St. Bartholomäus Mistelbach (Foto: S. Römpp)

Nach der langen Corona-Pause finden nun wieder Gottesdienste um 09:30 Uhr in oder vor unserer Kirche statt:

Wir haben 42 Plätze in und manchmal noch 50 Plätze vor der Kirche!

Mit Liedblatt, Handdesinfektion, 1,5 m Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung!

Bitte kommen Sie frühestens 15 Minuten vor dem Gottesdienst!

Wann und wie Gottesdienste stattfinden, das finden Sie unter "Termine".

Anmeldung jeweils am Vortag bis 18:00 Uhr im Pfarramt ist erforderlich :

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!      oder     Telefon: 09201/363

 

Den Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis (28.Juni 2020) finden Sie hier   

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Lukas 19,10: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Haben Sie schon einmal etwas verloren? Ich vermute, dass das vielen von uns schon einmal passiert ist. Da hat man einen Regenschirm liegen lassen, den Geldbeutel oder den Hausschlüssel verloren.

Da ist einem etwas aus der Hosentasche gerutscht oder vom Gepäckträger des Fahrrades gefallen.

Oft sind das nur Nebensächlichkeiten, oft kann man die Sachen wieder ersetzen oder man hat das Glück, sie wiederzufinden.

Aber es gibt auch Dinge, die richtig weh tun, wenn wir sie verlieren. Dann etwa, wenn etwas für uns eine besondere Bedeutung hat, wenn ich etwas nicht mehr ersetzen kann oder wenn etwas unwiederbringlich verloren ist.

Sehr gute Freunde von uns haben jetzt etwas verloren, was unwiederbringlich ist, was von unschätzbarem Wert ist.

Sie werden es wohl alle in den Medien gehört oder gelesen haben. Jener junge Mann, der mit seiner vierjährigen Tochter in der letzten Woche im Trebgaster Badesee auf tragische Weise ertrunken ist.

Es sind der Sohn und das Enkelkind von Jörg Streng gewesen. Viele von uns kennen Jörg Streng, weil er als christlicher Liedermacher weit über die Grenzen von Bayreuth bekannt ist und hier schon in unserer Kirche Konzerte gegeben hat.

Den Sohn, Ehemann, Vater oder Bruder zu verlieren, das ist ein tragisches Ereignis.

Manche nehmen das sensationsgierig zur Kenntnis, andere stellen Fragen nach dem Warum oder klagen gleich Gott an, wie er das zulassen kann. Denn der junge Mann war ja selber bekennender Christ.

Und jemand hat auch gleich gefragt, ob man da nicht seinen Glauben verlieren muss. ---

Wir können die Trauer und das Entsetzen darüber, was da geschehen ist, nicht einfach kleinreden. Es ist und bleibt auch für Christen ein schwerer Brocken.

Nun heißt es aber in unserem neuen Wochenspruch über Jesus: Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!

Es gibt also noch eine viel schlimmere Art, etwas zu verlieren. Es gibt die Möglichkeit, sich selber zu verlieren, auf ewig die Beziehung zu Gott zu verlieren. Und das ist in den Augen Gottes der allerschlimmste Verlust, dann, wenn ein geliebtes Geschöpf Gottes für ewig verloren geht.

Um das zu verhindern, kam Jesus zu uns auf unsere Erde. Er kam, weil Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er will, dass auch kein einziger Mensch verloren geht.

Deshalb starb er für deine und meine Schuld am Kreuz. Deshalb gab er sich selbst als Opfer, damit du und ich die verlorene Verbindung zu Gott wiederbekommen können.

Auf ganz besondere Weise hat das damals der Zachäus erlebt. Er war auch so ein verlorener Mensch. Er hatte sich an das Geld verloren. Es war sein Gott geworden. Dem Geld opferte er Freundschaften und Ansehen. Dem Geld opferte er seine Zeit und sein Leben. Um immer mehr Geld zu scheffeln, nutzte er seine Machtposition damals am Zoll schamlos aus. Die Tarife erhöhte er zu seinen Gunsten. So wurde er immer reicher an Geld, aber immer ärmer an Leben, an Liebe, an Sinn oder auch an Beziehungen.

Irgendwie hat er gerade noch rechtzeitig die Kurve gekriegt. Er hat angefangen, noch einem neuen und besseren Sinn im Leben zu suchen.

Dabei hat er am Zoll wohl so einiges über Jesus gehört. Und das hat ihn neugierig gemacht. Den Mann wollte er unbedingt mal kennenlernen. Und als er erfuhr, dass Jesus durch Jericho kommen würde, da wollte er ihn unbedingt sehen und hören.

Weil er aber zu klein war und die Leute ihn wohl auch bewusst nicht vorließen, stieg er auf einen Baum, um von dort herab Jesus zu sehen.

Der kleine reiche Mann machte sich zum Gespött der Leute. Aber das war ihm egal.

Als Jesus mit einer großen Menschenmenge kam, da zog er gerade unter diesem Baum durch. Aber Jesus hat ihn dennoch da oben bemerkt.

Er forderte ihn auf, herunterzukommen. Und dann kam die Sensation des Tages, über die sich wohl viele das Maul zerrissen haben: Jesus wollte genau bei diesem Außenseiter als Gast einkehren.

Wie kann er nur? Weiß er denn nicht, wer der ist?

Aber Jesus kannte den Zachäus bestens. Er wusste, dass er dort oben mit sehnsuchtsvollem Herzen im Baum saß. Gerade deshalb will er bei ihm einkehren.

Und das verändert das Leben des Zachäus schlagartig. Er steht nicht mehr abseits. Jesus will mit ihm etwas zu tun haben.

Aber in der Begegnung mit Jesus erkannte Zachäus auch, was ihn bisher vom Leben getrennt hat. Es war seine ungerechte Geldgier, seine Habsucht, seine Betrügereien, durch die er ein verlorener Mensch geworden war.

Aber in der Begegnung mit Jesus wird er ein neuer Mensch. Jesus macht ihn frei und froh. Durch Jesus hat er Gott wiedergefunden, das Zentrum des Lebens.

Und so will er – soweit überhaupt möglich – seine alte Schuld wiedergutmachen. Er sagt zu Jesus: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Und Jesus sagt darauf sofort: Heute ist diesem Haus und somit auch dem Zachäus Heil widerfahren. Er ist geheilt, frei von seiner Geldsucht geworden.

Aber noch mehr: er ist auch wieder Abrahams Sohn geworden. Das heißt er gehört wieder dazu zum Volk Gottes. Die Verbindung ist wiederhergestellt.

Und dann sagte Jesus noch unseren heutigen Predigtvers: Denn der Menschensohn – und damit meint er sich - ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Jesus sucht und rettet verlorene Menschen. Er bringt auch dich und mich immer wieder neu zu Gott zurück, er nimmt alle Schuld weg, die uns bislang von ihm getrennt hat. Er bringt uns zurück in die Gemeinschaft mit Gott, wenn wir uns nur von ihm retten lassen.

Und wenn so eine Menschenseele wieder gesucht, gefunden und zurückgebracht ist, dann herrscht im Himmel und auf Erden eine riesengroße Freude darüber.

Genauso, wie du dich freust, wenn du etwas für dich Wertvolles wiedergefunden hast. ---

 

Wie können wir nun aus diesem Glauben heraus als Christinnen und Christen reagieren, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben?

Sicher auch mit Tränen und Trauer! Sicher oft mit der Frage: Warum? Warum mussten die beiden schon in so jungen Jahren sterben? Wir hätten sie doch noch so sehr gebraucht und noch gerne viel länger behalten.

Aber manchmal wird dann mit der Zeit aus der Frage nach dem Warum, auf die wir oft keine Antwort bekommen, die Frage nach dem Wozu!

Mein früherer Seelsorger hat dazu einmal sinngemäß Folgendes aus seinem Leben erzählt: Er hatte auch zwei Kinder im Laufe der Jahre verloren. Das war für ihn alles andere als leicht.

Aber eines Tages, da bekam er eine Antwort, einen Trost geschenkt. Sein kleiner, verstorbener Sohn erschien ihm im Traum und sagte zu ihm: Vati, sei nicht traurig, mir geht es doch so gut! - Ja, der kleine Junge war geborgen in Abrahams Schoß. Er war am Ziel angekommen. Er war im Himmel bei Gott.

Und das ist doch letztlich unser aller Ziel als Christen. Wir wollen doch alle ans Ziel in den Himmel kommen. Dorthin, wo es unvergleichlich schön ist, dorthin, wo es kein Leid und kein Geschrei, keine Trauer und kein Leid mehr gibt.

Wer uns im Glauben an Jesus Christus vorangegangen ist, der ist schon am Ziel. Der ist schon im Himmel angekommen. Vielleicht viel früher, als wir es uns gewünscht hätten. Aber am Ziel!

Und manchmal handelt Gott auch anders, als wir es uns gewünscht haben. Vielleicht brauch er droben im Himmel jetzt schon einen guten Lehrer, der den Kindern im Himmel von der großen Liebe Gottes erzählt.

Mein Enkel hat kürzlich ein Bild fertig gestickt. Es war so eine bunte Stickvorlage für Kinder. Als er fertig war zeigte er uns stolz sein Werk. Auf der Vorderseite ein wunderbares Bild. Aber er hielt es erst falsch herum. Man sah nur die Unterseite, ein Gewirr von chaotischen Fäden, die da kreuz und quer verliefen. Man hatte von unten keine Chance, etwas von dem fertigen Bild auf der Oberseite zu erahnen.

 

Genauso ergeht es uns auch oft im Leben. Wir erkennen die Wege Gottes mit uns nicht. Sie sind für uns nur wie ein wirres Durcheinander.

Aber von oben aus, vom Himmel aus mit Gottes Auge gesehen, da macht alles irgendwie einen Sinn.

 

Am Sterbetag der beiden jungen Leute stand in der Herrnhuter Losung ein Satz aus dem Römerbrief im 8. Kapitel. Eine sogenannte rhetorische Frage: Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

Und Paulus gibt einige Verse später selber die Antwort darauf: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Und in der Herrnhuter Losung stand dazu noch ein Liedvers von Arno Pötzsch: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt. Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit und werden sein und leben in Gott in Ewigkeit.

Ja, Gott sei Dank ist Jesus gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was sonst verloren ist.

Deshalb macht er uns auch immer wieder Mut zum Glauben, denn wer ihn sucht, der findet ihn; wer ihn bittet, dem wird gegeben und wer bei ihm anklopft, dem wird aufgetan.

Und dieser Glaube verändert dann unser Leben! Wir können wir dann voll Vertrauen vorwärtsschauen. Und in diesem Glauben werden wir auch durch die dunkelsten Täler im Leben geführt und getragen. ---

Wir sind deshalb als Christinnen und Christen nicht unbedingt besser, aber wir sind besser dran.

Das möchte ich zum Abschluss noch mit einer bekannten Geschichte von Margaret Fishback Powers verdeutlichen, die in ihrem Gedicht „Fußspuren im Sand“ geschrieben hat:

Eines nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen." ---

Und so wird er auch uns durch manch schwere Zeiten tragen, weil er uns liebt, uns sucht und uns ans große Ziel unseres Lebens bringen will.

Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!

 

Amen - Und der Friede Gottes …