird unser Herz Gutes hervorbringen, dann wird es uns auf dem richtigen Weg leiten, dann führt es uns den Weg zum wahren Leben.

 

Die I. hat sich nun ein Wort aus Josua 1,5b ausgewählt: Gott sagt: Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen.

Du hast dir diesen Spruch ausgesucht, weil er dir sagt, dass da immer einer ist, der dich liebhat, für dich da ist und dir neue Kraft gibt, wenn du dich nicht gut fühlst. Einer, den du jederzeit ansprechen kannst. ---

Es ist ja ein wunderbares, großes Versprechen, das Gott damals zunächst dem Josua gegeben hat.

Es sind absolute Aussagen, wunderbare Zusagen, die du aber auch für dich und dein Leben nehmen darfst. Gott will dir niemals seine Hilfe entziehen, dich nie im Stich lassen. D.h. ja, dass Gott immer bereit ist, dir zu helfen und dass er jederzeit an deiner Seite sein möchte.

Das ist fast wie ein Blankoscheck. Aber so, wie man auf den Blankoscheck auch die entsprechende Summe eintragen und den Scheck dann einlösen muss, so ist es auch bei jeder Zusage Gottes.

Sie gilt hundertprozentig. Aber sie tritt nicht automatisch in Kraft, sondern immer dann, wenn wir Gott auf sein Versprechen ansprechen, wenn wir uns auf seine Verheißungen stellen, wenn wir seine Zusage an uns persönlich glauben.

Und so darfst du dich auch immer wieder über Gottes Nähe und Hilfe freuen. Du brauchst dazu nur den Kontakt mit ihm aufzunehmen. Er ist immer in Rufbereitschaft und eilt, dir zu helfen!

 

Ich möchte nun den nächsten Spruch herausgreifen. Es ist ein Wort aus Psalm 91,11, das die L. für sich ausgesucht hat: Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Du hast dich für diesen Spruch entschieden, weil du dich dadurch nicht alleine fühlst. Du weißt dich beschützt, egal für welchen Weg du dich entscheidest.

- Es gibt in unserer Bibel ja viele Hinweise darauf, dass Gott uns selbst dann noch nachgeht, wenn wir eigensinnig falsche Wege eingeschlagen haben. Dass er uns auch dann noch sucht und sicher zurückbringen möchte. Denken wir nur an die bekannte Geschichte vom verlorenen Schaf.

Und so hat Gott viele Möglichkeiten, uns auf unseren Lebenswegen zu behüten und zu begleiten.

Engel sind eine Möglichkeit davon. Engel sind ja Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und die seinen guten Willen für uns umsetzen sollen.

Dabei haben Engel oft ganz menschliche Züge. Es können auch Eltern, Großeltern, Freunde oder Lehrer sein, die uns als Engel, als Boten Gottes auf unserem Lebensweg begleiten.

Engel müssen nicht immer Wesen aus der jenseitigen Welt sein. Auch wenn ich gewiss bin, dass Gott uns manchmal auch so umgibt und begleitet, dass er uns manchmal auch solche Engel zur Seite stellt, die uns unsichtbar beschützen, führen und begleiten.

Mit den Worten Martin Luthers dürfen wir deshalb immer wieder bitten: Dein heiliger Engel sei mit uns, dass der böse Feind keine Macht an uns finde!

 

Die J. und die M. haben sich beide für ein Wort aus Josua 1,9 entschieden. Dort heißt es: Sei mutig und entschlossen. Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken, denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!

Für dich, liebe Julia, war es entscheidend, diesen Spruch auszuwählen, weil du dadurch weißt, dass Gott immer bei dir ist und auf dich aufpasst. Du musst deshalb keine Angst haben. Und wenn du dich einmal falsch entschieden haben solltest, ist es für dich ein Trost zu wissen, dass Gott dann immer noch zu dir steht.

Und dir, liebe Mathilde, macht dieser Spruch Mut und bestätigt dir, dass Gott immer an deiner Seite steht, egal welchen Weg du einschlägst!

Du glaubst ganz fest, dass Gott dich nie allein lässt, vor allem dann, wenn du ihn brauchst!

Deswegen hast du dir diesen Spruch ausgesucht, weil du auch öfter im Alltag, wenn du mal Angst hattest oder alleine warst, dir gedacht hast, dass du dann nie alleine bist und Gott dich immer begleitet!

 

Und die M. hat sich auch diesen Spruch gewählt, aber in einer etwas anderen Übersetzung. Dort heißt es: Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.

Du hast diesen Spruch ausgewählt, weil er dir immer sagt, dass Gott bei dir ist. Auch in schwierigen Zeiten. Er ist immer da und hilft dir. ---

 

Für den Josua war es damals eine spannende Zeit. Denn lange schon hat er den alten Mose bei der großen Aufgabe begleitet, das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten zu befreien und in das von Gott versprochene gute Land zu bringen.

Dies war aber alles andere als einfach. Denn mehrere 100.000 Menschen aller Altersgruppen und dazu viele Tiere und das Gepäck mussten quer durch die Wüste transportiert werden.

Und dabei war das Volk Israel nicht immer einfach zu führen. Oft murrten sie, waren unzufrieden oder gingen ihre eigenen Wege, ohne auf Gott zu achten.

- Und nun sollte Josua diese Aufgabe alleine übernehmen. Kein Wunder, dass ihm dabei das Herz in die Hosentasche gerutscht war. Wie sollte er das nur schaffen, so eine große Aufgabe?

Verständlich, dass er irgendwie mutlos war, erschrocken und ängstlich, weil er nicht wusste, wie er diese Aufgabe bewältigen sollte.

Aber wenn Gott uns vor große Aufgaben stellt, dann lässt er uns nie allein. Er gibt uns die nötige Kraft, Mut und Entschlossenheit, seine Führung und Begleitung. Denn er selber will dann an unserer Seite stehen, wohin wir auch gehen.

Diesen Trost dürft auch ihr mitnehmen. Gott will auch euch begleiten auf den Wegen durch euer Leben. Er trägt euch, macht euch immer wieder neuen Mut und lässt euch nie allein.

In diesem Vertrauen dürfte in die Zukunft gehen und bei allen Entscheidungen gewiss sein, dass Gott euch begleiten will.

 

Ich komme nun zum letzten Spruch. Ein Wort aus dem 1. Timotheus-Brief, Kapitel 6, Vers 12, das der M. für sich ausgesucht hat:

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, und ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist.

Du hast eine interessante Begründung dafür geliefert, warum du diesen Spruch ausgesucht hast. Denn dieser Spruch ist ja eigentlich der Taufspruch deines Vaters, der bei euch zu Hause irgendwie am Kühlschrank hängt. Dort hast du ihn gesehen und ihn toll gefunden. ---

Ich weiß ja nun, dass dein Herz für Motocross schlägt. Und da wirst du sicher auch manche Wettkämpfe fahren. Um dabei vorne mitzufahren, braucht es viel Training. Man muss immer in Übung bleiben, um letztlich einmal einen Siegerpokal in Händen halten zu können.

Der Apostel Paulus hat dies mit unserem Glauben verglichen. Auch da ist es wichtig in Übung zu bleiben, regelmäßig zu beten, in der Bibel zu lesen, mit gläubigen Menschen Kontakt zu halten und christliche Veranstaltungen zu besuchen.

Und manchmal ist das wie ein Kampf, weil uns vieles davon abhalten möchte, mit Jesus in Kontakt zu bleiben. Aber es lohnt sich. Es winkt ein Siegespreis, das ewige Leben, zu dem wir berufen sind.

Ein Leben mit Jesus, das hier schon beginnt und sich einmal nach unserem Tod in Gottes neuer Welt fortsetzen wird.

Es ist für uns alle wichtig, diesen Kampf gegen Zweifel, Unglauben, Versuchung, Anfeindungen oder die eigene Bequemlichkeit zu kämpfen.

Denn es gilt, was in einem unserer alten Lieder steht: Wer nicht gekämpft, trägt auch den Lohn des ew´gen Lebens nicht davon!

 

Vielleicht fangen wir heute damit an, dass wir zu Hause unsere Tauf-, Konfirmations- und Trausprüche einmal wieder ganz bewusst hervorholen.

Vielleicht schreiben wir sie uns ab und hängen sie auch an den Kühlschrank oder einen anderen zentralen Ort, damit sie uns immer im Blickfeld und somit in Erinnerung bleiben. Denn es sind persönliche Geschenke an uns, die Gott uns aus der Schatzkammer seines Herzens gegeben hat. Geschenke, die wir täglich auspacken und für uns benutzen dürfen.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

Mit freundlichen Grüßen von

 

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

Hardtstr. 7

95511 Mistelbach

09201/363

 

*********************************************************************************************************************************

*********************************************************************************************************************************

 

Die Predigt für den 13. Sonntag nach Trinitatis (06. September 2020) finden Sie hier:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Markus 3,31-35:

Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn.

Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.

Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?

Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!

Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

 

Wenn das Stichwort „Familie“ fällt, scheiden sich oft die Geister. Vielleicht auch unter uns.

 

Da sind die einen, für die ihre Familie „alles“ ist. Denn sie ist immer und ganz für sie da. Sie erfahren von ihr Liebe und Fürsorge. Sie gibt ihnen Halt und Geborgenheit. Sie macht und schenkt ihnen viel Freude. Deshalb sind sie dankbar für ihre Familie.

 

Aber es gibt auch andere, die gar nicht gut auf ihre Familie zu sprechen sind. Sie fühlen sich von ihr unverstanden. Sie kommen sich in ihr wie ein Fremdkörper vor. Sie werden ihrer Meinung nach von ihr bevormundet. Sie geraten mit ihr häufig in Streit. Deshalb sind sie über ihre Familie gar nicht glücklich.

 

  1. Doch am gestörten Familienglück kann auch eines der Kinder schuld sein!

Jesu Familie sah es jedenfalls so. Er, Jesus, hatte sie verlassen, seinen Zimmermannsberuf an den Nagel gehängt und war Wanderprediger geworden. Aber was für einer!

Mit seiner Verkündigung löst er bei vielen Entsetzen aus. Mit fragwürdigen Typen wie Zöllnern und Huren gibt er sich ab. Mit den Schriftgelehrten und Pharisäern legt er sich häufig an.

Auf spektakuläre Weise treibt er Teufel und Dämonen aus. Vor allem maßt er sich an, Sünden zu vergeben, was doch nur Gott darf!

Und von Gott als seinem Vater spricht er so, als wäre er sein Sohn.

 

Seine Familie erklärt ihn daher kurzerhand für verrückt (Markus 3,21). Jesus kann nicht normal sein! Sie plant deshalb ein Familientreffen mit ihm.

Ziel ist es, das „schwarze Schaf“ in den Schoß der Familie zurückzuholen.

Vielleicht aus Fürsorge, um ihn vor dem tödlichen Hass seiner Gegner zu schützen.

Vielleicht aber auch nur aus Sorge um den guten Ruf der Familie.

Der rund 40 km lange Weg von Nazareth nach Kapernaum ist ihnen jedenfalls nicht zu weit, um Jesus wieder unter ihre Fittiche zu nehmen.

Und so kommen seine Mutter, seine Brüder und seine Schwestern. - Doch es kommt nicht zu der geplanten Familienrückführung!

Zwar schicken sie jemand zu Jesus hinein und lassen ihn rufen.

Doch er kommt nicht zu ihnen heraus.

Um ihn herum sitzen zu viele Menschen, die ihn hören wollen. Als Rabbi sitzt Jesus in ihrer Mitte und predigt vom Reich Gottes. Das ist für ihn jetzt dran! Daher kann er momentan nicht aufstehen und hinausgehen, um mit seiner Familie zu sprechen.

 

Aber Jesus will ihr das auch nicht erklären, sondern tut etwas Anderes. Er hat für sie nur eine Antwort in Form einer Frage: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?

Damit deutet er an, dass für ihn „Familie“ auch etwas Anderes sein kann als die biologische Blutsverwandtschaft. Aber was?

 

Um die Spannung zu erhöhen, schweigt Jesus zunächst und schaut alle „ringsum“ an, die um ihn im Kreis sitzen – also einen nach dem anderen. ---

Typisch für Jesus: er sieht immer den einzelnen Menschen an, um ihn bewusst wahrzunehmen!

Er übersieht niemanden. Er hat alle im Blick. Mit einem besonderen Blick!

Er ruft bei ihm Zorn und Traurigkeit hervor, wenn er in ein verstocktes Herz schaut (Markus 3,5).

Er schmerzt ihn zutiefst, wenn er Menschen sieht, die wie Schafe sind, die keinen Hirten haben – hilflos, schutzlos, orientierungslos (Matthäus 9,36).

Jesu Blick ist immer der - einer großen Liebe, die nur eines möchte: Menschen retten! Für Gott gewinnen. Für sein Reich gewinnen. Für ein Leben mit ihm gewinnen, das bis in die Ewigkeit hineinreicht.

 

  1. Deshalb sprengt Jesus seine menschlichen Familienbande. Er hat eine andere Familie vor Augen: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

 

Ist diese Messlatte Jesu aber für uns nicht zu hoch? Denn Hand aufs Herz: Wer von uns tut denn Gottes Willen immer und vollständig! ---

Doch die Wesensmerkmale seiner neuen Familie dürfen nicht auf das Halten der göttlichen Gebote reduziert werden.

Gottes Wille wird im Neuen Testament vor allem als Heilswillen beschrieben!

Etwa von Paulus, wenn er schreibt: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Timotheus 2,4).

 

Das ist Gottes größter Wunsch: dass wir den erkennen, der die Wahrheit in Person ist: Jesus Christus (Johannes 14,6).

Ihn erkennen als Gottes menschgewordene Liebe, die nur eines möchte: uns zum Leben, zum wahren Leben zu verhelfen. Zu einem Leben aus ihm, mit ihm und einmal bei ihm!

 

Der Wille Gottes ist es, für den Jesus seine Familienbande sprengt: Wir sollen uns mit ihm einlassen! Hören und glauben, was er uns sagen will und schenken möchte!

Etwa, dass er das Brot des Lebens ist, das unseren Hunger nach Leben stillt (Johannes 6,35).

Oder dass er gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist (Lukas 19,10).

Oder dass er der gute Hirte ist, aus dessen Händen uns niemand und nichts reißen kann (Johannes 10,11.28).

Oder dass er die Auferstehung und das Leben ist, das auch der Tod nicht beenden kann (Joh. 11,25).

Gottes Willen tun heißt daher schlicht: Zu Jesus zu kommen!

 

Ein Vergleich dazu aus dem Schulleben: Da ist ein Sportlehrer inmitten seiner Schüler auf dem Trainingsplatz. Seine Schüler stehen in größeren und lockeren Abständen um ihn herum. Manche alleine, andere in Gruppen.

Da ruft der Sportlehrer: „Kommt alle her zu mir!“

Die Schüler gehen auf ihn zu und kommen ihm immer näher – kommen dabei auch einander immer näher!

„Kommt noch näher an mich heran, damit ihr mich alle hört“, ruft der Sportlehrer. Schließlich stehen die Schüler Schulter an Schulter um ihn herum.

 

So entsteht auch Jesu neue Familie! Er ruft uns zu: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (Matth. 11,28).

Und so gehen wir auf Jesus zu. Und je näher wir ihm kommen, umso näher sind wir einander.

Und zuletzt sind wir uns dann ganz nahe – wie in einer Familie! Da werden wir zu einer Schar, die sich eng um Jesus schart. Wir verstehen einander und stehen uns bei. Wir stehen für den anderen auf und - wenn nötig - auch ein. ---

 

Doch ist Jesu Gemeinde, ist unsere Kirchengemeinde immer so – so einladend? ---

Eine Geschichte dazu aus dem Religionsunterricht in einer Grundschule. Die Lehrerin malt ihren Schülern mit leuchtendsten Farben den Himmel vor Augen. Dann fragt sie: „Wer von euch möchte einmal in den Himmel kommen?“

Alle melden sich – bis auf einen, bis auf Ben. Sein Arm bleibt unten. Die Lehrerin fragt ihn, warum er nicht in den Himmel wolle.

Worauf Ben sagt: „Klar möchte ich auch einmal in den Himmel – aber nicht mit diesem Haufen hier!“

 

Wir schmunzeln vielleicht über diese Antwort. Aber irgendwie geben wir Ben recht. Ist Jesu Gemeinde nicht in der Tat manchmal auch ein fragwürdiger „Haufen“?

Sie besteht ja aus Menschen mit Licht- und Schattenseiten, Vorzügen und Nachteilen, Stärken und Schwächen, Begabungen und Defiziten, Erfolgen und Versagen, guten und schlechten Eigenschaften.

Aber in einem Punkt gleichen sie sich: sie stehen alle bei Gott in derselben Schuld, weil sie ihm immer wieder Dankbarkeit, Gehorsam und Vertrauen schuldig bleiben. Sie brauchen daher alle Jesus. Denn erst, wenn er ihnen ihr Versagen abnimmt, dann stehen sie vor Gott recht da!

 

Wer dieses Glück der Vergebung, der hat eine neue „Blutsverwandtschaft“. Der gehört zu einer neuen Familie: zur Familie Gottes!

Was ihn dann mit seinen „Schwestern und Brüdern“ verbindet, ist die gleiche geistliche Blutgruppe: G-H-L. Ungekürzt: Glaube, Hoffnung, Liebe (1. Kor. 13,13).

Genauer gesagt: Es ist der gemeinsame Glaube an Jesus, die gemeinsame Hoffnung auf Jesus und die gemeinsame Liebe zu Jesus.

 

III. Deshalb ist der Glaubende, Hoffende, Liebende für Jesu Familie dankbar, auch wenn er manchmal von ihr enttäuscht ist, sich über sie ärgert oder ihr am liebsten den Rücken kehren würde.

Denn er weiß: allein geht er als Christ ein!

Er braucht „Väter und Mütter“ im Glauben, die ihn in seinem Gottvertrauen ermutigen, korrigieren und bestärken.

Er braucht Beter und Beterinnen, die für ihn in Schwierigkeiten und Notlagen bei Gott eintreten; auch einmal mit ihm beten.

Er braucht „Brüder und Schwestern“, die ihn mit Geduld und Nachsicht tragen und ertragen.

Er braucht die Gemeinschaft von Christen, die ihn im Glauben begleiten, trösten und aufbauen.

Er braucht Menschen, die für ihn ein Segen Gottes sind. ---

So gesehen ist dann jeder Gottesdienst und jeder Gemeindekreis so etwas wie ein Familientreffen Jesu, welches für unser persönliches Christsein und Leben immer neu hilf- und segensreich sein will.

Denn allein mit Gottes Hilfe, aber auch mit der von Menschen, können wir recht glauben, hoffen, lieben!

 

Manfred Siebald singt daher einmal:

„Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehn.

Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt und dass Gott, von dem wir reden, hier in unsrer Mitte ist.“

 

Denn dann ist Jesu Familienneugründung geglückt.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

Mit freundlichen Grüßen von

 

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

Hardtstr. 7

95511 Mistelbach

09201/363

 

******************************************************************************************************

******************************************************************************************************

 

 

Die Predigt für den 12. Sonntag nach Trinitatis (30. August 2020 - Kirchweihsonntag) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Jesus Christus und die Liebe Gottes die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

1. Kor. 3,9-17:

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Als mein Sohn vor einigen Monaten mit dem Bau seines Hauses begann, da ist mir ganz neu bewusstgeworden, wie wichtig dabei das Fundament ist.

Bevor mit dem Bau überhaupt begonnen wurde, noch bevor eine Bodenplatte gegossen wurde, wurden Bodenproben genommen, die Bodenbeschaffenheit geprüft und danach erst entschieden, wie das Fundament gelegt werden muss.

Das Fundament ist für das Haus entscheidend. Denn es muss später alles tragen. Das Fundament muss dabei selber auf festem Grund liegen.

Und erst wenn das Fundament gelegt ist, kann ein stabiles Haus darauf gebaut werden. ---

Als vor vielen Jahrhunderten unsere Vorfahren hier in Mistelbach an den Kirchenbau herangingen, da haben sie sicher auch zunächst die Bodenbeschaffenheit geprüft. Und sie haben gut gewählt, denn unsere Kirche ist auf Fels gegründet. So steht sie, so wie wir sie heute kennen, hier schon seit über 300 Jahren. Und die ersten kleineren Vorläufer unserer Kirche gehen noch in viel frühere Zeiten zurück.

Und unsere Kirche steht noch immer, auch wenn sie in den nächsten Jahren etwas Pflege brauchen wird, wofür wir jetzt schon Geld sammeln. ---

Wenn nun so eine Kirche gebaut wird, dann wird auch meistens ein Grundstein mit eingebaut.

So wird auch der Beginn eines Kirchenbaus mit Gottes Segen verbunden. Denn der Bau so einer Kirche ist ein Glaubenswerk.

So zeugt unsere Kirche bis auf den heutigen Tag von dem festen und biblisch begründeten Glauben unserer Vorfahren. Nicht nur der Bau selber, sondern auch unzählige Bilder tun das bis heute.

Der Glaube an Jesus Christus war für unsere Vorfahren so wichtig, dass sie uns diese Kirche hinterlassen haben, damit auch wir durch die vielfältigen Zeugnisse des Glaubens, die wir hier hören und betrachten können, selber zum persönlichen Glauben an Jesus Christus kommen.

Seitdem unsere Kirche so vor vielen Jahren eingeweiht wurde, haben an diesem Ort unzählige Menschen - auch unter uns - schon diesen Segen empfangen: bei der Taufe oder der Konfirmation, bei einer Beichte oder einer Abendmahlsfeier, bei einer kirchlichen Trauung oder einer Trauerfeier. ---

Heute feiern wir nun so etwas wie den Tauftag, den Tag der Einweihung unserer Kirche. Denn unsere Vorfahren wollten sie nach dem Abschluss der Baumaßnahmen unter Gottes Segen stellen. Denn an Gottes Segen ist ja bekanntlich alles gelegen.

Nun feiern wir ja heute einen Gottesdienst zur Kirchweih. Deshalb wollen wir nicht so sehr das Kirchengebäude selber in den Mittelpunkt stellen, sondern unseren Gott, der in unserer Kirche gewirkt hat, heute wirkt und dies auch in Zukunft tun wird.

Dabei kann Gott ganz gewiss nicht nur in unserer Kirche oder in irgendeiner anderen Kirche wirken. Denn er bindet sich nicht an Raum und Zeit. Er ist für uns hier in diesem Haus nicht verfügbar, aber er lässt sich hier von uns finden.

So können wir nicht Kirchweih feiern, ohne dabei auch uns und unser Verhältnis zu Gott zu betrachten.

Der Apostel Paulus gibt uns im heutigen Predigttext dazu eine Steilvorlage, wenn er schreibt:

Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Denn nicht nur ein neues Einfamilienhaus oder unsere Kirche selber brauchen ein gutes Fundament.

Auch wir selber brauchen so ein Fundament für unser Leben, das uns trägt und auf dem wir aufbauen können.

Jesus Christus selber hat einmal in der sogenannten Bergpredigt von der Wichtigkeit dieses Fundaments für unser Lebenshaus gesprochen.

Er erzählt dabei von zwei Menschen, die ein Haus bauen wollen.

Der eine baute sein Haus auf Sand. So ist es auf den ersten Blick schnell und problemlos hingestellt.

Der andere machte sich viel Mühe. Er suchte einen geeigneten Bauplatz. Und als er ein felsiges Grundstück fand, baute er dort sein neues Haus.

Beide Häuser mögen auf den ersten Blick ziemlich gleich ausgeschaut haben. Erst als im Herbst der Regen und die Stürme kamen, zeigte sich der Wert eines guten Fundaments.

Das Haus auf Sand wurde einfach weggespült.

Das Haus auf Fels aber trotzte den Elementen.

Deshalb baut ein kluger Mann sein Lebenshaus auf ein festes Fundament.

So wünscht es sich Jesus auch für uns!

Das beste Fundament für unser Lebenshaus ist deshalb Jesus und sein Wort.

Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Worauf bauen wir also unser Leben auf?

Ist es der Sand des vermeintlich schnellen Glücks? Ist es der Sand der vergänglichen irdischen Güter?

Oder der Sand der Gesundheit und eines langen unbeschwerten Lebens?

Oder ist es der Fels einer tragfähigen Verbindung zu Jesus Christus? Der Fels einer grenzenlosen Hoffnung auf die Auferstehung und ein Leben in Gottes neuer Welt? Oder der Fels eines durch das Hören auf Gottes Wort gefestigten Glaubens, der immer wieder neu von Gott Trost und Hilfe, Wegzehrung und Ermutigung bekommt?

Im Gespräch mit manchen meist älteren Menschen in unserer Gemeinde höre ich immer wieder, dass es ganz wichtig sei, einen Halt im Leben zu haben.

Ein Halt, der uns auch in den Stürmen des Lebens trägt. Ein Halt, der sich auch in Alter und Krankheit, in Verlust und Trauer als tragfähig erweist.

Wie aber bekommen wir dieses feste Fundament für unser Leben? Wie wird Jesus die Grundlage unseres Lebens?

Die Taufe mag dabei ein wichtiger Meilenstein sein. Schon Martin Luther hat sich angesichts unserer menschlichen Schwachheit schon an der Taufe festgehalten, weil sie eine ganz wichtige Zusage für unser Leben beinhaltet. Denn in der Taufe hat Gott „ja“ zu dir und mir gesagt.

In der Taufe hat er uns seine ganze Gnade angeboten. In der Taufe hat er uns mit vollen Händen beschenkt.

Aber wie jedes Geschenk muss auch das Geschenk der Taufe dankbar angenommen werden.

Deshalb sprechen wir oft im Gottesdienst den Satz: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden.

Es gehört also neben der Taufe noch der persönliche Glaube dazu. Ein felsenfester Glaube, der sich auf Jesus und sein Wort gründet. Ein Glaube, der Jesus beim Wort nimmt. Ein Glaube, der seine ganze Hoffnung, sein ganzes Vertrauen im Leben wie im Sterben auf Jesus setzt. Ein Glaube, der von Jesus sich die Vergebung all seiner Schuld hat schenken lassen. Ein Glaube, der Jesus alles zutraut und von ihm alles erwartet. Ein Glaube, der von einer persönlichen Beziehung zu Jesus getragen ist. Ein Glaube, der deshalb im Gebet ständige Gemeinschaft mit Jesus pflegt.

Zu diesem Glauben müssen wir im Laufe unseres Lebens einmal finden.

Und wenn das geschieht, dann ist das wie eine neue Geburt. Dann ist das so, als ob unser Leben noch einmal ganz von vorne beginnen würde. Weil es dann endlich auf das felsenfeste Fundament von Jesus Christus gegründet ist.

Solchen Menschen gilt dann der Satz des Apostels Paulus: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Solche Menschen bezeichnet Paulus dann sogar als Heilige, weil sie ganz fest zu Gott gehören.

Da wohnt dann Gott in uns. Da haben wir dann ständige Gemeinschaft mit ihm. ---

Wo dieses Fundament aber in unserem Leben gelegt ist, da gilt es auch, darauf weiterzubauen.

Denn Jesus soll ja nicht nur das Fundament unseres Lebens sein, er soll auch in allen Räumen unseres Lebens gegenwärtig sein.

Im Arbeitszimmer, in dem wir treu und gewissenhaft unserem Beruf nachgehen. Im Wohnzimmer, in dem wir uns versammeln und Gemeinschaft pflegen. In der Vorratskammer, in der wir die Schätze, die Gott uns anvertraut hat, aufbewahren aber auch weitergeben. In Küche und Esszimmer, in denen wir dankbar die guten Gaben Gottes empfangen und genießen. Im Schlafzimmer, in dem wir Ruhe finden. –

 

Wo Jesus aber das Fundament unseres Lebens geworden ist, da bauen wir nicht nur an unserem eigenen Lebenshaus. Da bauen wir dann auch an unserer Gemeinde.

Gemeindeaufbau ist dabei nicht nur Aufgabe des Pfarrers oder des Kirchenvorstands. Gemeindeaufbau ist eine Aufgabe, die allen Christinnen und Christen ans Herz gelegt ist. Denn Gott hat jedem und jeder von uns seine besonderen Gaben gegeben.

Wer handwerklich geschickt ist, soll diese Gabe genauso einbringen wie die, die ein einfühlsames Gemüt hat. Wer gerne mit Kindern umgeht, kann diese Gabe dazu einsetzen, den Glauben schon bei den Jüngsten in Kindergarten und Schule, im Kindergottesdienst oder in der Jugendarbeit einzubringen.

Und wer ein Herz für ältere Menschen hat kann diese damit erfreuen. Wer gut reden kann, kann sich zum Lektor oder Prädikanten ausbilden lassen.

Wer gerne spazieren geht oder sich gerne mit Menschen unterhält, könnte diese Gabe als Sammler oder Austräger einsetzen.

Und wer zu all dem nicht mehr in der Lage ist, kann die Hände falten und dabei einen ganz wichtigen und segensreichen Dienst für seine Familie aber auch für unsere ganze Gemeinde tun.

Mag sein, dass dabei der eine Dienst mehr Bestand hat als der andere. Mag sein, dass dabei auch einmal etwas danebengeht.

Wo unser Leben und unser Dienst als Christen aber auf das Fundament von Jesus Christus aufgebaut ist, werden wir am Ende das Ziel unseres Lebens erreichen. Gott schenkt uns dann das ewige Leben in seiner neuen Welt, in der er für uns alle schon Wohnungen vorbereitet hat.

Denn: Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, bewahre Herzen und Sinne in Jesus Christus.

 

Amen

 

Mit freundlichen Grüßen von

 

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

Hardtstr. 7

95511 Mistelbach

09201/363

 

************************************************************************************************

************************************************************************************************

 

 

Die Predigt für den 11. Sonntag nach Trinitatis (23. August 2020) 

 

Urlaubsvertretung 

 

Die Predigt für den 10. Sonntag nach Trinitatis (16. August 2020)

 

Urlaubsvertretung

 

Die Predigt für den 9. Sonntag nach Trinitatis (09. August 2020) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Jeremia 1,4-10:

Und des Herrn Wort geschah zu mir:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Worte können ganz unterschiedliche Wirkungen auf uns haben: Sie können uns einschläfern oder elektrisieren. Sie können uns fertigmachen oder ermutigen. Sie können uns auf falschen Wegen bestärken oder auf den richtigen Weg zurückholen.

Die einen können viele Worte sagen, aber damit nichts ausdrücken. Andere hingegen verändern mit einem Wort die ganze Welt.

Vielleicht erinnern Sie sich auch an solche besonderen Worte in ihrem Leben. Worte, die ihr Leben verändert oder bereichert haben. Worte, die nicht wie ein Redeschwall ins eine Ohr hinein und durchs andere wieder hinausgegangen sind, sondern Worte, die sich ihnen fest und tief eingeprägt haben.

Worte die ihrem Leben eine ganz neue Richtung gegeben haben, einen neuen Sinn, ein neues Ziel.

Solche Worte empfinden wir dann manchmal wie ein Naturereignis, sie schlagen irgendwie ein. ---

 

Dem Jeremia muss es damals ganz ähnlich ergangen sein. Aber in unserem heutigen Predigttext berichtet er nicht von menschlichen Worten, die sein Leben beeinflusst oder verändert haben, sondern von Gottes Wort: „Des Herrn Wort geschah zu mir.“

Als Priestersohn hat Jeremia Gottes Wort sicher schon oft gehört. Er wird sich auch viele Worte im Kopf gemerkt haben. Aber das, von dem er hier berichtet, war anders. Er hört Gottes Wort nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen. Gottes Wort war für ihn plötzlich nicht wie ein Wort unter vielen, sondern ganz persönliche Botschaft, ganz persönliche Anrede an ihn. Und so hat ihn Gottes Wort wie ein Ereignis getroffen. Es hat sich tief in sein Bewusstsein eingeprägt. Ein Wort Gottes, das ihn aus der Komfortzone seines Elternhauses herausgeholt und in den Dienst Gottes gerufen hat.

Vielleicht war Jeremia damals gedanklich mit der Frage nach dem richtigen Beruf beschäftigt. Vielleicht erwartete man auch von ihm, einmal Priester zu werden wie seine Vorfahren.

Aber die Worte Gottes, die ihn damals erreichten, waren seine Berufung zum Prophetenamt, nicht nur für Israel, sondern für die Völker.

Von solchen Berufungen erzählt die Bibel an verschiedenen Stellen. Mose erlebte seine Berufung zum Befreier seines Volkes aus der Knechtschaft in Ägypten. Jesaja oder Hesekiel sind zum Propheten berufen worden.

Aber auch im Neuen Testament gibt es diese Berufungen. Jesus hat seine zwölf Jünger berufen. Später begegnete er dem Paulus, holt ihn von seinem hohen Ross herunter, wendet sein Leben um 180° und macht ihn zum Apostel für die Heiden.

Auch ich durfte das in jungen Jahren erleben, als ich auf der Suche nach dem richtigen Beruf war. Denn ich wollte nicht nur einfach einen Job tun, sondern den richtigen Beruf ergreifen. So habe ich damals mit Gott und Menschen gesprochen, um Führung und Fürbitte gebeten. Und eines Abends, als ich in der Bibel las, erlebte ich es ähnlich wie Jeremia. Ich las einen Vers aus 2. Timotheus 4,5: Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus.

Wenn Gottes Wort an uns geschieht, dann geht es vom Kopf ins Herz, dann lässt es uns nicht mehr los, dann verändert es unser Leben.

Dabei kann Gott ganz unterschiedlich zu uns reden. Manchmal trifft uns ein Bibelwort. Ein anderes Mal spricht uns ein Liedtext besonders an. Manchmal bitten uns Menschen um einen besonderen Dienst. Und wieder ein anderes Mal legt Gott eine bestimmte Aufgabe vor unsere Füße.

In allen Fällen wissen wir uns dann aber angesprochen. Da lässt uns das Wort nicht mehr los. Da können wir trotz aller Ausflüchte dann nicht mehr ausweichen.

Jeremia hört die Worte: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Gott hat also einen Plan mit uns. Und er hat diesen Plan schon seit langer Zeit. Nicht erst, nachdem wir mit unserer Ausbildung fertig waren. Nicht erst, als wir alt genug waren. Nicht erst, nachdem wir uns bewährt hatten.

Er kannte uns schon, bevor eine Eizelle und eine Samenzelle sich im Mutterleib vereinigten. Er hatte schon vorher einen Plan mit dir und mir. Er hat unser Leben von Anfang an liebevoll begleitet. Er will mit uns etwas erreichen. Und er verfolgt mit jedem und jeder von uns ein großes Ziel. ---

Aber es ist nur allzu verständlich, dass Menschen, die so eine Berufung erlebt haben, dies hinterfragen und manchmal viele gute Gründe dagegen vorbringen können.

Das war bei Jeremia genauso. Er sagt:

Ich kann nicht predigen und ich bin viel zu jung!

Jeremia muss damals höchstens 20 Jahre alt gewesen sein. Und sicherlich hatte er keine Ausbildung zum Redner gemacht.

Aber das sind für Gott keine Hindernisse. Er kann uns gebrauchen, auch wenn wir uns zu jung oder zu alt fühlen. Er kann uns gebrauchen, auch wenn wir unerfahren sind oder in menschlichen Augen nicht die passende Ausbildung genossen haben.

Wichtig ist nur, dass wir auf Gott hören und dann dorthin gehen, wohin Gott uns sendet und das sagen, was er uns gebietet.

Wenn der Prediger in unserer Kirche auf die Kanzel geht, dann erinnert ihn die Aufschrift an unserem Kanzelaufgang genau daran: Du sollst predigen, was ich dich heiße!

Gott geht dabei aber nicht einfach über unsere Einwände, Ängste oder Sorgen hinweg. Er sagt: Ja, du magst dich zu jung fühlen oder zu alt. Ja, du magst dich als unbegabt einschätzen. Ja, du magst gehörigen Respekt vor dieser Aufgabe haben. Ja, du magst Angst vor Menschen haben. Ja, du magst dir dabei recht verloren vorkommen.

Aber ich lass dich doch nicht allein! Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

Dem stotternden Mose hat er seinen Bruder Aaron als Sprachrohr an die Seite gestellt. Dem ängstlichen Josua hat er zugerufen: Ich will mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen!

Und all diese Zusagen gelten doch auch uns bei allen Aufgaben, die Gott uns heute ans Herz legt.

Gott lässt uns nie allein. Er steht an unserer Seite. Er gibt uns den nötigen Mut. Und er wird über alles, was wir in seinem Namen tun, seine segnende Hand halten.

Bei Jeremia hat er ja auch dafür gesorgt, dass er zur rechten Zeit das rechte Wort sagen konnte.

Jeremia beschreibt es mit den Worten: Der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Dieses machtvolle Handeln Gottes begegnet uns immer wieder in der Bibel. Da streckt der Herr Jesus seine Hand aus und der Sturm ist still. Da legt er seine Hand auf den Kranken und er ist gesund. Da berührt er die Augen des Blinden und er kann sehen.

Und wie oft hat Gott dabei seinen Leuten schon die rechten Worte in den Mund gelegt. Jesus selber durfte das erfahren, als man die Ehebrecherin zu ihm brachte und ihn bewusst in die Zwickmühle zwischen dem Gesetz Gottes und seiner erbarmende Liebe gesteckt hat. Während Jesus damals mit dem Finger in den Sand kritzelte, da hat er sicher gebetet und dann gesagt: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Und dieser eine Satz hat die hartherzigen Richter zum Nachdenken gebracht und der Frau eine neue Chance geschenkt.

Und als später seine Jünger vor dem Richterstuhl standen und gegen ihren Glauben und ihre Überzeugung reden sollten, da gab er ihnen auch die rechten Worte ein.

Und selbst dann, wenn Gott uns einen schweren Auftrag gibt, gibt er uns noch Hoffnung und Zuversicht mit auf den Weg.

Zu Jeremia sagte er: Ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreisen und einreisen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Selbst in den schweren Gerichtsworten für das Volk Israel steckt noch die Hoffnung auf einen Neubeginn. Hinter allem Handeln Gottes steckt seine grenzenlose Liebe für dich, für mich und seine ganze Welt.

Denn Gottes Wille ist es, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. ---

Nun könnten wir uns ja heute zurücklegen und sagen: Ich bin doch kein Jeremia. Gott gibt doch nicht jedem Menschen einen solchen Auftrag! Was geht mich das also heute noch an? ---

Das geht dich und mich auch heute noch sehr viel an. Denn egal ob du jung bist oder älter. Egal ob du ein sogenannter einfacher Mensch bist oder ein Gelehrter. Gott hat mit jedem und jeder von uns einen Plan. Und er kann mit seinem Plan bei uns in jungen Jahren beginnen oder erst im fortgeschrittenen Alter wie bei Abraham, der mit 75 Jahren den Auftrag bekam, seine Heimat zu verlassen und in ein neues Land zu gehen.

Wichtig ist, dass wir immer ein offenes Ohr für Gott und sein Wort behalten. Wichtig ist die innere Bereitschaft zu haben, sich von Gott führen zu lassen.

Denn Gottes Plan mit uns und mit unserem Leben ist ein guter Plan. Ein Plan bei dem wir oft die Wunder Gottes und sein Eingreifen erleben dürfen. Ein Plan, bei dem wir selber ganz viel Segen für uns und unser Leben empfangen. Ein Plan aber, durch den auch wir zum Segen für viele Menschen werden können.

Dem Abraham hat er zum Beispiel damals die Zusage mit auf den Weg gegeben: In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden!

Und so gilt auch uns allen das Wort Gottes: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein!

So wurde der siebenjährige Junge zum großen Segen für seine Oma, weil er merkte, dass sie sehr traurig war und er deshalb zu ihr sagte: Oma, du bist so traurig. Komm, ich bet jetzt mit dir!

So wurde der erfahrene Christ auf einer Hochzeit zum großen Segen, als er auf den Alleinunterhalter zuging und ihn bat, doch auch um der Kinder willen auf seine dreckigen Witze zu verzichten.

Da wurde die Mutter zum großen Segen, weil sie ein Leben lang für ihren ungläubigen Sohn bat, bis dieser zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kam und später als Kirchenvater Augustin vielen selber ein Segen wurde.

Da wurde der junge Mann zum großen Segen, weil er treu und hartnäckig immer wieder zum Jugendkreis einlud.

Und da wurde die alte Großmutter zum großen Segen für ihre ganze Familie, weil sie jeden Tag neu für alle betete.

Wie schaut es also mit deiner und meiner Berufung aus?

Vielleicht ist es dir schon längst klar, dass du dich mit einem bestimmten Menschen aussöhnen musst.

Vielleicht ist es dir schon lange klar, dass du einen ganz bestimmten Menschen besuchen solltest.

Vielleicht spricht dich aber auch ein Pfarrer oder ein Mitarbeiter der Gemeinde auf eine besondere Not an und bitte dich um Hilfe.

Und vielleicht legt dir Gott auch ein ganz bestimmtes Projekt ans Herz und dir ist klar, dass du da jetzt nicht ausweichen darfst. ---

Wenn Gott etwas von uns fordert, dann gibt er uns auch alles, was wir für diese Aufgabe brauchen.

Unser heutiger Predigttext macht uns Mut dazu. Denn Gott kennt uns. Er liebt uns. Er streckt seine Hand aus nach uns. Er beruft uns. Er rührt uns an. Er legt seine Worte in unseren Mund. Er ist für uns und bei uns.

Es lohnt sich, in den Diensten dieses Gottes zu sein und seine Berufung für uns persönlich immer wieder anzunehmen.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

 

Mit freundlichen Grüßen von

 

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

Hardtstr. 7

95511 Mistelbach

09201/363

 

************************************************************************************************

************************************************************************************************

 

Die Predigt für den 8. Sonntag nach Trinitatis (02. August 2020): 

 

Am 2. August 2020 fand ein Berggottesdienst auf dem Schobertsberg statt, deshalb finden Sie hier

noch keinen Predigttext

 

************************************************************************************************

************************************************************************************************

 

Die Predigt für den 7. Sonntag nach Trinitatis (26. Juli 2020) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Hebräer 13,1-3:

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Glauben und Werke, Lehre und Leben, die müssen unbedingt zusammenpassen. Sie sind wie die beiden Ruder an einem Kahn. Wenn ich nur ein Ruder betätige, dreht sich der Kahn nur im Kreis. Erst wenn ich beide Ruder gleichzeitig bewege, setzt sich der Kahn in eine bestimmte Richtung in Bewegung.

So ist es auch bei uns als Christinnen und Christen. Das, was wir im Herzen glauben und das, was wir im Alltag leben, das muss unbedingt zusammenpassen. Denn wir werden heute genau beobachtet. Wir Christen sind nämlich oft nur noch die einzige Bibel, die die Menschen heute noch lesen.

Und das war damals nicht anders. Zur Zeit der ersten Christen lebten diese ja in einer mehrheitlich heidnischen Umwelt. Der neue Weg, der neue Glaube an Jesus Christus, wurde ganz genau beobachtet. Woran glauben die denn? Was machen die denn? Was unterscheidet die denn von anderen?

Und sehr schnell ist damals ein besonderes Kennzeichen der Christen offenbar geworden. Es war die Liebe, mit der sie sich gegenseitig begegneten.

Und es war die Liebe, mit der sie auch Fremde, Andersdenkende ja sogar Feinde behandelten.

Die ersten Christen schmorten also nicht nur im eigenen Saft. Sie waren vielmehr das Salz in ihrer Gesellschaft.

Und diese Liebe war anziehend. Viele Menschen spürten, dass die Christen anders waren. Deshalb suchten sie nach dem Grund für ihr Verhalten.

Bei dieser Suche stießen sie auf Jesus Christus.

Und dadurch kamen damals viele Heiden zum christlichen Glauben.

In den zwölf Kapiteln vor unserem heutigen Predigttext geht es um diese Grundlage des christlichen Glaubens. Es geht um Jesus Christus gestern und heute und denselben auch in Ewigkeit.

Es geht darum, was Christus für uns und die ganze Welt getan hat. Es geht darum, wie er gelebt hat, wie er Menschen behandelt hat und wie er dadurch alle Menschen zu Gott führen wollte.

Jesus hat diese brüderliche Liebe gelebt. Obwohl er Gottes Sohn war, obwohl er eigentlich im Himmel zu Hause war, war er sich nicht zu schade, auf unsere Erde zu kommen bis hinein in den Dreck eines Stalles, bis hinein in Angst und Sorge, Krankheit und Unfreiheit, Bedrohung und Gefahr, Trauer und Tod.

Er hat unser Leben geteilt. Er ist unser Bruder geworden. Er hat immer ein offenes Ohr gehabt und oft eilte er, um zu helfen.

Er sah die Existenznot eines Petrus und schenkte ihm den Fang seines Lebens. Er berührte einen Blinden und machte seine Augen gesund. Als Petrus nach seinem Treuebruch unendlich traurig war, ging Jesus auf ihn zu und vergab ihm seine Schuld. Als seine Freunde auf dem Meer im Sturm um ihr Leben bangten, da griff er ein. Als Menschen in ihrer Trauer untröstlich waren, hat er manchmal sogar Tote zum Leben erweckt. Als zwei seiner Freunde niedergeschlagen auf dem Heimweg nach Emmaus waren, da begleitet er sie seelsorgerlich auf ihrem Weg und führt sie zu neuer Hoffnung und neuem Glauben.

Es gäbe noch viele Beispiele dazu, wie Jesus die brüderliche Liebe vorgelebt hat.

Und wie sah es bei ihm mit der Gastfreundschaft aus? Jesus hatte selber ja kein richtiges Zuhause. Er sagte ja einmal: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nichts, da er sein Haupt hinlege.

 

Dennoch hat Jesus Gastfreundschaft gelebt. Auf der einen Seite hat er sich selber gerne einladen lassen. Er ging zum Beispiel auf die Hochzeit in Kana. Er kehrte ein ins Haus eines Zöllners, der von vielen verachtet wurde, und brachte diesem Haus großen Segen. Er war daheim bei Maria und Martha, nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um den Menschen die frohe Botschaft zu bringen. Und auch die Einladung der frommen Pharisäer schlug er nicht aus.

 

Kurz vor seiner Kreuzigung wurde er aber auch selber einmal zum Gastgeber. Auch, wenn es in einem geliehenen Saal war. Denn dort wollte er mit seinen Freunden das Passafest feiern. Dort hat er sich dann seinen Freunden selber gegeben verborgen in Brot und Wein, wie er es auch heute noch im Heiligen Abendmahl tut, um uns Vergebung, Leben und Seligkeit zu schenken.

Überall dort, wo Jesus zu Gast war oder selber als Gastgeber einlud, da waren nicht nur Engel zu Gast, da kehrte Gott persönlich in die Herzen und Häuser ein und es geschah ein großer Segen.

Und auch an die Misshandelten hat er gedacht. Als ihn einmal jemand nach dem Weg zum Himmel fragte, da erinnerte er an das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe, die untrennbar zusammengehören. Und als der Fragende etwas begriffsstutzig nachhakte, wer denn sein Nächster sei, da erzählte er die berühmte Geschichte vom barmherzigen Samariter. Da stellte er einen ungläubigen Ausländer als Paradebeispiel für gelungene Nächstenliebe hin. Denn dieser Mann ging nicht einfach weiter, als er die Not des anderen sah, er machte keine Sensationsfotos, sondern packte an, brachte den Überfallenen in Sicherheit und sorgte für seine weitere Pflege.

Und auch dort wo Menschen gefangen waren in ihrer falschen Sucht nach Sexualität, da schenkte er Freiheit und eröffnete neue Wege. Und dort, wo Menschen von Lynchjustiz bedroht waren, entlarvte er die selbstherrlichen Richter und gab der Angeklagten eine zweite Chance.

So blieb Jesus fest in der brüderlichen Liebe, vergaß die Gastfreundschaft nicht und dachte auch an die Leidenden.

So hat Jesus ein gutes Beispiel und ein leuchtendes Vorbild gegeben. Aber er war viel mehr als das. Denn Vorbilder lassen ihre Nachfolger allein. Vorbilder zeigen vielleicht das, was richtig ist, sie geben aber nicht die Kraft dazu. So lassen Vorbilder uns manchmal im Regen stehen oder überfordern uns in ihrem Beispiel.

Ganz anders Jesus. Was er von uns fordert, dazu will er uns auch die Kraft geben. Wenn wir etwas sagen sollen, dann legt er uns auch die rechten Worte in den Mund. Wenn uns der Mut fehlt, dann macht er uns neuen Mut. Wenn er etwas von uns fordert, dann gibt er uns auch zur rechten Zeit die nötigen Gaben dafür.

Mein Konfirmationsspruch aus dem Johannesevangelium, Kapitel 15, Vers 5, ist mir dabei eine große Hilfe. Denn dort heißt es aus dem Munde Christi: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Jemand hat einmal gefragt, was denn eigentlich das Geheimnis eines christlichen Lebens sei? Denn nach außen christlich leben kann ja auch so mancher Menschenfreund. Und manchmal vollbringen diese wirklich vorbildliche Taten, vielleicht manchmal noch besser, als wir Christen.

Aber wirklich echt kann ein christliches Leben nur sein, wenn es von einem gläubigen Christen gelebt wird, der in Verbindung zu Jesus steht.

Denn nur aus dieser Verbindung zu Jesus Christus kommt auch die Kraft, als Christ zu leben und christliche Werke zu tun.

Johannes bemüht dabei ein einfaches Bild aus dem Weinbau. Da gibt es einen Weinstock, da gibt es Reben und es gibt die Trauben, die in dicken Träubeln an den Reben hängen.

So eine Rebe kann nur köstliche Trauben hervorbringen, wenn sie in Verbindung zum Weinstock bleibt. Denn aus dem Weinstock kommt die ganze Kraft dafür. Wenn diese Verbindung aus irgendeinem Grund unterbrochen wäre, würde die Rebe kaputtgehen und die Trauben vertrocknen.

Und genauso kann ein Christ nur dann christlich leben, wenn er in der ständigen Gemeinschaft mit Jesus Christus bleibt. Diese Verbindung ist die Lebensader. Ohne diese Verbindung zu Christus ist kein wahres christliches Leben möglich.

Christliches Leben ohne Christus ist nur eine schlechte Kopie, die sich auf die Dauer als wenig wertvoll erweist.

Nicht umsonst bezeichnet der Brief des Paulus an die Gemeinde in Galatien einmal christliche Werke als Früchte des Geistes, als Früchte des Glaubens.

Keinem Baum muss man befehlen, Früchte hervorzubringen. Er tut es einfach. Und genauso soll es ja auch bei uns Christen sein. Wir Christen sollten aus unserem Innersten, aus der lebendigen Verbindung zu Christus heraus, christlich handeln.

 

Aber nun kann es sein, dass unser Glaube im Laufe der Jahre müde wird, dass das Feuer des Glaubens schwächer brennt, dass der Wind des Geistes nur noch schwach weht.

Das erleben viele Christen im Laufe ihres Lebens. Und deshalb ist es wichtig, dass wir uns auch wieder daran erinnern lassen, dass wir den Glauben neu entfachen lassen, damit dann auch die Liebe wieder stärker brennen kann.

Genau das hat der Hebräerbrief im Auge. Er wendet sich an Christen, die schon lange auf dem Weg des Glaubens sind. Er wendet sich an Christen, die durch manche Kämpfe müde geworden sind, an die, die nur noch wie ein geknicktes Rohr oder ein glimmender Docht sind.

Aber auch dafür will Gott sorgen. In Jesaja 42 heißt es ja: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

So sorgt Gott auch für seine müde gewordenen Christen. Er erinnert uns an die Quelle, aus der wir Kraft schöpfen und neu leben können.

Es ist wie bei jenem Beispiel vom brennenden Holzscheit. Wenn man das Holzscheit aus dem Feuer nimmt, brennt es bald nicht mehr. Wenn man es aber wieder ins Feuer zurücklegt, fängt es wieder an, Wärme und Licht zu bringen.

Je mehr wir mit Jesus Christus verbunden sind, der doch das Licht der Welt ist, umso mehr werden auch wir hinausstrahlen in diese Welt und Liebe und Orientierung geben können.

Erst auf diesem Hintergrund können wir die Worte unseres heutigen Predigttextes richtig verstehen. Ohne diesen Hintergrund wären diese Worte nur eine Moralpredigt. Aber mit Jesus Christus, aus seiner Kraft und aus seiner Liebe heraus, können auch wir wieder Licht in diese Welt hineinstrahlen.

Dann leben wir nicht nach dem egoistischen Grundprinzip ich zuerst, me first, sondern stehen unseren Geschwistern im Glauben bei mit Wort und Tat. Da nehmen wir uns Zeit und öffnen unsere Geldbeutel. Da überlegen wir auch, wie wir Fremden eine Heimat geben können. Da behandeln wir unsere Mitmenschen so, wie wir selber behandelt werden möchten. Da schauen wir nicht weg, sondern greifen ein.

Und wenn wir selber nicht die Mittel dazu haben, haben wir immer noch im Gebet ein wunderbares und kraftvolles Mittel, um auch aus der Ferne heraus anderen zur Seite zu stehen.

So wirkt unser Glaube gegen alle Trennung, hilft gegen Vergesslichkeit und befreit von aller Gedankenlosigkeit. So wird in unserem Leben Christus sichtbar. So geben wir letztlich auch durch unsere Nächstenliebe wieder unseren Dank an Gott zurück. So wie es in der Losung des heutigen Tages aus dem Munde Jesu heißt: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als unsere Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

Mit freundlichen Grüßen von

 

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

Hardtstr. 7

95511 Mistelbach

09201/363

 

************************************************************************************************

************************************************************************************************

 

 

 

Die Predigt für den 6. Sonntag nach Trinitatis (19. Juli 2020) finden Sie hier:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Römer 12,17-21:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ (Sprüche 25,21-22).

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

 

Der Kirchenvater Augustin sagte einmal:

- Gutes mit Bösem vergelten ist teuflisch.

- Gutes mit Gutem oder Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.

- Aber Böses mit Gutem vergelten ist göttlich. ---

 

Um Gut und Böse geht es in unserem heutigen Predigttext.

 

Es sind Worte des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde damals wie heute.

Gut und Böse spielen auch in unserem Alltag eine wichtige Rolle. Von guten und von bösen Taten hören wir jeden Tag in den Nachrichten.

Und immer wieder neu erschrecken wir darüber, wenn von einer neuen Dimension der Gewalt und der Brutalität gesprochen wird. ---

 

(Eine Familie nimmt ein Kind auf und sorgt liebevoll für es. Aber im Laufe der Jahre entfernt sich dieses Kind trotz aller Liebe immer mehr von den Pflegeeltern. Es gerät in schlimme Kreise hinein und zum Schluss bringt es den Pflegevater um. ---

 

Da ist Gutes mit Bösem vergolten worden. Da ist das Gute nicht gedankt worden.)

Manchmal haben wir den Eindruck, dass sich diese teuflische Entwicklung in unserer Welt von Jahr zu Jahr verschlimmert. ---

 

Wenn wir auf die Bibel hören, dann wissen wir, dass der Mensch eben nicht so edel, hilfreich und gut ist, wie er nach den Worten eines Johann Wolfgang von Goethe sein sollte.

Wir erleben stattdessen, dass es stimmt, dass der Mensch dem andern oft wie ein reißender Wolf ist. –

 

Nun stellt sich die Frage, wie diese Spirale der Gewalt eingedämmt werden kann, dass es eben nicht immer schlimmer wird, dass das Böse nicht immer mehr überhandnimmt.

Denn in einer Welt, in der sich der Mensch immer mehr selbst der Nächste ist, in der der Mensch sich immer mehr zum Gott aufspielt, in der wir Menschen immer mehr Gott - loswerden, kann es letztlich nicht besser werden.

Das hat auch schon die Bibel erkannt. Bereits im dritten Kapitel hat diese Abwärtsbewegung begonnen. Da meinte der Mensch es besser zu wissen als Gott. Und kurz darauf geschieht der erste Mord: Kain erschlägt seinen Bruder Abel.

Da war kein Paradies mehr auf Erden.

Ja, Gutes mit Bösem zu vergelten ist eben teuflisch!!

- Aber Gott hat uns Menschen ja ursprünglich gut geschaffen und gut gewollt. Er hat uns den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Wir sollte Gottes Stellvertreter sein. Wir sollte etwas von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes repräsentieren.

Und Gott wollte in täglichem Kontakt mit uns Menschen sein und liebevollen Umgang mit uns pflegen.

Aber der Mensch hat sich im Ungehorsam gegen Gott und gegen sein Wort gestellt.

Und dieser Sündenfall geschah nicht nur damals!

Er geschieht auch heute noch, wo wir uns von Gott und seinem guten Willen abwenden. ---

Aber unser Gott wollte nun in seiner großen Liebe diesem Treiben nicht länger zuschauen. Deshalb hat er uns zunächst seine Gebote gegeben. Sie sollten uns zeigen, wie wir nach dem Willen Gottes gut mit ihm und untereinander leben könnten. Die Gebote sollten das Schlimmste verhindern und für uns wie Leitplanken auf einem guten Weg sein.

Jesus hat diese guten Wegweiser später im Doppelgebot der Liebe zusammengefasst: „Wir sollen Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst.“

Aber auch da hat sich im Laufe der Zeit eine schlimme Entwicklung ergeben. Es entstand daraus ein durch unzählige Regeln und Gesetze begleitetes Leben, in dem es nur noch um Gebote und Verbote ging. Ein Leben, in dem der Mensch aus eigener Kraft versuchte, sich selber zu verbessern. ---

Im jüdischen Glauben waren es genau 613 Gebote und Regeln, die der Mensch zu befolgen hatte.

Und auch im christlichen Bereich hat sich der Glaube oft auf das inhaltlich leere Schlagwort „Nächstenliebe“ reduziert.

So entstanden schon im Alten Testament Anweisungen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, durch die die Eskalation der Gewalt vermieden werden sollte.

Und bei uns hat sich das dann niedergeschlagen in Sprichworten wie: „Wie du mir, so ich dir!“ - Das ist das Echogesetz der Welt.

Aber all das sind nur menschliche Versuche, die Eskalation des Bösen zu begrenzen. Es sind Versuche, ohne Gott die Welt zu verbessern.

Augustin hatte schon recht, wenn er sagte:

„Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.“ ---

Paulus versucht uns nun hier einen neuen Weg zu zeigen. Er weist uns auf einen Weg hin, durch den diese Welt nicht aus menschlicher Kraft, sondern allein durch - und mit Gottes Hilfe erneuert werden kann. „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.“

Es ist der Weg, über den Augustin sagt: Böses mit Gutem vergelten, das ist göttlich. ---

Es kann nun sein, dass sich gegen diese Worte des Paulus Widerstand regt.

Wenn du so handelst, dann verzichtest du doch auf dein gutes Recht! Wer nur lieb und nett ist, der zeigt doch nur Schwäche und bringt es zu nichts!

Soll man denn alles schlucken, was uns andere antun? Die Psychologen sagen doch, dass das Hinunterschlucken von erlittenem Unrecht noch viel schlimmer sei, als das Abreagieren!

 

Liebe Gemeinde, dass mich niemand an diesem Punkt falsch versteht. Der Staat hat das Schwert nicht umsonst, d.h. dass jeder Übeltäter natürlich der gerechten irdischen Strafe zugeführt werden soll.

Und sollte er ihr entgehen, wird Gott selber einmal im Jüngsten Gericht über ihn urteilen.

Paulus schreibt ja auch: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

In unserem heutigen Predigttext geht es vielmehr darum, wie ich persönlich mit zugefügtem Leid oder erfahrenen Verletzungen umgehe. Ob ich dem Täter immer alles sofort heimzahle oder ihn gar mit Hass überziehe. ---

 

Aber seien wir doch ehrlich: Vergeltung hat doch noch nie zu etwas Gutem geführt, dafür aber umso mehr Trümmer hinterlassen: in Ehen und Familien, unter Hausbewohnern, am Arbeitsplatz, sogar unter ganzen Volksgruppen und Völkern!

Wenn nun jemand jetzt sagt: „Aber ich bringe das nicht fertig“, dann ist das verständlich, dann ist das ehrlich. Wir können nicht aus eigener Kraft über unseren Schatten springen. Wir können nicht aus uns selbst heraus den inneren Vergeltungszwang überwinden! Das schaffen wir einfach nicht.

Aber mit meinem Gott kann ich über Mauern springen! Mit Jesus kann es möglich werden, wenn wir ihn in unser Herz aufgenommen haben!

Wir dürfen deshalb die Worte unseres heutigen Predigttextes nicht aus dem Gesamtzusammenhang des Römerbriefes herausnehmen! Denn wenn wir das tun, sind diese Worte des Paulus wieder nur Appelle, Aufforderungen oder Gesetze, die wir einhalten sollen.

Gegen solche moralischen Appelle lehnen wir uns aber entweder innerlich auf, weil wir es nicht schaffen, sie einzuhalten, oder wir werden traurig und resigniert über unsere Schwäche oder unserem Versagen.

Wir werden dann entweder fromme Heuchler, die von ihrer eigenen Gutheit überzeugt sind, oder wir gehen kaputt unter unseren dauernden Selbstvorwürfen.

 

Jesus möchte aber aus uns frohe und freie Christen machen.

Und deshalb erzählt Paulus in den elf Kapiteln vorher davon, wie wir trotz unserer Schuld, trotz unserer Gottlosigkeit, immer wieder in den Augen Gottes recht dastehen können.

Er erzählt davon, wie wir allein durch den Glauben an Jesus Christus gerecht werden, wie wir allein durch den Glauben zu neuen Menschen werden können. Denn Jesus hat uns doch das Mut-machende Wort zugerufen: Siehe ich mache alles neu!

Und er hat auch die Macht und die Möglichkeit, uns und diese Welt zu erneuern. Er kann uns zu Menschen machen, die die Liebe Gottes widergeben. Er kann uns Schritt für Schritt verändern und erneuern!

Aber das geschieht nie aus eigener Kraft. Das kann nur geschehen in der ständigen Verbindung zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns diese Liebe und diese Vergebungsbereitschaft vorgelebt hat.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Zwei Menschen saßen einmal an einem Lagerfeuer. Die Holzscheite, die mitten in der Glut lagen, die brannten, die gaben Licht und Wärme ab.

Dann nahm einer ein Holzscheit aus dem Feuer heraus. Es brannte anfänglich noch. Aber dann wurden die Flammen immer kleiner und nach einer Weile brannte dieses Holzscheit nicht mehr. ---

Wir Menschen sind wie solche Holzscheite. Wenn wir außerhalb des Feuers liegen, dann sind wir dunkel und kalt. Erst wenn wir in das Feuer der Liebe Jesu Christi mit hineingenommen werden, dann verändert sich etwas, dann brennen auch wir. Dann geht etwas von der verändernden Liebe Jesu von uns aus. Dann können wir so leben, wie Jesus es uns für uns gedacht hat. Dann können wir auch Werkzeuge des göttlichen Friedens werden.

Paulus schreibt ja: Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Und Jesus hat es vorgemacht. Als ihm einmal jemand eine Ohrfeige gab, dann zahlte er es ihm nicht mit gleicher Münze zurück, sondern fragte nur: „Warum schlägst du mich?“ Und mit dieser Frage entwaffnete er seinen Gegner. ---

Die Königsdisziplin aber scheint mir der letzte Satz des Paulus zu sein: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Dadurch werden dann die sprichwörtlichen feurigen Kohlen, das schlechte Gewissen, auf das Haupt unseres Gegners gelegt.

So ein Handeln schafft aber niemand von sich aus. Erst wenn wir selber die große, vergebene Liebe unseres Gottes erlebt haben. Erst wo wir im eigenen Leben erfahren durften, dass Gott auf unsere Schuld nicht mit der verdienten Strafe reagiert, sondern bereit ist - wo wir voll Reue zu ihm kommen - uns täglich neu Vergebung zu schenken. Erst da können wir dem anderen vergeben wie Gott uns vergibt. ---

 

Ich möchte schließen mit einer Geschichte, die mich sehr bewegt hat: Erino Dapozzo war ein italienischer Christ. Während der Nazi-Herrschaft wird er jahrelang gefangen gehalten. Er ist abgemagert und verletzt.

In diesem Zustand kommt es zu einer Begegnung mit dem Lagerkommandanten.

Dapozzo erzählt davon in eigenen Worten:

„Am Weihnachtsabend 1943 ließ mich der Kommandant rufen. Er saß vor einer reich gedeckten, festlichen Tafel. Stehend musste ich zusehen, wie er sich all die Leckerbissen schmecken ließ. - Er setzte mir zu, weil ich Christ war und meinen Mitgefangenen Hoffnung zusprach im Blick auf Jesus.

Eine Ordonnanz brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse herein. Der Lagerkommandant begann, auch diese zu essen. Dann wandte er sich an mich:

„Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo.“ - Ich verstand nicht, was er meinte. - Er erklärte es mir: „Seit Jahren schickt ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich aufgegessen habe.“

Ich kämpfte mit den Tränen. Meine Frau und meine Kinder hatten von ihrer ohnehin kargen Ration Mehl, Fett und Zucker abgespart, um mir etwas zukommen zu lassen. Und dieser Kerl hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen. - Der Teufel flüsterte mir zu: „Hass ihn, Dapozzo!“ Aber ich betete, damit in mir der zerstörerische Hass nicht aufkomme. ---

Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach diesem Mann; zehn Jahre dauerte es, bis ich ihn fand. Er erkannte mich erst, als ich ihm sagte: „Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?“

Da bekam er Angst. „Sie sind gekommen, um sich zu rächen?“ fragte der ehemalige KZ-Kommandant.

„Ja“ bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein großer Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir zusammen den Kuchen und tranken Kaffee.“ ---

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

An dieser Geschichte merken wir, dass das alles andere als einfach ist und dass es Kraft kostet, die Gefühle der Vergeltung und des Hasses nicht hochkommen zu lassen. Denn diese negativen Gefühle würden uns sonst innerlich Stück für Stück zerreißen und zerstören.

So eine Kraft der Liebe und der Vergebung kann uns nur geschenkt werden, wo wir uns im Glauben immer wieder neu von Jesus stärken lassen. ---

So eine besondere Stärkung wird uns heute im Abendmahl geschenkt. Wenn wir es feiern, können wir uns von Jesus die Kraft erbitten, die nötig ist, um das Böse mit Gutem zu überwinden.

Und dann mag das Wunder geschehen:

Andere ballen ihre Fäuste – wir öffnen unsere Hände.

Andere rufen nach Vergeltung – wir sprechen von Vergebung.

Andere brüllen aus Hass – wir singen von Liebe.

Wo das geschieht, werden die Worte des Heiligen Augustin wahr, der damals gesagt hat:

„Böses mit Gutem vergelten ist göttlich.“

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

Mit freundlichen Grüßen von

 

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

Hardtstr. 7

95511 Mistelbach

09201/363

 

************************************************************************************************

************************************************************************************************ 

 

Die Predigt für den 5. Sonntag nach Trinitatis (12. Juli 2020) finden Sie hier:

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Lukas 5,1-11:

Eines Tages stand Jesus am See Genezareth, und eine große Menschenmenge drängte sich um ihn. Alle wollten Gottes Botschaft von ihm hören. Da sah er am Ufer zwei leere Boote liegen. Die Fischer hatten sie verlassen und waren gerade dabei, ihre Netze zu reinigen.

Jesus stieg in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustoßen. Dann setzte Jesus sich und lehrte vom Boot aus die Menschen.

Anschließend sagte er zu Simon: „Fahrt jetzt weiter hinaus auf den See und werft eure Netze aus!“

„Herr“, erwiderte Simon, „wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich es tun.“

Sie warfen ihre Netze aus und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen begannen.

Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, ihnen zu helfen. Sie kamen, und bald waren beide Boote bis zum Rand beladen, so dass sie beinahe sanken.

Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und rief: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!“

Er und alle anderen Fischer waren erschrocken und erstaunt über diesen Fang, auch Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Aber Jesus sagte zu Simon: „Fürchte dich nicht! Du wirst von nun an keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.“

Sie brachten die Boote an Land, ließen alles zurück und gingen mit Jesus.                                              

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Wie wird man eigentlich Christ? Diese Frage scheint auf den ersten Blick ganz einfach zu sein.

Manche sagen, man käme in einem christlichen Elternhaus zur Welt und wächst einfach in den christlichen Glauben hinein.

Andere sagen: Wenn du getauft bist, bist du ein Christ.

Wieder andere sagen: Wenn du gewisse Gebote und Regeln einhältst, dann bist du ein Christ!

 

Aber ist das richtig?

Normalerweise hören wir am Sonntag im Gottesdienst Woche für Woche den Satz: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden!

Glaube und Taufe gehören also dazu. Wir alle, die wir heute hier in unserer Kirche sind, sind wohl getauft. Die Taufe ist für uns die Grundlage unseres christlichen Lebens. In der Taufe hat Gott zu uns vorbehaltlos ja gesagt. Er hat uns alle eingeladen zu einem Leben mit ihm. Alle seine Verheißungen, die er in der Bibel hat aufschreiben lassen, gelten jedem und jeder von uns. Ohne Ausnahme!

Aber mit dem Glauben ist es so wie mit jedem Angebot das uns begegnet. Es muss angenommen werden.

Wenn am Kiosk steht: Heute frisches Eis! Die Kugel für einen Euro! Dann habe ich das Eis noch lange nicht gegessen. Ich muss erst hingehen, es kaufen und genießen.

Mit dem Glauben ist es nicht anders. Er wird mir nicht aufgezwungen. Auch habe ich ihn nicht automatisch.

 

  1. Er beginnt vielmehr mit einer Entscheidung!

Der Fischer Petrus am See Genezareth hatte vorher sicher schon so manches von Jesus gehört. Die Nachrichten von seinen Wundern und Heilungen werden auch ihn erreicht haben. Und wie vollmächtig Jesus predigt und den Menschen Gott groß macht, davon hat Petrus sicher schon vieles erfahren.

Er durfte sogar eine Heilung hautnah erleben. Denn einige Zeit vorher, da war Jesus schon einmal in Kapernaum gewesen. Er war sogar im Haus des Petrus. Damals war seine Schwiegermutter krank. Sie hatte Fieber. Und Jesus hat sie damals in einem Augenblick geheilt. Seine Schwiegermutter hatte sofort wieder so viel Kraft, um Jesus und den vielen anderen Gästen im Haus dienen zu können. ---

Aber selbst das, was er da hören und erfahren durfte, hat sein Leben noch lange nicht geändert. Er lebte weiter ohne Jesus. Er lebte weiter im Alltagstrott. Er war Fischer und dachte, diesen Beruf wohl ein Leben lang auszuüben.

Aber dann kam dieser eine bewusste Tag. Jesus trat ein weiteres Mal mitten in sein Leben hinein. Petrus hatte ihn nicht gesucht. Er hatte ihn nicht erwartet. Aber plötzlich war Jesus da. Und er war in einer ganz bestimmten Situation seines Lebens gegenwärtig.

Solche besonderen Zeiten schenkt Gott uns immer wieder. Es ist der sogenannte Kairos, die Stunde Gottes, die Stunde der Entscheidung.

Petrus hatte damals ein frustrierendes Erlebnis gehabt. Wie jeden Tag hatte er die ganze Nacht draußen auf dem See versucht, Fische zu fangen. Aber in dieser Nacht hatte er nichts gefangen. Frustriert und von Existenzsorgen gebeutelt saß er nun am Ufer und reinigte die Netze. Außer Spesen nichts gewesen. Nichts zum Essen, nichts zum Verkaufen.

 

Als er an jenem Tag gedankenversunken seiner Arbeit nachging, da wurde es am idyllischen Ufer des Sees plötzlich laut und unruhig. Immer mehr Menschen kamen. Ein richtiger Menschenauflauf, ein Flashmob kam da zusammen. Was ist da bloß los? Warum kommen die alle? Was wollen die nur?

Und dann erkennt Petrus Jesus in der Mitte dieser Menschenmenge. Jetzt weiß er, warum die alle da sind. Die sind alle gekommen, um Jesus zu hören, seine Hilfen und seine Wunder zu erfahren. ---

Petrus hatte an jenem Tag nichts mehr erwartet.

Aber dann trat Jesus in sein Leben. Er bat Petrus, ihn ein Stück weit mit dem Boot hinauszufahren, damit alle Menschen ihn sehen und hören konnten und er allen von Gott erzählen konnte.

Da war Petrus aus seinem Alltag herausgerissen. Die Netze lagen am Ufer. Er saß mit Jesus im Boot und konnte ihm nur zuhören. Aber da gingen ihm schon die Ohren und das Herz immer mehr auf.

Gespannt wird er auf die Worte Jesu gelauscht haben. Und er wird viel von dem menschenfreundlichen Gott erfahren haben, der möchte, dass alle Menschen gesucht, gefunden und gerettet werden, auch du und ich. ---

Es war schon die erste kleine Entscheidung, Jesus diesen Dienst zu erweisen. Denn Petrus hätte ja auch sagen können: Guter Mann ich habe jetzt keine Zeit, ich muss meine Netze reinigen, um heute Nacht wieder hinausfahren zu können, damit ich und meine Familie leben kann.

Aber Petrus nahm sich jetzt die Zeit. ---

Nimmst du dir auch Zeit, um täglich auf Gottes Wort zu hören und um täglich im Gebet mit ihm zu sprechen? Liegst du auch immer wieder einmal deine Netze nieder, deine Arbeit also weg, um Zeit für Jesus zu haben? ---

Denn ohne Bibellese und Gebet kann unser Glaube auf Dauer keinen Bestand haben. Glaube braucht immer wieder Nahrung.

So wie jede Beziehung, jede gute Freundschaft, auch regelmäßige Kommunikation und Austausch brauchen, denn sonst gehen sie langsam zugrunde und man wird sich immer fremder. ---

Nachdem Jesus das Herz des Petrus nun mit seiner Predigt vorbereitet hatte, kam nun die Stunde der Entscheidung. Ist der Glaube, ist das Vertrauen von Petrus zu Jesus schon so gewachsen, schon so gereift, dass er seinen Worten bedingungslos folgt?

Fahr jetzt raus! Fahr mitten auf den See und wirft die Netze aus! Diesen Auftrag gibt Jesus dem Petrus.

Jetzt kam die Stunde der Entscheidung. Vertraut Petrus diesen Jesus ganz? Nimmt er sein Wort für bare Münze? Traut er sich auf Jesu Wort hin sich dem Gespött der Menschen auszusetzen?

Petrus war ja ein erfahrener Fischer. Man fischt in der Nacht und näher am Ufer. Ganz gewiss nicht am helllichten Tag und mitten auf dem See. Was für ein verrückter Auftrag also!

Da kamen Zweifel hoch in Petrus. Sollte er diesem Jesus jetzt vertrauen? ---

Auch wir werden immer wieder in so einer Situation stehen. Auch wir werden immer wieder vor die Entscheidung gestellt, Gottes Wort zu gehorchen.

Und manchmal setzen wir uns als Christinnen und Christen auch dem Sport der Menschen aus.

Aber Petrus wagt den Glauben. Er gehorcht den Worten Jesu. Er fährt hinaus.

Und so ein Glaube wird von Jesus nie enttäuscht. So ein Glaube wird vielmehr immer ganz reich beschenkt und belohnt.

Als er mitten auf dem See das Netz wieder einziehen will, da wimmelt es in dem Netz vor Fischen. Er schafft es gar nicht, das Netz allein einzuziehen. Er braucht seine Kollegen als Hilfe. Und beide Boote sind zum Schluss bis an den Rand voll mit Fischen.

 

So reich belohnt Jesus den Glauben, so sehr segnet er. Er gibt dir nicht karg und kleinlich, sondern beschenkt dich reich mit allem, was du zum Leben brauchst.

 

Gerade junge Christen, Menschen, die die ersten Schritte des Glaubens gehen, erfahren oft, wie reich Gott sie beschenkt. Er macht ihnen Mut, beim nächsten Mal, bei der nächsten Entscheidung wieder den Glauben zu wagen.

Gott tritt auch in dein und mein Leben immer wieder einmal. Er stellt uns dann vor die Entscheidung des Glaubens. Und diese Entscheidung wird im Leben eines Christen nicht nur einmal gefällt, sondern sie fällt jeden Morgen neu:

Jesus, ich bitte dich, heute mit mir zu leben. Ich bitte dich, mich an diesem Tag zu begleiten. Ich bitte dich, mich zu schützen und zu segnen. Ich bitte dich um ein gehorsames Herz.

 

  1. Wenn Jesus dann aber in dein Leben tritt, dann kommt es erst einmal zu einer tiefe Selbsterkenntnis, zu einer tiefen Erkenntnis der eigenen Schuld.

Bei Petrus war das nicht anders. Als er an jenem Tag die Vollmacht und Heiligkeit Jesu erkannte. Als ihm klar wurde: Jetzt steht hier kein Mensch vor mir.

In Jesus steht vielmehr der lebendige Gott von mir, da fällt es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen. Da erkennt er, wie sehr er bisher ohne Gott und oft gegen seinen Willen und seine Gebote gelebt und gehandelt hatte.

Und diese Erkenntnis macht ihm Angst, er erschrickt. Er fühlt sich so, als ob in der Gegenwart Gottes die hintersten, dunkelsten und dreckigsten Ecken seines Lebens beleuchtet würden.

Jemand sagte einmal: Wenn du im Kohlekeller sitzt, kannst du dir noch einbilden, sauber zu sein, aber wenn du ans Licht des Tages trittst, dann erkennst du die Menge des Schmutzes, die an dir klebt!

Genauso ergeht es uns. Wo wir im Licht vor der Heiligkeit Gottes stehen, da erkennen wir, dass wir schuldige Menschen sind, dass wir so, wie wir sind, überhaupt nicht zu Gott passen. ---

Aber auch da stehen wir vor der nächsten Entscheidung: Weglaufen und die Schuld kleinreden, oder vor sich und vor Gott ganz ehrlich zu werden und die eigene Schuld zu bekennen.

Bei Petrus war das auch nicht anders: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!

Aber Jesus geht nicht. Er bleibt. Er hört zu, wenn wir unsere Schuld vor ihm bekennen. Und er verurteilt uns da nicht. Er schaut uns vielmehr mit Augen der Liebe an. Denn er weiß ja um deine und meine Schuld und er wartet nur darauf, dass wir damit zu ihm kommen, ihm alles bekennen und dann immer wieder neu die Freude der Vergebung erfahren.

Das ist christlicher Glaube, der durch die Tiefen geht. Ein Glaube, der durch Sündenerkenntnis getrieben, zum Bekennen der Sünde kommt und dann die Freude der Vergebung täglich neu erfahren darf.

 

Denn es ist Freude im Himmel über jeden Menschen, der zu Gott umkehrt und Buße tut!

Der Apostel Johannes schreibt später: Wo wir unsere Sünde bekennen, da ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit!

  1. Aber damit ist noch nicht Schluss. Wer sich bewusst für den Glauben an Jesus Christus entschieden hat, wer Vergebung seiner Sünden geschenkt bekommen hat, wer durch Gottes Heiligen Geist zu einem neuen Menschen gemacht wurde, den nimmt Gott dann auch in den Dienst. Denn Gott hat uns allen Gaben gegeben. Und aus diesen Gaben will er eine Aufgabe machen.

Und Jesus gibt dem Petrus nun eine Aufgabe, mit der er nie gerechnet hätte, eine Aufgabe, für die er bisher überhaupt keine Ausbildung genossen hatte: „Fürchte dich nicht! Du wirst jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen!“

Und wieder steht Petrus vor einer Entscheidung. Verlasse ich wirklich alles, was bisher mein Leben bestimmt hat? Lass ich meinen Beruf hinter mir, der mich bisher ernährt hat? Gehe ich jetzt mit Jesus in eine ungewisse Zukunft? ---

Petrus wagt den Schritt des Glaubens. Er und seine Gefährten bringen die Boote an Land, verlassen alles und gehen mit Jesus.

 

Nicht in jedem christlichen Leben vollziehen sich solche grundlegenden Veränderungen. Aber hast du nicht auch schon einmal erlebt, dass Gott dir eine ganz bestimmte Aufgabe ans Herz gelegt hat?

Da bittet dich jemand um einen Gefallen und du stehst vor der Entscheidung, ihm zu helfen oder nicht.

Da fällt dir plötzlich ein Mensch ein, dem es schlecht geht und du empfindest den inneren Drang, diesen Menschen zu besuchen und ihm zu helfen.

Da fällt dir die Not eines Menschen ein und es ist dir klar, dass du jetzt die Hände falten solltest, um wenigstens für ihn zu beten.

Da steht dir ein großes soziales Projekt vor Augen und du bist gefragt, dieses mit einer Spende zu unterstützen. ---

Und manchmal ist es vielleicht auch ein Auftrag, der dein Leben verändert.

Und immer wieder stellt sich dir die Frage, dem Ruf Jesu zu gehorchen oder nicht. ---

Aber eines ist sicher. Wo wir ihm gehorchen, werden wir selber reich gesegnet. Denn wo wir geben, da bekommen wir ein überreiches Maß zurück an Dank, an Erfüllung, an Sinn.

Und wenn wir denken, dass uns die Kraft und die Begabung fehlt, wird Gott auch uns damit reich beschenken.

Bei Petrus jedenfalls war die Ernte groß. Bei seiner ersten Predigt schon kamen Tausende zum Glauben, andere erlebten durch ihn später Hilfe und Heilung. Sein Leben hinterließ eine Spur des Segens.

Und das darf und soll auch in deinem und meinem Leben so geschehen.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

Es grüßt Sie herzlich

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

 

******************************************************************************************************************************************************

******************************************************************************************************************************************************

 

 

 

Die Predigt für den 4. Sonntag nach Trinitatis (05. Juli 2020) finden Sie hier:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Römer 12,17-21:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ (Sprüche 25,21-22).

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Der Kirchenvater Augustin sagte einmal:

- Gutes mit Bösem vergelten ist teuflisch.

- Gutes mit Gutem oder Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.

- Aber Böses mit Gutem vergelten ist göttlich. ---

 

Um Gut und Böse geht es in unserem heutigen Predigttext.

 

Es sind Worte des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde damals wie heute.

Gut und Böse spielen auch in unserem Alltag eine wichtige Rolle. Von guten und von bösen Taten hören wir jeden Tag in den Nachrichten.

Und immer wieder neu erschrecken wir darüber, wenn von einer neuen Dimension der Gewalt und der Brutalität gesprochen wird. ---

 

(Eine Familie nimmt ein Kind auf und sorgt liebevoll für es. Aber im Laufe der Jahre entfernt sich dieses Kind trotz aller Liebe immer mehr von den Pflegeeltern. Es gerät in schlimme Kreise hinein und zum Schluss bringt es den Pflegevater um. ---

 

Da ist Gutes mit Bösem vergolten worden. Da ist das Gute nicht gedankt worden.)

Manchmal haben wir den Eindruck, dass sich diese teuflische Entwicklung in unserer Welt von Jahr zu Jahr verschlimmert. ---

 

Wenn wir auf die Bibel hören, dann wissen wir, dass der Mensch eben nicht so edel, hilfreich und gut ist, wie er nach den Worten eines Johann Wolfgang von Goethe sein sollte.

Wir erleben stattdessen, dass es stimmt, dass der Mensch dem andern oft wie ein reißender Wolf ist. –

 

Nun stellt sich die Frage, wie diese Spirale der Gewalt eingedämmt werden kann, dass es eben nicht immer schlimmer wird, dass das Böse nicht immer mehr überhandnimmt.

Denn in einer Welt, in der sich der Mensch immer mehr selbst der Nächste ist, in der der Mensch sich immer mehr zum Gott aufspielt, in der wir Menschen immer mehr Gott - loswerden, kann es letztlich nicht besser werden.

Das hat auch schon die Bibel erkannt. Bereits im dritten Kapitel hat diese Abwärtsbewegung begonnen. Da meinte der Mensch es besser zu wissen als Gott. Und kurz darauf geschieht der erste Mord: Kain erschlägt seinen Bruder Abel.

Da war kein Paradies mehr auf Erden.

Ja, Gutes mit Bösem zu vergelten ist eben teuflisch!!

- Aber Gott hat uns Menschen ja ursprünglich gut geschaffen und gut gewollt. Er hat uns den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Wir sollte Gottes Stellvertreter sein. Wir sollte etwas von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes repräsentieren.

Und Gott wollte in täglichem Kontakt mit uns Menschen sein und liebevollen Umgang mit uns pflegen.

Aber der Mensch hat sich im Ungehorsam gegen Gott und gegen sein Wort gestellt.

Und dieser Sündenfall geschah nicht nur damals!

Er geschieht auch heute noch, wo wir uns von Gott und seinem guten Willen abwenden. ---

Aber unser Gott wollte nun in seiner großen Liebe diesem Treiben nicht länger zuschauen. Deshalb hat er uns zunächst seine Gebote gegeben. Sie sollten uns zeigen, wie wir nach dem Willen Gottes gut mit ihm und untereinander leben könnten. Die Gebote sollten das Schlimmste verhindern und für uns wie Leitplanken auf einem guten Weg sein.

Jesus hat diese guten Wegweiser später im Doppelgebot der Liebe zusammengefasst: „Wir sollen Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst.“

Aber auch da hat sich im Laufe der Zeit eine schlimme Entwicklung ergeben. Es entstand daraus ein durch unzählige Regeln und Gesetze begleitetes Leben, in dem es nur noch um Gebote und Verbote ging. Ein Leben, in dem der Mensch aus eigener Kraft versuchte, sich selber zu verbessern. ---

Im jüdischen Glauben waren es genau 613 Gebote und Regeln, die der Mensch zu befolgen hatte.

Und auch im christlichen Bereich hat sich der Glaube oft auf das inhaltlich leere Schlagwort „Nächstenliebe“ reduziert.

So entstanden schon im Alten Testament Anweisungen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, durch die die Eskalation der Gewalt vermieden werden sollte.

Und bei uns hat sich das dann niedergeschlagen in Sprichworten wie: „Wie du mir, so ich dir!“ - Das ist das Echogesetz der Welt.

Aber all das sind nur menschliche Versuche, die Eskalation des Bösen zu begrenzen. Es sind Versuche, ohne Gott die Welt zu verbessern.

Augustin hatte schon recht, wenn er sagte:

„Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.“ ---

Paulus versucht uns nun hier einen neuen Weg zu zeigen. Er weist uns auf einen Weg hin, durch den diese Welt nicht aus menschlicher Kraft, sondern allein durch - und mit Gottes Hilfe erneuert werden kann. „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.“

Es ist der Weg, über den Augustin sagt: Böses mit Gutem vergelten, das ist göttlich. ---

Es kann nun sein, dass sich gegen diese Worte des Paulus Widerstand regt.

Wenn du so handelst, dann verzichtest du doch auf dein gutes Recht! Wer nur lieb und nett ist, der zeigt doch nur Schwäche und bringt es zu nichts!

Soll man denn alles schlucken, was uns andere antun? Die Psychologen sagen doch, dass das Hinunterschlucken von erlittenem Unrecht noch viel schlimmer sei, als das Abreagieren!

 

Liebe Gemeinde, dass mich niemand an diesem Punkt falsch versteht. Der Staat hat das Schwert nicht umsonst, d.h. dass jeder Übeltäter natürlich der gerechten irdischen Strafe zugeführt werden soll.

Und sollte er ihr entgehen, wird Gott selber einmal im Jüngsten Gericht über ihn urteilen.

Paulus schreibt ja auch: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

In unserem heutigen Predigttext geht es vielmehr darum, wie ich persönlich mit zugefügtem Leid oder erfahrenen Verletzungen umgehe. Ob ich dem Täter immer alles sofort heimzahle oder ihn gar mit Hass überziehe. ---

 

Aber seien wir doch ehrlich: Vergeltung hat doch noch nie zu etwas Gutem geführt, dafür aber umso mehr Trümmer hinterlassen: in Ehen und Familien, unter Hausbewohnern, am Arbeitsplatz, sogar unter ganzen Volksgruppen und Völkern!

Wenn nun jemand jetzt sagt: „Aber ich bringe das nicht fertig“, dann ist das verständlich, dann ist das ehrlich. Wir können nicht aus eigener Kraft über unseren Schatten springen. Wir können nicht aus uns selbst heraus den inneren Vergeltungszwang überwinden! Das schaffen wir einfach nicht.

Aber mit meinem Gott kann ich über Mauern springen! Mit Jesus kann es möglich werden, wenn wir ihn in unser Herz aufgenommen haben!

Wir dürfen deshalb die Worte unseres heutigen Predigttextes nicht aus dem Gesamtzusammenhang des Römerbriefes herausnehmen! Denn wenn wir das tun, sind diese Worte des Paulus wieder nur Appelle, Aufforderungen oder Gesetze, die wir einhalten sollen.

Gegen solche moralischen Appelle lehnen wir uns aber entweder innerlich auf, weil wir es nicht schaffen, sie einzuhalten, oder wir werden traurig und resigniert über unsere Schwäche oder unserem Versagen.

Wir werden dann entweder fromme Heuchler, die von ihrer eigenen Gutheit überzeugt sind, oder wir gehen kaputt unter unseren dauernden Selbstvorwürfen.

 

Jesus möchte aber aus uns frohe und freie Christen machen.

Und deshalb erzählt Paulus in den elf Kapiteln vorher davon, wie wir trotz unserer Schuld, trotz unserer Gottlosigkeit, immer wieder in den Augen Gottes recht dastehen können.

Er erzählt davon, wie wir allein durch den Glauben an Jesus Christus gerecht werden, wie wir allein durch den Glauben zu neuen Menschen werden können. Denn Jesus hat uns doch das Mut-machende Wort zugerufen: Siehe ich mache alles neu!

Und er hat auch die Macht und die Möglichkeit, uns und diese Welt zu erneuern. Er kann uns zu Menschen machen, die die Liebe Gottes widergeben. Er kann uns Schritt für Schritt verändern und erneuern!

Aber das geschieht nie aus eigener Kraft. Das kann nur geschehen in der ständigen Verbindung zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns diese Liebe und diese Vergebungsbereitschaft vorgelebt hat.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Zwei Menschen saßen einmal an einem Lagerfeuer. Die Holzscheite, die mitten in der Glut lagen, die brannten, die gaben Licht und Wärme ab.

Dann nahm einer ein Holzscheit aus dem Feuer heraus. Es brannte anfänglich noch. Aber dann wurden die Flammen immer kleiner und nach einer Weile brannte dieses Holzscheit nicht mehr. ---

Wir Menschen sind wie solche Holzscheite. Wenn wir außerhalb des Feuers liegen, dann sind wir dunkel und kalt. Erst wenn wir in das Feuer der Liebe Jesu Christi mit hineingenommen werden, dann verändert sich etwas, dann brennen auch wir. Dann geht etwas von der verändernden Liebe Jesu von uns aus. Dann können wir so leben, wie Jesus es uns für uns gedacht hat. Dann können wir auch Werkzeuge des göttlichen Friedens werden.

Paulus schreibt ja: Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Und Jesus hat es vorgemacht. Als ihm einmal jemand eine Ohrfeige gab, dann zahlte er es ihm nicht mit gleicher Münze zurück, sondern fragte nur: „Warum schlägst du mich?“ Und mit dieser Frage entwaffnete er seinen Gegner. ---

Die Königsdisziplin aber scheint mir der letzte Satz des Paulus zu sein: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Dadurch werden dann die sprichwörtlichen feurigen Kohlen, das schlechte Gewissen, auf das Haupt unseres Gegners gelegt.

So ein Handeln schafft aber niemand von sich aus. Erst wenn wir selber die große, vergebene Liebe unseres Gottes erlebt haben. Erst wo wir im eigenen Leben erfahren durften, dass Gott auf unsere Schuld nicht mit der verdienten Strafe reagiert, sondern bereit ist - wo wir voll Reue zu ihm kommen - uns täglich neu Vergebung zu schenken. Erst da können wir dem anderen vergeben wie Gott uns vergibt. ---

 

Ich möchte schließen mit einer Geschichte, die mich sehr bewegt hat: Erino Dapozzo war ein italienischer Christ. Während der Nazi-Herrschaft wird er jahrelang gefangen gehalten. Er ist abgemagert und verletzt.

In diesem Zustand kommt es zu einer Begegnung mit dem Lagerkommandanten.

Dapozzo erzählt davon in eigenen Worten:

„Am Weihnachtsabend 1943 ließ mich der Kommandant rufen. Er saß vor einer reich gedeckten, festlichen Tafel. Stehend musste ich zusehen, wie er sich all die Leckerbissen schmecken ließ. - Er setzte mir zu, weil ich Christ war und meinen Mitgefangenen Hoffnung zusprach im Blick auf Jesus.

Eine Ordonnanz brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse herein. Der Lagerkommandant begann, auch diese zu essen. Dann wandte er sich an mich:

„Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo.“ - Ich verstand nicht, was er meinte. - Er erklärte es mir: „Seit Jahren schickt ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich aufgegessen habe.“

Ich kämpfte mit den Tränen. Meine Frau und meine Kinder hatten von ihrer ohnehin kargen Ration Mehl, Fett und Zucker abgespart, um mir etwas zukommen zu lassen. Und dieser Kerl hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen. - Der Teufel flüsterte mir zu: „Hass ihn, Dapozzo!“ Aber ich betete, damit in mir der zerstörerische Hass nicht aufkomme. ---

Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach diesem Mann; zehn Jahre dauerte es, bis ich ihn fand. Er erkannte mich erst, als ich ihm sagte: „Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?“

Da bekam er Angst. „Sie sind gekommen, um sich zu rächen?“ fragte der ehemalige KZ-Kommandant.

„Ja“ bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein großer Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir zusammen den Kuchen und tranken Kaffee.“ ---

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

An dieser Geschichte merken wir, dass das alles andere als einfach ist und dass es Kraft kostet, die Gefühle der Vergeltung und des Hasses nicht hochkommen zu lassen. Denn diese negativen Gefühle würden uns sonst innerlich Stück für Stück zerreißen und zerstören.

So eine Kraft der Liebe und der Vergebung kann uns nur geschenkt werden, wo wir uns im Glauben immer wieder neu von Jesus stärken lassen. ---

So eine besondere Stärkung wird uns heute im Abendmahl geschenkt. Wenn wir es feiern, können wir uns von Jesus die Kraft erbitten, die nötig ist, um das Böse mit Gutem zu überwinden.

Und dann mag das Wunder geschehen:

Andere ballen ihre Fäuste – wir öffnen unsere Hände.

Andere rufen nach Vergeltung – wir sprechen von Vergebung.

Andere brüllen aus Hass – wir singen von Liebe.

Wo das geschieht, werden die Worte des Heiligen Augustin wahr, der damals gesagt hat:

„Böses mit Gutem vergelten ist göttlich.“

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

Es grüßt Sie herzlich

Wolfgang Heidenreich

Pfarrer

 

******************************************************************************************************************************************************

******************************************************************************************************************************************************

 

Den Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis (28.Juni 2020) finden Sie hier   

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Lukas 19,10: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Haben Sie schon einmal etwas verloren? Ich vermute, dass das vielen von uns schon einmal passiert ist. Da hat man einen Regenschirm liegen lassen, den Geldbeutel oder den Hausschlüssel verloren.

Da ist einem etwas aus der Hosentasche gerutscht oder vom Gepäckträger des Fahrrades gefallen.

Oft sind das nur Nebensächlichkeiten, oft kann man die Sachen wieder ersetzen oder man hat das Glück, sie wiederzufinden.

Aber es gibt auch Dinge, die richtig weh tun, wenn wir sie verlieren. Dann etwa, wenn etwas für uns eine besondere Bedeutung hat, wenn ich etwas nicht mehr ersetzen kann oder wenn etwas unwiederbringlich verloren ist.

Sehr gute Freunde von uns haben jetzt etwas verloren, was unwiederbringlich ist, was von unschätzbarem Wert ist.

Sie werden es wohl alle in den Medien gehört oder gelesen haben. Jener junge Mann, der mit seiner vierjährigen Tochter in der letzten Woche im Trebgaster Badesee auf tragische Weise ertrunken ist.

Es sind der Sohn und das Enkelkind von Jörg Streng gewesen. Viele von uns kennen Jörg Streng, weil er als christlicher Liedermacher weit über die Grenzen von Bayreuth bekannt ist und hier schon in unserer Kirche Konzerte gegeben hat.

Den Sohn, Ehemann, Vater oder Bruder zu verlieren, das ist ein tragisches Ereignis.

Manche nehmen das sensationsgierig zur Kenntnis, andere stellen Fragen nach dem Warum oder klagen gleich Gott an, wie er das zulassen kann. Denn der junge Mann war ja selber bekennender Christ.

Und jemand hat auch gleich gefragt, ob man da nicht seinen Glauben verlieren muss. ---

Wir können die Trauer und das Entsetzen darüber, was da geschehen ist, nicht einfach kleinreden. Es ist und bleibt auch für Christen ein schwerer Brocken.

Nun heißt es aber in unserem neuen Wochenspruch über Jesus: Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!

Es gibt also noch eine viel schlimmere Art, etwas zu verlieren. Es gibt die Möglichkeit, sich selber zu verlieren, auf ewig die Beziehung zu Gott zu verlieren. Und das ist in den Augen Gottes der allerschlimmste Verlust, dann, wenn ein geliebtes Geschöpf Gottes für ewig verloren geht.

Um das zu verhindern, kam Jesus zu uns auf unsere Erde. Er kam, weil Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er will, dass auch kein einziger Mensch verloren geht.

Deshalb starb er für deine und meine Schuld am Kreuz. Deshalb gab er sich selbst als Opfer, damit du und ich die verlorene Verbindung zu Gott wiederbekommen können.

Auf ganz besondere Weise hat das damals der Zachäus erlebt. Er war auch so ein verlorener Mensch. Er hatte sich an das Geld verloren. Es war sein Gott geworden. Dem Geld opferte er Freundschaften und Ansehen. Dem Geld opferte er seine Zeit und sein Leben. Um immer mehr Geld zu scheffeln, nutzte er seine Machtposition damals am Zoll schamlos aus. Die Tarife erhöhte er zu seinen Gunsten. So wurde er immer reicher an Geld, aber immer ärmer an Leben, an Liebe, an Sinn oder auch an Beziehungen.

Irgendwie hat er gerade noch rechtzeitig die Kurve gekriegt. Er hat angefangen, noch einem neuen und besseren Sinn im Leben zu suchen.

Dabei hat er am Zoll wohl so einiges über Jesus gehört. Und das hat ihn neugierig gemacht. Den Mann wollte er unbedingt mal kennenlernen. Und als er erfuhr, dass Jesus durch Jericho kommen würde, da wollte er ihn unbedingt sehen und hören.

Weil er aber zu klein war und die Leute ihn wohl auch bewusst nicht vorließen, stieg er auf einen Baum, um von dort herab Jesus zu sehen.

Der kleine reiche Mann machte sich zum Gespött der Leute. Aber das war ihm egal.

Als Jesus mit einer großen Menschenmenge kam, da zog er gerade unter diesem Baum durch. Aber Jesus hat ihn dennoch da oben bemerkt.

Er forderte ihn auf, herunterzukommen. Und dann kam die Sensation des Tages, über die sich wohl viele das Maul zerrissen haben: Jesus wollte genau bei diesem Außenseiter als Gast einkehren.

Wie kann er nur? Weiß er denn nicht, wer der ist?

Aber Jesus kannte den Zachäus bestens. Er wusste, dass er dort oben mit sehnsuchtsvollem Herzen im Baum saß. Gerade deshalb will er bei ihm einkehren.

Und das verändert das Leben des Zachäus schlagartig. Er steht nicht mehr abseits. Jesus will mit ihm etwas zu tun haben.

Aber in der Begegnung mit Jesus erkannte Zachäus auch, was ihn bisher vom Leben getrennt hat. Es war seine ungerechte Geldgier, seine Habsucht, seine Betrügereien, durch die er ein verlorener Mensch geworden war.

Aber in der Begegnung mit Jesus wird er ein neuer Mensch. Jesus macht ihn frei und froh. Durch Jesus hat er Gott wiedergefunden, das Zentrum des Lebens.

Und so will er – soweit überhaupt möglich – seine alte Schuld wiedergutmachen. Er sagt zu Jesus: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Und Jesus sagt darauf sofort: Heute ist diesem Haus und somit auch dem Zachäus Heil widerfahren. Er ist geheilt, frei von seiner Geldsucht geworden.

Aber noch mehr: er ist auch wieder Abrahams Sohn geworden. Das heißt er gehört wieder dazu zum Volk Gottes. Die Verbindung ist wiederhergestellt.

Und dann sagte Jesus noch unseren heutigen Predigtvers: Denn der Menschensohn – und damit meint er sich - ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Jesus sucht und rettet verlorene Menschen. Er bringt auch dich und mich immer wieder neu zu Gott zurück, er nimmt alle Schuld weg, die uns bislang von ihm getrennt hat. Er bringt uns zurück in die Gemeinschaft mit Gott, wenn wir uns nur von ihm retten lassen.

Und wenn so eine Menschenseele wieder gesucht, gefunden und zurückgebracht ist, dann herrscht im Himmel und auf Erden eine riesengroße Freude darüber.

Genauso, wie du dich freust, wenn du etwas für dich Wertvolles wiedergefunden hast. ---

 

Wie können wir nun aus diesem Glauben heraus als Christinnen und Christen reagieren, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben?

Sicher auch mit Tränen und Trauer! Sicher oft mit der Frage: Warum? Warum mussten die beiden schon in so jungen Jahren sterben? Wir hätten sie doch noch so sehr gebraucht und noch gerne viel länger behalten.

Aber manchmal wird dann mit der Zeit aus der Frage nach dem Warum, auf die wir oft keine Antwort bekommen, die Frage nach dem Wozu!

Mein früherer Seelsorger hat dazu einmal sinngemäß Folgendes aus seinem Leben erzählt: Er hatte auch zwei Kinder im Laufe der Jahre verloren. Das war für ihn alles andere als leicht.

Aber eines Tages, da bekam er eine Antwort, einen Trost geschenkt. Sein kleiner, verstorbener Sohn erschien ihm im Traum und sagte zu ihm: Vati, sei nicht traurig, mir geht es doch so gut! - Ja, der kleine Junge war geborgen in Abrahams Schoß. Er war am Ziel angekommen. Er war im Himmel bei Gott.

Und das ist doch letztlich unser aller Ziel als Christen. Wir wollen doch alle ans Ziel in den Himmel kommen. Dorthin, wo es unvergleichlich schön ist, dorthin, wo es kein Leid und kein Geschrei, keine Trauer und kein Leid mehr gibt.

Wer uns im Glauben an Jesus Christus vorangegangen ist, der ist schon am Ziel. Der ist schon im Himmel angekommen. Vielleicht viel früher, als wir es uns gewünscht hätten. Aber am Ziel!

Und manchmal handelt Gott auch anders, als wir es uns gewünscht haben. Vielleicht brauch er droben im Himmel jetzt schon einen guten Lehrer, der den Kindern im Himmel von der großen Liebe Gottes erzählt.

Mein Enkel hat kürzlich ein Bild fertig gestickt. Es war so eine bunte Stickvorlage für Kinder. Als er fertig war zeigte er uns stolz sein Werk. Auf der Vorderseite ein wunderbares Bild. Aber er hielt es erst falsch herum. Man sah nur die Unterseite, ein Gewirr von chaotischen Fäden, die da kreuz und quer verliefen. Man hatte von unten keine Chance, etwas von dem fertigen Bild auf der Oberseite zu erahnen.

 

Genauso ergeht es uns auch oft im Leben. Wir erkennen die Wege Gottes mit uns nicht. Sie sind für uns nur wie ein wirres Durcheinander.

Aber von oben aus, vom Himmel aus mit Gottes Auge gesehen, da macht alles irgendwie einen Sinn.

 

Am Sterbetag der beiden jungen Leute stand in der Herrnhuter Losung ein Satz aus dem Römerbrief im 8. Kapitel. Eine sogenannte rhetorische Frage: Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

Und Paulus gibt einige Verse später selber die Antwort darauf: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Und in der Herrnhuter Losung stand dazu noch ein Liedvers von Arno Pötzsch: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt. Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit und werden sein und leben in Gott in Ewigkeit.

Ja, Gott sei Dank ist Jesus gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was sonst verloren ist.

Deshalb macht er uns auch immer wieder Mut zum Glauben, denn wer ihn sucht, der findet ihn; wer ihn bittet, dem wird gegeben und wer bei ihm anklopft, dem wird aufgetan.

Und dieser Glaube verändert dann unser Leben! Wir können wir dann voll Vertrauen vorwärtsschauen. Und in diesem Glauben werden wir auch durch die dunkelsten Täler im Leben geführt und getragen. ---

Wir sind deshalb als Christinnen und Christen nicht unbedingt besser, aber wir sind besser dran.

Das möchte ich zum Abschluss noch mit einer bekannten Geschichte von Margaret Fishback Powers verdeutlichen, die in ihrem Gedicht „Fußspuren im Sand“ geschrieben hat:

Eines nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen." ---

Und so wird er auch uns durch manch schwere Zeiten tragen, weil er uns liebt, uns sucht und uns ans große Ziel unseres Lebens bringen will.

Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!

 

Amen - Und der Friede Gottes …