St. Bartholomäus Mistelbach (Foto: S. Römpp)

Hier sind die Predigten ab dem 3. Sonntag nach Trinitatis (28. Juni 2020) zum Nachlesen hinterlegt.                                                                    

 

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22.11.2020 - Ewigkeitssonntag Philipper 1,21-26

18.11.2020 - Buss- und Bettag Jesaja 1,10-18

15.11.2020 - Volkstrauertag Lukas 16,1-8

01.11.2020 - Reformationsfest Thema Lutherrose

 

Hier stehen noch ältere Predigten zur Verfügung:

 

Den Predigttext von Pfr. Heidenreich für den Ewigkeitssonntag (22. November 2020) finden Sie hier:

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

 

Philipper 1,21-26 (ZuS 2018):

Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll im Fleisch, so dient mir das dazu, mehr Frucht zu schaffen; und so weiß ich nicht, was ich wählen soll. Denn es setzt mir beides hart zu: Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben um euretwillen. Und in solcher Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen sein werde, euch zur Förderung und zur Freude im Glauben, damit euer Rühmen in Christus Jesus größer werde durch mich, wenn ich wieder zu euch komme.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde,

liebe Angehörige unserer Verstorbenen,

deren wir heute noch einmal gedenken!

Im Volksmund nennen viele den heutigen letzten Sonntag im Kirchenjahr ganz schlicht und nüchtern den Totensonntag. Das klingt aber wenig einfühlsam.

Die kirchliche Bezeichnung für den heutigen Sonntag dürfte in vielen Ohren dagegen zu weich oder zu blumig klingen: Gedenktag der Entschlafenen.

Ja, schön wär‘s, wenn das Sterben immer ein sanftes Entschlafen wäre. Bei Einzelnen unserer Verstorbenen war das vielleicht so, aber andere haben Jahre darauf gewartet, endlich sterben zu dürfen. Wieder andere wurden viel zu früh aus diesem Leben gerissen.

Und vor allem: Für uns, die wir zurückbleiben, ist es ja nicht so, als ob unsere Lieben einfach nur schlafen und wir sie jederzeit wieder aufwecken könnten.

Nein, der Schmerz bleibt: In diesem Leben sehen wir sie nicht wieder. Die gemeinsame Zeit hier ist vorbei. Was schön war, können wir nicht zurückholen. Was ungut war, können wir nicht mehr miteinander klären und was wir versäumt haben, können wir nicht mehr nachholen.

 

Trostsätze (Vers 21)

Der Missionar Paulus blickt genau diesem Schicksal ins Auge. Er sitzt wegen seines Glaubens im Gefängnis. Möglicherweise erwartet ihn sogar die Todesstrafe. Er weiß also nicht, ob er die Menschen wiedersehen wird, die ihm wichtig sind, die er liebhat, die er vermisst.

Erstaunlicherweise versinkt er aber weder in Trauer und Trübsal, noch tröstet er sich mit jenen oberflächlichen Sätzen, die manche von Ihnen, liebe Angehörige, im vergangenen Jahr wohl gehört haben dürften:

Kopf hoch; es wird schon wieder! - Irgendwie geht es weiter! - Sei nicht traurig; ihm/ihr geht es jetzt bestimmt besser. Oder: Es nützt alles nichts, man muss es nehmen, wie es kommt.

So gut gemeint solche Sätze sind, so hilflos und so allgemein kommen sie meist daher.

Tragfähige Hoffnung und tiefen Trost können wir als Christen aber aus anderen Sätzen schöpfen, wie z.B. aus dem des Apostels Paulus: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“

Ich gebe zu, liebe Gemeinde, dieser Satz kann provozieren. Denn wir, die Hinterbliebenen, erleben das Sterben nicht als Gewinn, sondern als Verlust.

Die Gelegenheit, noch einmal Gutes miteinander zu erleben, ist genauso verloren wie die Chance, das Ungute doch noch anzusprechen und auszuräumen.

 

Verlust. - In unserem Leben, in unserer Familie hat sich im vergangenen Jahr eine Lücke aufgetan, die vielleicht niemals ganz geschlossen werden wird und mit der wir nun umzugehen lernen müssen.

Und doch ist jener Glaubenssatz von Paulus keine gemeine, sondern eine heilsame Provokation. Denn er lässt uns etwas Gutes, Hoffnungsvolles ahnen.

Er lässt uns hoffen, dass der Tod nicht einfach nur schrecklich ist, dass er uns nicht für immer in Traurigkeit versetzen kann, dass er seine Endgültigkeit eingebüßt hat.

Denn es gibt jemanden, der sogar das Sterben in Gewinn verwandeln kann – und damit den Tod in den Durchgang ins Leben, ins ewige Leben bei Gott.

 

Optionen (Vers 22-25): So sicher ist das für Paulus, so selbstverständlich, so klar, dass er ganz offen und geradezu ungeniert darüber nachdenken kann, was ihm eigentlich lieber wäre:

Sterben und dadurch bei Jesus sein – oder weiterleben und Menschen im Glauben an Christus stärken? Endlich am Ziel ankommen – oder noch eine wichtige Aufgabe erfüllen?

Das sind zwei gute Optionen, zwischen denen er regelrecht hin- und hergerissen ist. Wobei Paulus die erste Option eindeutig lieber wäre, weil es die viel, viel besser ist: Ich habe Lust – so jetzt wörtlich – aufzubrechen und bei Christus zu sein.

Das ist wieder so eine heilsame Provokation: Sterben ist doch nicht schön! Aber für den, der an den auferstandenen Sieger über den Tod glaubt, an Jesus Christus, für den ist es ein Aufbruch zur himmlischen Heimat, hin zum großen Ziel unseres Lebens.

 

Das Losgehen in ein neues Land. Das Aufbrechen in ein neues Leben – in das Leben ohne Leiden, das Leben ohne Missverständnisse und Streit, das Leben ohne Enttäuschung und Entbehrung.

Sterben ist für den, der an den auferstandenen Bezwinger des Todes glaubt, der Aufbruch in das ewige Leben voller Frieden, voller Freude und voller Fülle. Es ist der Aufbruch in das ewige Leben bei Jesus Christus. Das ist die bessere Option.

Und dieser Glaube gibt uns jetzt schon einen tiefen Trost.

 

Als in diesem Jahr der Sohn eines unserer Freunde zusammen mit der Enkeltochter tragisch ums Leben kam, standen später auf der Traueranzeige die Worte: „Wir sind zu Hause und wir sind am Ziel!“

Liebe Gemeinde, ich persönlich befinde mich nach menschlichem Ermessen ja im letzten Drittel des Lebens, aber ich hatte schon mehrfach den Eindruck: es ist noch nicht Zeit für mich zu gehen.

Als ich vor rund zwei Jahren mit meinem Sohn mit Auto und Anhänger zum ehemaligen Garten meines Vaters fahren wollte, um noch die letzten Dinge auszuräumen, da blieben wir an einem steilen Stück kurz vor dem Garten hängen.

Dort im Schatten der Bäume war noch Eis. Das ganze Gespann rutschte unkontrolliert zurück und der Anhänger stellte sich quer. Es gab kein Vorwärts und kein Rückwärts. Wir mussten an diesem steilen Stück den Anhänger abkoppeln.

Am Ende der Aktion konnten wir beide den Anhänger nicht mehr halten. Ich stürzte kopfüber in einen Graben und der Anhänger kam hinterher.

Gott sei Dank traf er mich nicht. Ich blieb unverletzt. Nur das Rücklicht war zerbrochen.

Da kann ich im Rückblick auch nur sagen: es war noch nicht Zeit für mich zu gehen. Irgendetwas hat Gott offenbar noch mit mir vor. ---

Geschieht es Ihnen nicht auch ab und zu ähnlich, wenn etwa im Straßenverkehr Sie oder jemand anderes gerade noch rechtzeitig bremsen können und sie merken: das hätte schlimm ausgehen können.

Haben Sie dann nicht auch manchmal den Eindruck: Gott will, dass ich noch bleibe. Scheinbar hat er noch etwas mit unserem Leben vor.

Kennen Sie diesen Eindruck auch?

Ich vermute, dass Paulus solch einen Eindruck hatte. Denn obwohl es für ihn die eindeutig bessere Option wäre, aufzubrechen und bei Christus zu sein, ist er überzeugt, dass es für ihn noch nicht Zeit ist zu gehen.

Er spürt, dass Gott vorerst die andere Option für ihn bereithält, die nötigere, die wichtigere, die dringendere: nämlich weiterleben und Menschen helfen, auf Christus den Bezwinger des Todes, zu vertrauen, im Glauben an ihn zu wachsen und Freude daraus zu schöpfen.

Darin sieht Paulus seine Aufgabe. Das macht sein Leben sinnvoll. Das gibt ihm Kraft, hier zu bleiben und weiterzumachen.

 

Zuspruch

Liebe Gemeinde, liebe Angehörige unserer Verstorbenen, das soll heute auch unsere Kraftquelle sein, heute am Totensonntag, am Gedenktag der Entschlafenen: dass wir im Vertrauen auf Jesus Christus zwei gute Optionen, zwei gute Wege vor uns haben:

Der Tod ist nicht das bittere Ende, sondern die Tür zu dem Ort, wo Gott abwischen wird alle Tränen, wo kein Leid, kein Geschrei und kein Schmerz mehr sein werden, wo wir ausruhen können, wo uns keine Schuld mehr plagt und keine Angst uns mehr jagt.

Durch die Verbindung mit Jesus Christus wird unser Sterben zu einem Aufbruch in jene neue Welt voller Frieden, Freude und Fülle. Dort werden wir bei Christus sein und ihn von Angesicht zu Angesicht sehen.

Darum müssen wir nicht vorher, in diesem Leben, noch alles schaffen und hinkriegen. Das Entscheidende ist, dass wir bereit sind aufzubrechen.

Und bis dahin hat Gott noch etwas mit uns vor. Solange wir noch in diesem unserem Körper, in dieser unserer Welt und in dieser unserer Zeit leben, können wir Gutes und Sinnvolles tun.

Wir brauchen uns dabei nicht um uns selbst zu drehen. Wir brauchen uns nicht in den Alltagspflichten verlieren. Wir brauchen nicht in die Lücke fallen, die durch den Weggang eines lieben Menschen in unserem Leben oder in unserem Herzen entstanden ist.

Denn Christus hat noch etwas mit uns vor. Wir sollen und wir dürfen Glauben, Hoffnung und Freude verbreiten. Das wird unser Leben sinnvoll machen. Das wird uns Kraft geben.

 

Schluss

Liebe Gemeinde, komme, was wolle: Christen haben immer zwei gute Optionen vor sich: Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

Wäre das nicht etwas, wenn wir darum - wie Paulus - dem Tod so nüchtern und furchtlos ins Auge sehen könnten, weil wir wissen: Er ist nur der Durchgang – und zwar der Durchgang in das ewige Leben bei Jesus!

Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. Wäre das nicht etwas, dass wir wie Paulus das Sterben, unser Sterben oder das unserer Lieben, nicht tabuisiert und nicht verdrängen müssen, weil wir glauben und wissen: Das Beste kommt noch!

Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Wäre das nicht etwas, dass wir den Schlusspunkt unseres Lebens nicht selber kontrollieren und bestimmen müssen, weil wir fest darauf vertrauen können:

Solange es nötig ist, bleiben wir noch hier, denn Christus hat noch etwas mit uns vor.

Und wenn es Zeit ist, dann brechen wir auf – zu ihm, unserem Herrn! Und dann sind wir am Ziel!

 

Deshalb hat Melchior Vulpius im Jahr 1609 dichten können:

  1. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; ihm will ich mich ergeben, mit Fried fahr ich dahin.
  2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf dass ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei.
  3. In dir, Herr, lass mich leben und bleiben allezeit, so wirst du mir einst geben des Himmels Wonn und Freud.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

 

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Den Predigttext von Pfr. Heidenreich vom Volkstrauertag (15. November 2020) finden Sie hier: 

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Lukas 16,1-8:

Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Da sprach der Verwalter bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Der sprach: Hundert Fass Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.

Gebet

Liebe Gemeinde!

Da ist also ein reicher Großgrundbesitzer. Die Verwaltung seiner Güter erledigt er schon lange nicht mehr selbst. Dafür hat er einen Verwalter eingesetzt. Einen Mann mit Erfahrung, Kompetenz und weitreichenden Vollmachten. Der Besitzer braucht sich um nichts mehr zu kümmern.

Aber eines Tages wird ihm gesteckt: „Du, dein Verwalter dreht krumme Dinger. Er gibt deinen Besitz mit vollen Händen aus.“

Der reiche Mann hat keinen Zweifel an der Wahrheit der Vorwürfe. Umgehend lässt er seinen Verwalter rufen: „Was muss ich da über dich hören? Ich will alle Bücher sehen! Wenn du deine Schlussrechnung vorgelegt hast, bist du entlassen!“

Der Verwalter widerspricht nicht, seine Heimlichkeiten sind nicht mehr zu verbergen. Was nun? Er schätzt seine Lage realistisch ein: Die Kündigung ist unwiderruflich. Schwere körperliche Arbeit kommt für ihn nicht in Frage. Da bliebe nur noch das Betteln. Aber er schämt sich, sich jetzt so einfach an die Straße zu setzen und seinen Hut vor sich hinzustellen.

Er muss sich jetzt schnell entscheiden, wenn er seine Zukunft sichern will. Er selbst hat nichts mehr, also braucht er dazu die anderen.

Da kommt ihm eine Idee, wie ihm auch in Zukunft ein Dach über dem Kopf sicher ist: Er ruft die Schuldner seines Herrn zu sich und erlässt ihnen einen beträchtlichen Teil ihrer Schuld.

Die denken sich: So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben. Und sie sagen deshalb: „Du, das ist ja super. Das hätte ich gar nicht von dir gedacht. Wenn du mal meine Hilfe brauchst, dann wende dich vertrauensvoll an mich!“ ---

Soweit die Geschichte, die Jesus seinen Jüngern erzählt. Ein durch und durch unehrlicher Verwalter. Um seine eigene Haut zu retten, betrügt er seinen Herrn gleich noch einmal.

Und dann kommt der folgende Satz hinterher: „Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter.“

Unerhört! Das kann doch wohl nicht wahr sein. Sollen wir jetzt alle unsere Arbeitgeber betrügen? Will uns Jesus allen ernstes diesen betrügerischen Verwalter als Vorbild hinstellen?“

Aber sehen wir noch einmal genauer hin. Das Urteil über den Verwalter bleibt ja bestehen. Er ist und bleibt untreu. Daran gibt es nichts zu rütteln. Das ist nicht zu verharmlosen. Er bekommt seine Strafe in der Geschichte zu Recht.

Aber Lukas schreibt ja: „Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte.“

Das Lob des Herrn bezieht sich also gar nicht auf die unrechte Tat dieses Menschen, sondern auf seine Klugheit. Da liegt die Vorbildfunktion des Verwalters für uns Christen. Jesus sagt: „Schaut euch doch einmal die Klugheit dieses Mannes an. Da könnt ihr für euch wertvolle Dinge entdecken.“

Drei solche Entdeckungen möchte ich weitergeben.

  1. Es geht um meine letzte Verantwortung

„Gib Rechenschaft“, verlangt der reiche Mann von seinem Verwalter. „Leg mir deine Schlussabrechnung vor!“ In der Wirtschaft ein ganz gewöhnlicher Vorgang.

Im Alltag reden wir mehr von Verantwortung, die wir übernehmen. Verantwortung für unsere Kinder, Verantwortung für die Schöpfung, usw.

Aber vor wem müssen wir uns eigentlich verantworten?

Vor dem, was alle tun? „Das ist doch heute so üblich. Da können wir doch nicht einfach aussteigen.“ Der Zeitgeist also als letzte Instanz?

Oder genügt es, dass wir uns vor unserem eigenen Gewissen verantworten? Aber wer kann denn ausschließen, dass das nicht in einem Selbstgespräch endet?

Liebe Gemeinde!

Verantwortung ist etwas Anderes. Ver-antwort-ung heißt doch: Ich gebe jemand Antwort. Verantwortung setzt also ein Gegenüber voraus, dem ich eine Antwort schuldig bin!

Nun gibt es sicher ungezählte Verantwortlichkeiten in unserer Welt. Aber über diese alltäglichen Dinge hinaus tragen wir alle eine Verantwortung für unser ganzes Leben. Nicht einem allgemeinen, unpersönlichen Schicksal gegenüber, sondern dem lebendigen Gott. Er hat uns geschaffen und begabt. Er rüstet uns mit allem aus, was wir in diesem Leben brauchen. Aber er fragt uns auch, was wir damit angefangen haben.

Zur Klugheit unseres Lebens gehört die Einsicht: Gott wird mich zur Verantwortung ziehen, für das, was ich denke, sage und tue: „Wie hast du gelebt? Hast du Gott die Ehre gegeben und deinem Nächsten in Liebe geholfen? Bist du mir nachgefolgt, hast du meine guten Gebote beachtet?“

Die Bibel spricht unmissverständlich von diesem letzten Gericht, vor dem sich alle Menschen verantworten müssen. Egal, ob sie das hier schon wahrhaben wollen oder nicht. Egal, ob uns das passt oder nicht. Die Schlussabrechnung für unser Leben kommt garantiert.

Gericht Gottes, d.h. aber auch: Ich bin Gott so wichtig, dass er nach meinem Leben fragt. Nur die Leute, die einem egal sind, die lässt man auch links liegen. Aber wir sind Gott unendlich wertvoll, er hat Großes mit uns vor. Deshalb fragt er uns nach unserem Leben.

Und damit komme ich zur zweiten Erkenntnis aus unserem Gleichnis:

 

  1. Es geht um die wichtigste Entscheidung meines Lebens

Denken wir uns dazu noch einmal in den Verwalter in unserem Gleichnis hinein. Er schätzt seine Lage sehr realistisch ein. Er weiß: „Ich habe meine Aufgaben nicht treu ausgeführt. Natürlich war nicht alles schlecht. Aber ich kann meine Untreue nicht damit rechtfertigen, dass ich auch mal ehrlich war.“

So, wie ein Dieb sich ja auch nicht mit den Worten entschuldigen kann: „Ich war doch auch mal ehrlich.“

Die Lage des Verwalters ist sehr ernst. Er kann keine ordentliche Schlussabrechnung vorlegen. ---

Liebe Gemeinde! Wenn wir einmal vor Gott stehen, dann können wir aus eigener Kraft auch keine ordentliche Lebensbilanz vorlegen. Wir leben unser Leben doch nicht konsequent zur Ehre Gottes und nach seinen Plänen. Deshalb brauchen wir täglich die Gnade und Vergebung Gottes. Aber das brauche ich sicher keinem, der ehrlich zu sich ist, zu sagen.

Viel wichtiger ist jetzt die Frage des Verwalters: Wie kann ich jetzt noch meine Zukunft sichern?“

Er schiebt die Antwort auf diese brennende Frage seines Lebens nicht hinaus. Etwa mit den Worten: „Ach, ich bin doch noch so jung. Über diese letzten Fragen kann ich doch noch später nachdenken. Im Moment bin ich zu beschäftigt, da bleibt mir gar keine Zeit.“

Der Verwalter ist nicht nur realistisch, sondern auch entscheidungsfreudig. „Ich weiß, was ich tun will.“ Er will sich seine Zukunft sichern. Das ist bitter nötig, denn auf seine bisherigen Errungenschaften kann er nicht mehr bauen. ---

Wissen Sie, was Sie tun wollen, um Ihre Zukunft zu sichern? Der Verwalter bedient sich eines unlauteren Tricks. Da können wir nicht mit. Aber er packt entschlossen zu. Das ist seine Klugheit.

Luther fragt: „Was soll unsere vornehmste Sorge sein?“ und antwortet: „Dass ich das Himmelreich gewinne ...“ - Haben Sie diese Frage gelöst?

Wer eine tragfähige Antwort sucht, kommt dabei an Jesus Christus nicht vorbei. Wer sich Jesus anvertraut, der darf wissen: Jetzt wird Jesus an meiner Stelle antworten, wenn Gott nach meinem Leben fragt. Jesus stellt sich dann vor mich und sagt:

„Ich bin schon für ihn gestorben, seine Schuld ist schon beglichen, seine Vergangenheit habe ich bereinigt.“

Ist das nicht großartig. Gott zieht mich nicht einfach nur zur Rechenschaft, um mich zu verderben. Obwohl ich ausgespielt habe, dem sicheren Ende entgegengehen, bietet Gott mir sogar noch eine letzte Rettung an: Er selbst kommt mir entgegen, sein Sohn Jesus Christus sorgt für die passende Antwort auf die Fragen des Richters.

Es ist alles bereit! Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, ob ich mich diesem Jesus auch anvertraue. Ob er für mich antworten darf? Ob er die Marschroute meines Lebens bestimmen darf?

Dies ist die wichtigste Entscheidung meines Lebens. Sie betrifft mich jetzt und heute genauso, wie in Zukunft. Meine Entscheidung für Jesus verändert dabei mein Leben. Ich darf leben ohne Angst vor dem Tod und ohne Sorge vor meiner letzten Verantwortung im göttlichen Gericht! Das ist eine Freiheit, die mein ganzes Leben prägt! ---

Doch damit sind wir schon bei der dritten Entdeckung in unserem Gleichnis.

  1. Es geht um das größte Ziel meines Lebens

Für den Verwalter ist klar, was er in Zukunft braucht: „Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen.“ Er braucht ein Zuhause.

Für viele von Ihnen ist das vielleicht selbstverständlich, ein Zuhause zu haben. Aber die Schar derjenigen wächst, die so etwas nie kennengelernt haben.

Die Obdachlosigkeit steigt unermüdlich. Die Zahl der Scheidungskinder, die nur noch ein halbes Zuhause haben, wächst weiter. Aber auch die, bei denen äußerlich alles in Ordnung ist, haben oft Sehnsucht nach einem heilen Zuhause. Geborgenheit erfahren, ohne die ständige Angst vor der Gefahr, dass unser kleines Glück zerbricht.

Jesus sagt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin.“

Unsere Zukunft muss nicht im Ungewissen bleiben. Wer an Jesus glaubt, hat ein großes Ziel vor Augen: Er wird nach Hause kommen. Dort, wo unser Herr und Bruder Jesus Christus uns eine Wohnung bereitet hat, wird Gott der Vater sich selbst um uns kümmern.

Mit dieser Hoffnung vor Augen, lässt es sich leben. Wer ein großes Ziel im Blick hat, kann diesem sein ganzes Leben unterordnen.

Für Sportler ist es selbstverständlich, für den Sieg das ganze Leben einzurichten: Trainingspläne und sportgerechte Ernährung, Üben bei jedem Wetter. Und bei Schmerzen muss man eben die Zähne zusammenbeißen. Es lohnt sich, denn wenn der Sieg erreicht ist, sind alle Mühen vergessen. ---

Wenn das für einen verwelkenden Lorbeerkranz möglich ist, für matt werdende Medaillen und bald vergessenen Ruhm, sollte da ein ewiges Zuhause bei Jesus nicht mindestens genauso locken?

Liebe Gemeinde! Lassen Sie sich von Jesus beschenken. Wer den Himmel gewonnen hat, der geht auch mit neuem Mut in den Alltag.

Heute schon für morgen sorgen. Zu so einer weitblickenden Klugheit, die Jesus uns wünscht, gehört die Einsicht: Ich muss mich einmal vor Gott verantworten.

Um in seinem Gericht zu bestehen, ist eine wichtige Entscheidung nötig, nämlich: Ich will mich Jesus anvertrauen.

Und damit gewinne ich das größte Ziel meines Lebens, denn: Ich habe ein ewiges Zuhause bei Gott.

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

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Den Predigttext für das Reformationsfest (01. November 2020) finden Sie hier:

 

Lesegottesdienst zum Reformationsfest am 01.11.2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. - Amen

Der Herr sei mit euch. - Und mit deinem Geist.

 

Liebe Gemeinde!

Zum baldigen Reformationsfest möchte ich Sie alle ganz herzlich begrüßen mit dem Wochenspruch aus 1. Korinther 3,11:

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Christus Jesus.

Unser Gottesdienst soll heute ganz im Zeichen Martin Luthers stehen! Wir werden Lieder Luthers singen, mit Worten Luthers beten und über sein Wappen, die Lutherrose, nachdenken.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Gottesdienst.

 

Bild der Lutherrose hier einfügen !!!!

 

 

Eingangslied 193,1-3 Erhalt uns, Herr

 

Kollektengebet

Lasst uns gemeinsam Luthers Morgensegen beten!

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle.

Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Amen

 

Lesung aus Römer 3,21-28

Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben.

Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

 

Glaubensbekenntnis

Wochenlied 299,1-3 Aus tiefer Not

 

Gnade sei mit euch von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Auf dem Liedblatt habe ich das Wappen Martin Luthers mit abgedruckt, die sogenannte Lutherrose.

In einem Brief erklärt Luther selber einmal dieses Wappen. Er schreibt: Das erste soll ein schwarzes Kreuz sein, mitten im Herzen, welches seine natürliche Farbe hat, damit ich mich selber daran erinnere, dass der Glaube an den Gekreuzigten uns selig macht. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht.

Luther liegt damit ganz auf der Linie des Apostels Paulus, der damals schrieb: Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. ---

Jemand anderes sagte einmal: „Das Kreuz von Golgatha ist für uns Gottes Himmel auf Erden. Wenn ich unter dem Kreuz stehe, ist über mir der Himmel offen.“

Denn allein das Kreuz, an dem Jesus für uns starb, ist unsere Brücke zu Gott. Das Kreuz Jesu schließt uns den Himmel auf. ---

Eigenartig aber, dass Luther in seinem Wappen das Kreuz in schwarzer und das Herz in roter Farbe haben wollte. - Wäre es umgekehrt, würde ich es verstehen: Das Herz schwarz, gezeichnet von unserer Sünde und Schuld; das Kreuz aber rot, von Liebe zu uns Sündern und Versagern entbrannt.

Hilfreich dabei ist, was Pfarrer Busch einmal erzählte: In Essen brannte in der „Reichskristallnacht“ die jüdische Synagoge völlig aus. Später wurde diese Stadt bombardiert. Überall brannte es. Wer sich aber in die ausgebrannte Synagoge flüchteten, war gerettet! Denn zwischen den verkohlten Mauerresten gab es nichts mehr zum Brennen. Es hatte dort ja schon einmal gebrannt.

 

Pfarrer Busch sagte dazu: „Es gibt einen einzigen Ort, über den das Feuer des Zornes Gottes schon ging und der darum Zuflucht bietet: Das ist das Kreuz Jesu! Wie hat dort das Feuer gebrannt, als Jesus rief: Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Aber jetzt ist man in alle Ewigkeit dort sicher vor dem Gericht Gottes.“

Was für eine gute Nachricht: Wenn unsere Schuld wie Feuer im Herzen brennt und uns verklagt, dann dürfen wir uns unter das Kreuz Jesu flüchten. Wenn wir das tun, dann sind wir selig, gerettet für immer! -

 

- Verständlich, wenn Luther sein Wappen weiter so beschreibt: „Dieses Herz aber soll in einer weißen Rosen stehen, um anzuzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe.“

Das Wort vom Kreuz ist bis heute eine frohmachende, tröstende und Frieden schenkende Botschaft. Deshalb sollte die Rose die Farbe Weiß haben – die Farbe der Freude. Einer Freude, die in die Tiefe reicht!

Deshalb konnte Luther sagen: „Ein Christenherz auf Rosen geht, auch wenn´s mitten unterm Kreuze steht“ – weil Christus auch im Leid bei uns ist. -

Da schreibt eine 45-jährige schwerkranke Frau an ihre Freundin: „Das ist es, was mich so froh macht: einen Hirten zu haben, der weiß, was für mich gut ist, der sich über mich erbarmt, weil er sieht, wie ich mich oft abquäle.“

Von ihren vier Kindern soll das jüngste im kommenden Frühjahr konfirmiert werden. Sie weiß nicht, ob sie dieses Fest noch miterleben wird.

Sie trägt dabei ihre Krankheit nicht wie eine Heldin. Oft ist sie ganz am Boden, völlig verzweifelt.

Aber in aller Verzweiflung weiß sie: „Ich habe einen Hirten!“ Und es bleibt nicht allein bei diesem Wissen. Denn so schreibt sie weiter in ihrem Brief:

„Ich nehme meinen Hirten und sein Erbarmen oft in Anspruch. Mein kräftezehrendes Sorgen bringe ich immer wieder zu ihm und empfange dann von ihm neue Kraft, Ermunterung und Trost.“

Es ist wirklich so, wie Luther gesagt hat: „Ein Christenherz auf Rosen geht, auch wenn´s mitten unterm Kreuze steht.“ ---

Hören wir weiter Luthers Erklärung seines Wappens:

„Solche Rose stehet in einem himmelblauen Feld, um anzuzeigen, dass solche Freude im Glaube ein Anfang ist der zukünftigen Freude im Himmel. Jetzt wohl schon im Herzen begriffen und durch Hoffnung gefasst, aber noch nicht offenbar.“

Zugegeben, wenn man das nicht öfters lesen kann, tut man sich mit dem Verstehen schwer.

Anders, wenn man es auf dem Hintergrund leidvollen menschlichen Lebens hört!

Da erkrankt ein 34-jähriger Familienvater an einem Gehirntumor. Ärztliche Kunst kann bald nichts mehr ausrichten. Er ist dem Tod geweiht.

Aber er ist auch ein Kind Gottes, das etwas vom Himmel weiß. Auf dem Sterbebett kann der Mann nur noch ganz leise und kaum verstehbar drei Zahlen murmeln: 3-7-0.

Seine Frau begreift sofort, was er damit sagen will, holt sein Gesangbuch, schlägt Lied 370 auf und liest ihm dann das Lied Paul Gerhardts vor:

„Warum sollt ich mich denn grämen?

Hab ich doch Christus noch,

wer will mir den nehmen?

Wer will mir den Himmel rauben,

den mir schon Gottes Sohn

beigelegt im Glauben?“

So erleben Menschen, deren Herz für Christus entbrannt ist, etwas von dem Himmel, der uns zwar unsichtbar, aber doch real umfängt.

Sie fallen dann nicht in ein Loch der Angst oder Verzweiflung, sondern erfahren Geborgenheit, wenn sie alles loslassen und zurücklassen müssen, was ihnen im Leben bisher lieb und wert war. Denn sie haben durch Jesus die unsterbliche Hoffnung im Herzen: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.

Vielleicht verstehen wir jetzt Luthers Erklärung der Rose in seinem Wappen besser, wenn er sagt: „Solche Rose stehet im himmelfarben Felde, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig.“

Und wenn Luther dann in seiner Beschreibung fortfährt: „Und um dieses Feld einen goldenen Ring, dass solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köstlichste Erz ist.“

Beim „goldenen Ring“ denke ich natürlich zunächst an den Ehering. Doch jeder Ehebund geht mit dem Tod eines Menschen einmal zu Ende.

Nicht aber der Bund des Friedens, den Gott in Jesus mit aller Welt geschlossen und in den er alle fest eingeschlossen hat, die an den Heiland und Erlöser der Welt glauben! Dieser Bund seiner Liebe und Treue ist unverbrüchlich. Er ist wie ein goldener Ring. Er umschließt unser Leben in Zeit und Ewigkeit!

Die Garantie dafür ist Jesus, der dir und mir zuruft: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Deshalb hat man nach dem Tod des Reformators um die Lutherrose den Schriftzug VIVIT (lateinisch: „ER lebt“) ergänzt – als Hinweis auf den Sieger über alle Todes- und Höllenmächte dieser Welt.

Denn wir wissen, dass Luther in Zeiten großer Anfechtungen oft das Wort VIVIT auf den Tisch oder an die Tür schrieb, um sich zu erinnern und zu ermutigen: Jesus lebt doch, mein Retter und HERR!

Für Luther war dieses Vertrauen die Basis für sein Leben. Auf Jesus konnte er sich verlassen – vor allem dann, wenn er im Glauben angefochten war.

Bekannt ist sein so ehrliches und zugleich tröstliches Bekenntnis:

„Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen.

Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist’s aus mit mir. Ich muss verzweifeln.

Aber das lasse ich bleiben. Wie Judas an den Baum mich hängen, das tu’ ich nicht. Ich hänge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin. Ob ich auch noch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest. ---

Dann spricht er zum Vater: Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten, Vater, aber er hängt sich an mich. Was will’s! Ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlüpfen. Das soll mein Glaube sein.“ - Und das darf auch mein und unser aller Glaube sein! Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Predigtlied 351,1-3 Ist Gott für mich, so trete

 

Fürbitten

Lasst uns mit Worten Martin Luthers beten!

Siehe, Herr, ich bin wie ein leeres Gefäß, fülle es!

Ich bin schwach im Glauben, stärke mich!

Ich bin kalt in der Liebe, lass mein Herz brennen!

Lass meine Liebe herausströmen auf meinen Nächsten.

Ich habe keinen festen und starken Glauben, ich zweifle zuweilen und kann nicht völlig vertrauen.

Ach, Herr, hilf mir!

Mehre meinen Glauben, lass mich dir vertrauen.

Ich bin arm, du bist reich, doch du bist gekommen, dich der Armen zu erbarmen.

Ich bin ein Sünder, du bist gerecht; ich leide an der Sünde, in dir ist die Fülle der Gerechtigkeit.

Ich bleibe bei dir; denn von dir darf ich nehmen und muss nicht geben. Amen

 

Vaterunser

 

Segen

 

 

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Den Predigttext für den 20. Sonntag nach Trinitatis (25. Oktober 2020) finden Sie hier:

 

Zum Abschluss der Themenwoche wurde die Predigt von Pfr. i. R. Heinz Bogner gehalten. 

Die Beiträge der Themenwoche wurden aufgenommen und können im Pfarramt Mistelbach (09201 363)

von Pfr. Wolfgang Heidenreich auf einen mitgebrachten USB-Stick kopiert werden.

 

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Den Predigttext für den 19. Sonntag nach Trinitatis (18. Oktober 2020) finden Sie hier: 

 

Predigt von Pfarrer Dieter Opitz über Markus 2,1-12

 

Liebe Gemeinde!

Was der Gelähmte in dieser Geschichte erfahren hat, haben unzählige Menschen bis auf den heutigen Tag erlebt: Vergebung und Heilung. Es geht sicher nicht immer so spektakulär zu wie in dem Bericht von Markus: Kalk und Stroh rieseln von der Decke herab. Ein primitiver Aufzug kommt langsam von oben herunter. Es ist eine Matte, auf der ein Gelähmter liegt.

Der Mann, dem das Haus gehörte, sah vielleicht mit Entsetzen den Schaden, der da seinem Eigentum zugefügt wurde. Die Hausfrau den Dreck, den sie nachher wegputzen musste. Die Zuhörer die Störung in ihrer erbaulichen Stimmung. Aber Jesus sah den Glauben der Freunde, die unbedingt den Kranken zu ihm bringen wollten.

Das nennt Jesus Glauben, wenn ich das zu ihm bringe, was mir Not macht. Bei den vier Männern war es ihr gelähmter Freund. Was ist es bei uns? Sind es Schwierigkeiten im Beruf oder in der Schule? Sind es schwierige Mitmenschen? Ist es unsere Gesundheit? Oder sind es Nöte von anderen Menschen, die uns am Herzen liegen, von unseren Kindern, unserem Ehepartner, guten Freunden? Was es auch ist, wir dürfen es alles zu Jesus bringen, das heißt wir dürfen es ihm im Gebet sagen.

Man kann übrigens auch zu einem Seelsorger gehen. Der kann im Namen Jesu mit einem beten. Denke nicht: „Ich kann doch einen Seelsorger nicht mit meinen kleinen Problemen belästigen!“ Doch, gerade das kannst und sollst du tun! Lass dich nicht von Gedanken niederdrücken wie: „Mir kann Jesus nicht helfen. Ich bin ein hoffnungsloser Fall. Meine Probleme sind zu groß, mein Charakter zu verkorkst, meine Schuld zu schwer.“ Weißt du nicht oder hast du es vergessen, dass Jesus ein Spezialist gerade für schwierige Fälle ist, ja für aussichtslose Fälle? Je weniger Möglichkeiten du siehst, dass dir in deiner Not geholfen werden kann, desto größer und wunderbarer kann Jesus in deinem Leben eingreifen.

Jesus fordert uns geradezu auf, zu ihm alles zu bringen, was wir als Lasten mit uns herumschleppen, wenn er im Matthäusevangelium sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Wer dies tut, der glaubt. Und wer so im Glauben all das, was ihn belastet, zu Jesus gebracht hat, der wird erfahren, dass ihm diese Lasten abgenommen werden. Aber diese Hilfe geschieht nicht immer so, wie wir uns das vorstellen.

Da wird mit großer Phantasie und Einsatzbereitschaft ein gelähmter Mann direkt zu Jesu Füßen heruntergelassen. Die unausgesprochene Bitte liegt direkt vor ihm: „Hilf mir! Heile mich!“ Doch das geschieht – zumindest zunächst – nicht. Jesus reagiert ganz anders. Völlig unerwartet sagt er: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Es steht nicht da, was dieser Gelähmte und seine Freunde gedacht haben. Überrascht waren sie sicherlich. Vielleicht werden sie auch gedacht haben: „Vergebung, schön und gut. Aber jetzt ist doch etwas Anderes dran. Jetzt geht es doch um Heilung!“

Vielleicht haben auch wir genaue Vorstellungen, wie die Hilfe von Jesus auszusehen hat. Wenn wir krank werden, wollen wir gesund werden. Wenn wir einsam sind, wollen wir einen, der uns nahe ist. Wenn wir arbeitslos sind, wollen wir wieder einen Job. Wenn wir einen schwierigen Arbeitskollegen haben, wollen wir, dass er anders wird, oder versetzt wird. So einfach ist das.

 

Für Jesus sind die Dinge oft nicht so einfach. Er geht ihnen gerne auf den Grund. Er verhält sich wie jeder gute Arzt, zu dem ein Patient kommt, der ihm seine Beschwerden schildert: „Herr Doktor, gestern beim Fußballspielen bin ich auf den Arm gefallen. Seitdem tut er mir so furchtbar weh. Tun Sie doch bitte was gegen diese Schmerzen.“ Und der Arzt tut etwas. Er verabreicht ihm kein Schmerzmittel. Das wäre nur Symptomtherapie. Sondern er wird den Arm röntgen lassen, weil der Verdacht besteht, dass er gebrochen ist. Ein etwas unbedarfter Patient würde dann denken: „Wieso macht der Arzt nichts gegen meine Schmerzen? Das ist doch mein Problem!“ Aber der Arzt weiß: Wenn ich nicht rauskriege, warum der Arm weh tut, kann ich auch seine Schmerzen nicht richtig behandeln.“

So ist Jesus auch. Er doktert nicht an den Symptomen herum, sondern er geht das Übel an der Wurzel an. Wir wollen Hilfe und er bietet uns Vergebung an. Damit macht er uns klar: „Euch ist nicht recht geholfen, wenn ich euch leiblich gesund mache, aber ihr seid noch krank an eurer Sünde. Die entscheidende Hilfe geschieht, wenn euch eure Sünden vergeben werden. Denn was nützt euch, wenn ich euch das gebe, wonach ihr euch sehnt, aber die Gottesbeziehung bleibt krank und die Verbindung zum Vater bleibt zerstört.“ Symptomtherapie hat Jesus nicht anzubieten, sondern grundlegende Heilung. Deshalb zuerst dieser Satz: „Dir sind deine Sünden vergeben.“

Sündenvergebung, wer braucht das heute noch? Wen interessiert das noch? Ich denke an eine Szene aus dem Film „Schwarze Steine“, den wir oft auf Konfirmandenfreizeiten gezeigt haben. Ein Christ versucht, seinem Freund und Arbeitskollegen zu erklären, dass Jesus in diese Welt gekommen ist, um Sünden zu vergeben. Der Freund wendet abfällig ein: „Sünde? Die gab’s doch nur im Mittelalter!“ Daraufhin erwidert der Christ: „So, du meinst, Sünde gab es nur im Mittelalter? Woher kommen denn dann Krieg und Streit, Missverständnisse zwischen Menschen, Hass und Unversöhnlichkeit, Ehebruch und Scheidung? Die Ursache dafür ist die Sünde!“

Sünde ist bis auf den heutigen Tag etwas Hochaktuelles. Sie ist in erster Linie nichts Moralisches, wie bestimmte böse Dinge, die ich getan habe. Dann könnte ich mich ja herausreden und sagen: „Ich habe ja nicht viel Schlimmes getan. Ich bin doch kein Sünder.“ Sünde ist in erster Linie eine Beziehungsstörung. Das Verhältnis zwischen Gott und Mensch ist zutiefst gestört, ja zerstört. Da herrscht Misstrauen statt Glauben, Angst vor Gott statt kindlichem Vertrauen, Gleichgültigkeit statt Liebe, Funkstille statt Gebet. Das ist der Grund, warum es oft im Verhältnis zu den Mitmenschen knirscht, warum so viel Böses in unserem Leben die Macht über uns hat. Die eigentliche Ursache ist das gestörte Gottesverhältnis, die Sünde.

Vergebung ist also das Wichtigste, was Jesus anzubieten hat, und zwar nur er allein. Über diese Aussage haben sich in unserer Geschichte die anwesenden Schriftgelehrten aufgeregt. Er war für sie bestenfalls ein guter Prediger und Wunderheiler. Aber er konnte doch keine Sünden vergeben!

Jesus maßt sich für sie etwas an, wozu nur Gott in der Lage ist. Er ist in ihren Augen ein Gotteslästerer. Dieses Urteil begleitet Jesus auf Schritt und Tritt. Auch im Prozess gegen Jesus kommt dieser Vorwurf: Er hat Gott gelästert. Deshalb muss er sterben.

Auch heute denken viele Menschen nicht viel anders wie jene Schriftgelehrten. Jesus ist für sie ein guter Mensch, ein Vorbild, ein Friedensstifter, ein spiritueller Ratgeber. Aber er ist doch nicht Gottes Sohn, der Sünden vergeben kann!

 

Jesus beantwortet solche Gedanken auf seine Weise, mit einer Gegenfrage: Was ist leichter: heilen oder Sünden vergeben? Und er gibt die Antwort gleich selber: Ich kann Sünden vergeben und deshalb habe ich auch die Vollmacht über alles Leichtere, auch über Krankheit und Gesundheit. Und er befiehlt dem Kranken aufzustehen. Das Wunder geschieht: Der Gelähmte kann wieder gehen. Ein überwältigendes Erlebnis auch für die Umstehenden. So etwas haben sie noch nie gesehen.

Und doch: Die Heilung ist in dieser Geschichte nicht das Wichtigste. Sie ist für Jesus übrigens nie das Wichtigste. Sie ist immer nur Dreingabe, ein Zeichen dafür, dass er noch viel mehr kann, dass er umfassender heilt. Er heilt das zerstörte Verhältnis zu Gott

Dass Jesus auch heute noch heilen und oft auf wunderbare Weise helfen kann, haben viele Christen –auch ich – mehrfach erlebt. Ich habe es erfahren: Jesus hat auf Gebete hin Menschen geheilt, auch mich, er hat mich vor Unfällen bewahrt, hat mir in schweren Aufgaben beigestanden und vieles andere mehr getan.

Aber das ist nicht das Größte und Wichtigste. Das Wichtigste ist die Botschaft: „Dir sind deine Sünden vergeben!“ Denn dann ist ja Gott selber unter uns. Dann ist der Himmel auf Erden und auch in unserem Leben da. Dann können wir gewiss sein: Nichts und niemand trennt mich von Gott und ich werde ganz gewiss bei ihm in seinem Reich sein, wenn ich einmal sterbe. Diese Gewissheit ist etwas ganz Besonderes. Wo hört man denn von ihr? Wo hört man diesen Satz: „Dir sind deine Sünden vergeben.“? Weder aus dem Munde eines Religionsstifters noch aus dem eines Psychologen, sondern nur aus dem Munde Jesu und der von ihm beauftragten Boten. Gibt es einen größeren Satz? Gibt es einen schöneren und froh machenderen?

Ich denke an den Bergmann, von dem Pfarrer Busch in einem seiner Erzählbände berichtet. Er lebte ohne Gott. Durch einen Arbeitsunfall unter Tag wurde er querschnittsgelähmt. Daraufhin nahmen ihn seine Freunde in die Bibelstunde von Pfarrer Busch. Der Mann kam dort zum Glauben an Jesus. Er erfuhr die Vergebung seiner Sünden. Sein Leben veränderte sich sichtbar. Wo früher nur Schimpfen und Fluchen zu hören waren, erklangen nun Jesuslieder. Die Schnapsflasche verschwand. Dafür lag eine Bibel auf dem Tisch.

Eines Tages besuchte ihn Busch. Sein Rollstuhl stand vor dem Haus am Straßenrand, wo die Sonne so ein wenig zwischen den grauen Häusern hindurch kam. Der Pfarrer setzte sich neben ihn auf die Haustreppe.

„Herr Pfarrer", sagte er, „wenn ich einmal in der Ewigkeit vor dem Thron Gottes stehe, dann will ich ihm danken, dass er mir das Rückgrat zerbrochen hat."

Busch erschrak: „Das ist aber ein großes Wort." „Ja sehen Sie, wenn mich Gott so hätte laufen lassen, dann wäre ich schnurstracks zur Hölle gelaufen. Ich wollte auf ihn nicht hören. Da musste er in seiner rettenden Liebe fest zupacken, um mich zu ihm zu ziehen. Und darum will ich ihm einmal danken dafür."

Busch war tief bewegt. Der Mann aber fuhr fort: „Sie wissen ja gar nicht, wie fröhlich mein Herz ist. Seitdem ich weiß, dass ich Jesus gehöre, sieht mich die ganze Welt anders an. Alles ist so fröhlich. Ja, Herr Pfarrer", er zeigte auf die graue Straße, „sogar die Pflastersteine lachen mich an."

Wir leben in einer Zeit, in der es für die Menschen nichts Wichtigeres gibt als die Gesundheit. „Hauptsache gesund!“ so wünscht man Jubilaren im fortgeschrittenem Alter. Treibe Sport! Ernähre dich gesund! So lesen wir es in jeder Fernsehzeitschrift.

 

Natürlich ist es richtig, wenn wir für unsren Körper gut sorgen und ihn nicht herunterwirtschaften. Schließlich ist er ein wertvolles Geschenk Gottes an uns. Aber es gibt auch einen Gesundheitskult und Gesundheitswahn. Als ob es das Wichtigste wäre, dass man 100 Jahre alt wird und dann am besten mit blühender Gesundheit stirbt. So ein Schicksal wird wohl niemandem vergönnt. In der Regel begleiten uns, je älter wir werden desto mehr, auch unsere Wehwehchen, unsere Gebrechen und Krankheiten. Daran ändert auch der Glaube an Jesus nichts. Daran ändern auch mancherlei Hilfen und Heilungen nichts. Manchmal durch Gebet, manchmal durch ärztliche Hilfe, oft durch beides kann Jesus eingreifen und wieder Gesundheit schenken.

Aber das bleibt nicht so. Auch der Gelähmte in unserer Geschichte wird irgendwann wieder krank geworden sein. Auch wir haben nicht das Versprechen von ewiger Jugend. Aber wir haben die Verheißung des ewigen Lebens. Das ist das Allerschönste und das Allerwichtigste. Denn dort in seinem Reich wird es keine Schmerzen, keine Tränen und keine Krankheit mehr geben. In seinem Reich werden wir alle einmal neue Leiber bekommen, die nicht nur vorläufig, sondern für immer geheilt sein werden. Dort wird Jesus auch zu uns wie zu dem Gelähmten sagen: „Ich sage dir, steh auf!“ Und dieses Aufstehen wird dann für immer sein.

 

Amen

 

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Den Predigttext für den 18. Sonntag nach Trinitatis (11. Oktober 2020) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

2. Mose 20,1-17:

Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.

6 Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am 7. Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in 6 Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am 7. Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

Du sollst nicht töten.

Du sollst nicht ehebrechen.

Du sollst nicht stehlen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

In einer Rundfunksendung ging es einmal um die zehn Gebote. Vorsichtshalber hatte der Sender gleich einige Exemplare davon bei der Deutschen Bibelgesellschaft bestellt für den Fall, dass Hörer danach fragen würden.

Das Echo war erstaunlich. Viele kannten die 10 Gebote gar nicht mehr. Es mussten noch viele Exemplare nachbestellt werden.

Wenn es in unserem Land aber schon an der reinen Kenntnis der Gebote mangelt, ist es um ihre Befolgung sicher noch viel schlechter bestellt.

Bei einer Meinungsumfrage wurde einmal gefragt, welches denn das wichtigste Gebot sei. Aufgrund vieler Kriege und Konflikte in der Welt stand das Gebot: Du sollst nicht töten! An erster Stelle.

Erst an achter Stelle stand das Verbot des Ehebruchs. Und gerade das erste Gebot: Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben! fand die geringste Zustimmung und stand somit an letzter Stelle.

Für Gott aber ist gerade dieses erste Gebot das Wichtigste. Am ersten Gebot hängt alles.

Luther vergleicht uns Menschen einmal mit einem Reitpferd, wenn er sagt: Einer reitet uns immer, entweder Gott oder der Teufel. Neutral, sozusagen reiterlos, können wir nie sein.

Klassisch ist auch Luthers Auslegung zum ersten Gebot im Kleinen Katechismus: Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten lieben und vertrauen.

Hand aufs Herz: Bei wem von uns steht Gott immer an erster und oberster Stelle? An welche andere Menschen oder Dinge dieser Welt haben wir denn unser Herz gehängt?

Noch einmal Luther: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott! ---

Das erste Gebot ist also wie eine Türangel. Alle anderen Gebote hängen an ihm. Wenn es aber schon mit dem ersten Gebot bei uns hapert, dann fallen alle anderen Gebote auch.

Dabei ist gerade das erste Gebot so wichtig. Denn es beginnt mit der Selbstvorstellung Gottes:

Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägypten geführt habe. Gott fordert also nicht zuerst unseren Gehorsam. Nein, zuerst stellt er sich uns vor. Er ist kein Gott, der weit in der Ferne ist. Nein, er ist unser Gott, der uns ganz nahe ist.

Er ist der Gott, der in unser Leben eingreift, der uns führt, der uns frei machen will von all den Bindungen und Zwängen, unter denen wir oft gefangen sind.

Dieser unser Gott, der uns die Gebote gegeben hat, ist uns ganz persönlich in Jesus Christus nahegekommen. Jesus ist für uns und alle Menschen das große Angebot Gottes.

Wenn Gott uns aber seine Gebote gibt, dann will er uns durch sie nicht einengen, sondern will, dass wir in der großen Freiheit bleiben, in die er uns durch Jesus Christus geführt hat.

Unser Trieb nach Freiheit und Unabhängigkeit, unser Wille zur Selbstbestimmung, die machen uns im Tiefsten nur unfrei. Denn dann sind wir Sklaven unserer Ichsucht, unseres Eigensinns, und laufen wie ungehorsame Kinder auf gefährlichen Wegen.

Gott aber meint es gut mit uns, wenn er uns die Gebote gibt. Denn er will unser Leben und unser menschliches Miteinander schützen.

In drei Punkten möchte ich heute darüber nachdenken!

 1. Die zehn Gebote sind für uns wie ein Riegel!

Sie wollen uns den Zugang zu Gedanken, Worten und Taten verwehren, die schädlich für uns, unseren Nächsten und unser Miteinander sind.

Es ist leicht zu sehen, wie die Grundgedanken der Gebote Gottes sich bis heute in unserer Gesetzgebung finden.

So zum Beispiel das dritte Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen!

Der Art. 140 unseres Grundgesetzes sagt: Der Sonntag bleibt als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

Mit Recht hat man die Sonntagsruhe, die Befreiung von der Erwerbsarbeit und die Garantie der freien Religionsausübung, als die klassische Institution unserer christlichen Kultur bezeichnet. ---

Wer nun aber den Sonntag für seine Alltagsarbeit nutzt oder gar, um noch mehr Geld zu verdienen, bringt sich selber um den Segen Gottes, um einen Tag der Ruhe und der körperlichen und seelischen Entspannung.

Sicher, manche Arbeiten müssen sein: Leben und Gesundheit stehen höher als ein freier Tag. Ein jeder prüfe aber, welche Arbeit am Sonntag sein muss. --

Vielleicht tun wir uns aber hart, Gottes Gebote als Riegel so einfach anzunehmen. Lassen wir uns helfen mit folgendem Beispiel:

Ein Religionslehrer hatte einmal mit Schülern zu tun, die eine starke Abneigung gegen die Gebote Gottes hatten. Da bot er ihnen an: Denk doch einfach mal in Ruhe darüber nach, was wohl wäre, wenn es die Gebote nicht gäbe!

Die Schüler durften sich eines der zehn Gebote auswählen. Sie nahmen das siebte: Du sollst nicht stehlen!

Wir brauchen uns nicht groß auszumalen, was wohl geschähe, wenn niemand mehr gehindert würde, einfach das mitzunehmen, was ihm beliebt: in der Wohnung des anderen, in Kaufhäusern, aus Kassen oder Konten der Banken.

Es bedarf nur geringer Fantasie, um sich das Chaos auszumalen, das sich da einstellen würde.

Gottes Gebote erhalten uns also gute Lebensmöglichkeiten. Sie sind für uns keine Fesseln, sondern eine Hilfe. Gottes Gebote als Riegel helfen uns also, das Gröbste zu verhindern. Wir werden dadurch vom Schlimmsten bewahrt.

 

2. Die zehn Gebote sind für uns wie ein Spiegel

Luther hat einmal einen sogenannten Beichtspiegel geschrieben und dazu gesagt: Um zur Erkenntnis unserer Sünden zu gelangen, sollten wir uns an den zehn Geboten prüfen.

Dazu hat Luther einen Fragekatalog erarbeitet. Er geht dabei an den zehn Geboten entlang und versucht, sie durch gezielte Fragen für uns zum Leuchten zu bringen.

Im Lichte dieses Spiegels erkennen wir uns vor Gott und wie wir es mit den Geboten halten.

Die Gebote Gottes dienen uns also als Spiegel zur Selbsterkenntnis.

Ich kann nur jedem von uns immer wieder neu empfehlen, diesen Spiegel einmal in einer ruhigen Stunde in die Hand zu nehmen und sich und sein Leben anhand dieser Fragen zu prüfen.

Ein Beichtspiegel findet sich übrigens auch in unserem Gesangbuch. Aber leider ist er nur noch eine Kurzfassung der Gedanken Luthers.

Wem das aber zu altmodisch erscheinen mag, der kann gerne von mir eine moderne Fassung bekommen. Ich habe am Ausgang einige Exemplare zum Mitnehmen hingelegt. ---

Nun beobachte ich aber immer wieder, dass Menschen unserer Zeit die Gebote viel zu oberflächlich verstehen. Wenn die Ehe noch besteht, man ab und zu in die Kirche geht, niemandem ein Messer zwischen die Rippen gejagt hat, einigermaßen ehrlich gewesen ist und keinen groben Diebstahl begangen hat, glaubt man schon, die zehn Gebote gehalten zu haben.

Auch die Juden zurzeit Jesu hielten die Gebote für haltbar. Aber vielleicht kennen Sie die Geschichte von jenem reichen jungen Mann, der zu Jesus kam und fragte: Was muss ich denn tun, um selig zu werden?

Jesus nannte ihm die Gebote, worauf der sagte, dass er die Gebote alle von Kind an gehalten hätte.

Jesus zeigte ihm aber, woran es bei ihm fehlte: Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und dann komm und folge mir nach! Der junge Mann hatte aber viele Güter. So ging er traurig weg.

Jesus stieß diesen Mann auf das erste Gebot. Nun wird deutlich, dass sein Herz nicht an Gott hing, sondern an seinem Besitz, den er nicht hätte loslassen können.

So leicht sind die Gebote also offenbar nicht zu halten. Hören wir z.B., wie Jesus einmal in der Bergpredigt das fünfte Gebot auslegt, dann werden wir hellhörig. Denn schon der Zorn über die Geschwister, oder kränkende, beschimpfende oder verwünschende Rede fällt bereits unter das fünfte Gebot.

Genauso wie schon der begehrliche Blick nach einer anderen Frau oder einem anderen Mann für ihn Übertretung des sechsten Gebotes ist.

Oder jeder veruntreute Cent schon Diebstahl ist.

Der Apostel Paulus ist einer Meinung mit Jesus, wenn er sagt: Es ist kein Mensch ohne Sünde!

So weiß ich auch, dass jeder von uns hier immer wieder gewollt oder ungewollt Sünde begeht.

Aber gerade wo wir an diesem Punkt über uns erschrecken und vor dem heiligen Gott stehen, da erreicht uns die befreiende Botschaft Gottes: Glaube du an Jesus Christus, der am Kreuz für deine Sünde gestorben ist und alle Strafe für deine Schuld schon längst getragen hat, dann wird die Schuld deines Lebens durchgestrichen. Im Glauben an Jesus Christus stehst du dann ohne Sünde vor Gott. Nichts kann dich dann von deinem Gott trennen, wenn du Jesus zum Bruder hast.

Christen, die so ihre Schuld vor Gott täglich neu erkennen, bekennen und die Vergebung dafür glauben, denen ist dann aber auch noch ein dritter Aspekt der zehn Gebote wichtig. Denn sie fragen dann ja: Wie soll ich leben, um meinen Gott nicht länger zu betrüben. Denn es heißt ja: Wer Gott liebt, der hält seine Gebote.

3. So sind die Gebote Gottes für Christen nicht nur Riegel und Spiegel, sondern auch noch Regel für das neue Leben.

Sicher wurden da keine genauen Handlungsanweisungen gegeben. Nur das Grobe wird genannt. Aber als Regel geben die zehn Gebote doch die Richtung an, in die das neue Leben vor Gott gehen kann.

Ansonsten führen sie uns in den freien Raum der Entscheidung vor Gott. Das Gewissen, dass sich an Gottes Wort orientiert, das fragt dann immer: Herr, was ist dein Wille? - So ein Gewissen wird den rechten Weg geführt werden.

Aber Vorsicht! Selbst dadurch, dass wir nun die zehn Gebote zu halten versuchen, werden wir nicht in den Himmel kommen! Vor Gott besteht nur der Mensch, der sich im Glauben immer wieder fest an Jesus Christus hält, aber dann aus Dankbarkeit für diese geschenkte Gnade freiwillig und gern danach trachtet, nach Gottes Geboten zu leben.

Aber auch auf diesem Weg werden wir immer wieder neu Fehler machen. Werden die Gebote Gottes immer wieder übertreten.

Sicher meist unbeabsichtigt und manchmal unbewusst. Aber so bleiben wir ein Leben lang Bettler um die Gnade Gottes. Denn allein seine Gnade ist es, die uns selig macht.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

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Den Predigttext für Erntedank (04. Oktober 2020) finden Sie hier: 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Markus 8,1-9:

Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen.

Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen?

Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr?

Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt.

Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.

Gebet

Liebe Gemeinde!

Wie in jedem Jahr feiern wir auch heuer wieder das Erntedankfest. Unsere Kirche ist schön geschmückt mit den Früchten aus Gärten und Feldern, aber auch mit den Produkten, die wir Menschen daraus gewinnen können: Honig und Mehl, Butter und Eier und vielem mehr.

Ja, es gab auch heuer wieder eine Ernte. Und dafür wollen wir von Herzen dankbar sein. Aber wir wollen heute auch wahrnehmen, dass diese Ernte nicht so selbstverständlich ist, wie man oberflächlich betrachtet sagen könnte.

Es ist heuer das dritte Jahr in Folge mit weniger Regen und langen und heißen Phasen, auch wenn es heuer nicht ganz so extrem wie 2018 und 2019 war. Aber auch unsere Landwirte haben mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Es wächst weniger Grünfutter auf den Wiesen. Und auch der Ertrag der Felder ist geringer als in früheren Jahren. ---

Nun sind die meisten von uns hier nicht Landwirte oder Gärtner. Und doch leben wir alle von der Ernte unseres Lebens. Von Lohn und Gehalt, von Rente oder Pension.

Dass diese Gelder nicht selbstverständlich fliesen, das hat uns die weltweite Corona-Krise heuer in aller Heftigkeit gezeigt. Wir haben gemerkt, wie wir alle abhängig sind von den großen Zusammenhängen der Weltwirtschaft, nicht nur was die Versorgung mit Lebensmitteln betrifft.

Und wir wissen heute noch nicht, wie sich die Folgen der Pandemie in Zukunft noch auswirken werden.

Viele haben ihre Arbeit verloren oder sind in Kurzarbeit und müssen mit weniger Geld auskommen, während andere bis über die Belastungsgrenze hinaus schuften und zusätzliche Prämien kassieren.

Und auch unsere bayerische Landeskirche und unsere Kirchengemeinde sind von diesen Folgen nicht ausgenommen. Auch die Kirchensteuer fließt heuer deutlich geringer als in früheren Jahren und wir sind herausgefordert, mit den geringeren Mitteln zurechtzukommen.

Vielleicht sagen wir deshalb heute noch viel bewusster danke für das, was wir früher so selbstverständlich haben durften und heute noch – Gott sei Dank – haben dürfen. ---

Nun sind aber solche Zeiten der Not nichts Neues. Es gab sie auch schon bei Jesus. Unser heutiger Predigttext erzählt davon, wie 4000 Menschen fern der Heimat mitten in der Wüste Hunger leiden. ---

Vielleicht hilft es uns ja ein Stück weit, wenn wir uns Jesu Umgang mit dieser Not zum Vorbild nehmen.

Er verschließt nicht die Augen vor der Not der Menschen. Er sieht, dass sie Hunger haben. Er weiß, dass sie mit leerem Magen den Heimweg nicht bewältigen können. Und er nimmt diese Not wahr, noch bevor die Menschen ihn lautstark darauf hingewiesen hätten.

Aber Jesus verfällt jetzt nicht in hoffnungsloses Klagen. Er verfällt auch nicht in blinden Aktionismus.

Er ruft vielmehr seine Jünger, seine Mitarbeiter zusammen, um mit ihnen zu beraten, wie man helfen könnte.

Aber auch seine Mitarbeiter wissen zunächst keinen Rat. Sieben Brote und ein paar Fische erscheinen viel zu wenig für so viele Menschen.

Und es gibt auch keinen Supermarkt und keine Großbäckerei um die Ecke, in denen man so viele Lebensmittel hätte kaufen könnte, selbst wenn man das nötige Geld dazu besitzen würde. ---

Interessant dabei ist, wie wenig Jesu Jünger dabei aus früheren Erfahrungen gelernt haben und wie schnell sie die erfahrene Hilfe wieder vergessen haben.

Denn zwei Kapitel vorher wird davon berichtet, dass Jesus eine noch größere Menschenmenge mit noch weniger satt bekommen hatte, denn damals hatten sie nur fünf Brote und zwei Fische.

Jesus fängt jetzt nicht an zu jammern, dass sieben Brote und ein paar kleine Fische gerade genug für ihn und seine Freunde sein würden. Nein, er fängt vielmehr an zu danken für das Wenige, das sie haben.

In einem Lied heißt es einmal: Durch Danken kommt Neues ins Leben hinein!

Es ist besser, für das dankbar zu sein, was man hat, als über das zu klagen, was scheinbar zu wenig da ist. Also lieber über das halbvolle Glas dankbar sein, als über das halbleere Glas zu jammern. ---

Und nachdem Jesus das Dankgebet und den Segen gesprochen hatte, verteilten seine Jünger die Gaben unter den Menschen. Und das Wunder geschieht, dass alle satt werden. Und es war sogar noch so viel da, dass man 7 Körbe mit Resten füllen konnte. ---

Zur Zeit des Alten Testamentes hatte Gott schon einmal das große Volk Israel in der Wüste versorgt mit Wachteln und Manna.

Wir wissen nicht genau, wie dieses Wunder nun bei der Speisung der 4000 hier geschehen konnte.

Manche Ausleger vermuten, dass die anderen Menschen - angeregt durch das Vorbild Jesu - nun auch ihre geheimen Vorräte herausgeholt und mit den anderen geteilt hätten.

Aber vielleicht hatte Gott damals auch noch ganz andere Möglichkeiten, um die Menschen satt zu bekommen.

Manche Sozialethiker ziehen aus dieser Geschichte jedenfalls die Folgerung, dass in unserer Welt genügend Nahrung vorhanden sei, sie müsse nur gerecht verteilt werden.

An diesem Gedanken ist sicher eine große Wahrheit dran. Denn während auf der einen Seite dieser Erde manchen Menschen die Hand voll Reis zum täglichen Leben fehlt, erlauben wir uns, Tonnen von guten Lebensmitteln zu vernichten, weil sonst der Preis verfallen würde, oder diese Lebensmittel optisch nicht mehr so schön sind, um sie gut verkaufen zu können.

Versuchen wir doch deshalb künftig achtsamer mit unseren Lebensmitteln umzugehen.

Das fängt schon beim Einkauf an, denn wenn ich nur das kaufe, was ich später auch verbrauche, gerate ich nicht in die Lage, dass Lebensmittel sinnlos verderben.

Und vielleicht müsste bei uns auch wieder die Resteverwertung einen höheren Stellenwert haben. Denn übrige Lebensmittel sind da nicht automatisch Abfall und hartes Brot ist ja kein schlechtes Brot, nur, weil ich es nicht mehr beißen kann. Ich muss es nur richtig verarbeiten.

Unsere Eltern und Großeltern kennen da sicher noch schmackhafte Rezepte, wie man aus Resten wunderbare neue Gerichte zaubern kann. ---

Aber unser heutiger Predigttext hat auch noch eine geistliche Komponente, die wir nicht übersehen wollen.

Denn die 4000 Menschen kamen ja nicht zu Jesus in die Wüste, um dort ein großes Picknick zu veranstalten. Vielmehr kamen sie zu ihm, um Gottes Wort zu hören. Und das war damals nicht nur eine kleine Andacht oder eine recht kurze Sonntagspredigt.

Vielmehr war es so etwas wie ein mehrtägiges Festival des Glaubens. Drei Tage lang beschäftigten sich die Menschen mit Gottes Wort, abgeschieden vom Alltag. Sie hörten intensiv zu, saugten die Worte Jesu in ihren Herzen auf und lernten dadurch Gott, unseren himmlischen Vater, auf ganz neue Weise kennen. ---

Im Matthäusevangelium heißt es einmal: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt!

Wir brauchen die geistliche Nahrung mindestens genauso wie das tägliche Brot.

Wir brauchen Worte, die uns Mut zum Glauben und zum Leben machen. Wir brauchen Nahrung für unsere Seele, denn sonst würde sie in der Wüste des Alltags schnell verkümmern.

Wir leben heute in einer Zeit, in der die materiellen Güter absolute Priorität haben. Da geht es um mein Haus, mein Auto oder meine Segelyacht. Da geht es um extravaganten Gaumengenuss, um Luxusreisen und um Feiern bis der Arzt kommt.

Aber dabei leiden immer mehr Menschen an der Seele, verkümmern innerlich, haben keinen Halt und geraten in Verzweiflung.

Gottes Wort will uns Nahrung für die Seele geben, spricht uns Mut und Kraft zu, schenkt uns Vergebung und neue Hoffnung, bietet uns Halt und Zuversicht und eine himmlische Zukunftsperspektive, die selbst der Tod nicht verhindern kann. ---

Nehmen wir uns doch diese Zeit! Wie oft wollen uns scheinbar wichtigere Dinge von diesem großen Geschenk Gottes abhalten.

Das fängt schon bei der täglichen stillen Zeit an, beim Gebet am Morgen, beim Essen oder am Abend. Das geht weiter mit dem Gottesdienst am Sonntag als wichtige Tankstelle des Glaubens.

Und viele kennen auch den Segen einer längeren Auszeit. Etwa bei Einkehrtagen oder einer christlichen Freizeit. Oft spricht Gott in solchen Zeiten der Ruhe in besonderer Weise zu uns. Und so werden diese Zeiten zu einem besonders großen Segen. ---

Ein weiterer geistlicher Aspekt ist, dass Jesus schon längst um unsere Not weiß. Und er sucht schon Wege der Hilfe lange bevor wir ihn darum gebeten haben. Und er kennt Mittel und Wege, um uns selbst aus ausweglosen Lagen noch zu befreien.

Das will uns gelassen machen, weil wir wissen und glauben dürfen, dass Jesus uns auch und gerade in den schweren Zeiten unseres Lebens trägt. ---

Und Jesus weiß auch, dass wir nicht nur für unseren Lebensweg, sondern auch für unseren Glaubensweg immer wieder Wegzehrung brauchen.

Dazu hat er uns in besonderer Weise das Heilige Abendmahl geschenkt, an die uns die Worte unseres Predigttextes mit erinnern. Denn auch im Abendmahl hat Jesus das Brot genommen, gedankt, es gebrochen und an die Seinen verteilt. Es ist das Brot des Lebens, es ist der Kelch des Heils, durch die wir Vergebung, Leben und Seligkeit bekommen.

Ein Kirchenvater hat das Heilige Abendmahl einmal als Medizin für die Ewigkeit bezeichnet. ---

Im Abendmahl nehmen wir - wie auch in der Geschichte unseres heutigen Predigttextes - relativ wenig zu uns: eine Oblate und einen Schluck Wein.

Und doch kommt verborgen unter diesen Gaben die ganze Allmacht und Liebe Jesu in unser Leben hinein. Er hat sein Leben für uns gegeben, damit wir leben können, ewig leben können!

Und so wie die 7 Brote und wenige Fische 4000 Menschen Kraft für den Heimweg gegeben haben, so stärkt uns auch Gottes Wort und das Abendmahl für unseren Weg des Glaubens.

Denn wir sollen ja auch auf dem Weg des Glaubens einmal daheim ankommen, in der himmlischen Heimat, die Jesus schon längst für uns alle vorbereitet hat.

So will uns das heutige Erntedankfest auch Mut machen, jetzt schon für das zu danken, was Gott uns noch an Hilfe und Unterstützung zukommen lassen wird. Jetzt schon für seine Hilfe zu danken in der Gewissheit, dass er uns immer mit dem täglichen Brot versorgen wird, um das wir im Vaterunser beten.

Heino Tangermann hat deshalb in einem seiner Lieder einmal gedichtet:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan. Bedenke in Jesus vergibt er dir gern, du kannst ihm, so wie du bist, nahn.

Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht, wenn alles verloren erscheint. Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht, ist näher, als je du gemeint.

Im Danken kommt Neues ins Leben hinein, ein wünschen das nie du gekannt, dass jeder wie du Gottes Kind möchte sein, vom Vater zum Erben ernannt.

Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann. Er warf unsere Sünden ins äußerste Meer. Kommt, betet den Ewigen an.

Amen

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

 

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Den Predigttext für den 15. Sonntag nach Trinitatis (20. September 2020) finden Sie hier: 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Gebet

Liebe Gemeinde!

Keine Sorge, sie sind heute nicht in der falschen Veranstaltung gelandet. Wir haben keine Märchenstunde, sondern Gottesdienst.

Auch wenn wir heute einen Predigttext haben, in dem manches märchenhaft schön ist, geht es nicht um erfundene Geschichten:

Es geht um uns Menschen, wie wir von Gott gedacht sind und um die Schöpfung der Welt.

Predigttextes: 1. Mose 2,4b-9.15(18-25):

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.

Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen wurde keine Hilfe gefunden, die ihm entsprach.

Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Die ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.

Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht. ---

Gott nahm also einen Klumpen Erde. So wie der Töpfer auf der Scheibe den Ton formt, so wird der Mensch aus dem Erdboden erschaffen.

Im hebräischen Originaltext heißt der Mensch Adam, weil er aus der Adamah, dem Erdboden, geschaffen ist. Der Mensch ist also der Erdling. Gottes Schöpferkraft schenkt ihm erst das Leben. ---

Es ist geradezu wie der Kuss im Märchen: Damit beginnt eine große Liebesgeschichte. Gott kommt dem Menschen ganz nahe. Er haucht ihm die Lebenskraft ein, den Odem des Lebens. Gott liebt den Menschen ins Leben.

Wie der Prinz im Märchen mit einem Kuss das schlafende Dornröschen zum neuen Leben erweckt, so macht Gott aus der leblosen Erde einen lebendigen Menschen.

Seiner Liebe, seiner Fürsorge verdanke ich deshalb mein Dasein. Keiner von uns ist ein Produkt des Zufalls. Jeder Einzelne ist ein Geschöpf, ein Wunder, das Gott gewollt und geschaffen hat und das von seiner Liebe umgeben ist!

Mein Leben ist geschenktes Leben. Es ist nicht in meiner Verfügung. Ich bin und bleibe darauf angewiesen, dass Gott mir Atem und Lebenskraft erhält.

Das soll uns zur Bescheidenheit mahnen. Denn im 104. Psalm heißt es: Nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub.

Jeden Tag neu ist unser Leben also ein Geschenk aus Gottes Hand. Ohne ihn sind wir nur Erde, nur Staub, nur Asche. ---

„Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen.“ Gottes Schöpfung vollzieht sich jeden Tag an uns, bei jedem Atemzug neu! ---

Versuchen Sie einmal, ein paar Atemzüge lang daran zu denken! Oder die Luft anzuhalten und dann bewusst wieder zu atmen. ---

Aber nicht nur das Leben kommt aus Gottes Hand. Gott stellt den Menschen in einen Garten, den er für ihn bereitet hat. Er bekommt nicht das Ackerland, die Erde, im Urzustand. Gott pflanzt sogar einen Garten für ihn. Bäume mit ihren Früchten, Kräuter und andere essbare Pflanzen. ---

Im Orient ist das purer Luxus. Alles wird für den Menschen vorbereitet und zubereitet. Er bekommt von Gott einen Raum, in dem er leben kann und in dem er alles findet, was er zum Leben braucht. Auch darin zeigt sich die gnädige Fürsorge Gottes.

Aber der Garten und seine Früchte sind nicht nur gut zu essen, sondern auch verlockend anzuschauen. Der Garten dient nicht nur der Versorgung. Gott hat die Welt in ihrer Schönheit geschaffen, damit wir diese Schönheit wahrnehmen, uns darüber freuen und den Schöpfer loben.

Uns freuen über die Schönheit der Wiesen und Felder, über Berge und Wälder, über Blumen und Sträucher, über Schmetterlinge und Vögel und vieles andere mehr.

Ja, es ist zur Freude und zum Staunen, was unser Gott geschaffen hat. In jedem einzelnen Geschöpf zeigt sich seine Kreativität und Schöpfermacht.

Aber dem Menschen fehlte noch etwas. Gott sorgt deshalb weiter für ihn. Gott schafft die Tiere für ihn. Der Mensch soll ihnen Namen geben und sie dadurch in seine Welt eingliedern.

Das geschieht dann auch, aber es führt noch nicht zum Ziel. Denn die Gemeinschaft, die der Mensch braucht, können ihm die Tiere allein nicht bieten.

Diese bekommt er erst in der Gemeinschaft von Mann und Frau. Der hilfsbedürftige Adam bekommt eine Gefährtin, die zu ihm passt. Sie ist das Gegenüber, dass ihm entspricht.

Nicht, um ihn bei der Arbeit zu entlasten. Auch nicht, um Kinder zu gebären, sondern zu Überwindung der Einsamkeit. Die Gemeinschaft von Mann und Frau, die Gemeinschaft in der Familie – auch das ist ein großartiges Geschenk von Gott! ---

Wem dieses alles bewusst wird, der kommt ins Staunen und Danken. Denn wer sein Leben von Gott her sieht, für den ist jeden Tag Bescherung, jeden Tag Weihnachten. Die Welt ist voller Geschenke, die nur darauf warten, von mir gesehen und entdeckt zu werden.

Das größte Geschenk ist mein Leben, das Gott mir gegeben hat. So wie ich bin, so hat er mich gewollt. Er schenkt mir die Gemeinschaft mit anderen Menschen – und mit mir selbst. Jeden Tag neu versorgt er mich. - Sorgen sind deshalb überflüssig. ---

Man könnte nun meinen, es gehe um das Schlaraffenland, in dem man nichts tun braucht und in dem einem gebratene Tauben in den Mund fliegen.

Das Paradies, der Garten Eden, ist Gott sei Dank aber kein Schlaraffenland.

Warum nicht? Weil uns sonst bald langweilig vom Nichtstun und Faulenzen würde. Denn Gott hat viel mehr mit uns vor. Er hat uns dazu berufen, seine Mitarbeiter zu sein. Und das ist auch gut so. ---

Dabei geht es aber nicht um eine rastlose Hektik, die keine Ruhe mehr kennt. Wir Menschen sollen nicht „atemlos durch die Nacht“ rennen, wie Helene Fischer es singt. In Gottes Gegenwart kann ich vielmehr aufatmen.

Es wäre zu wenig, wenn einmal von mir gesagt wird: Nur Arbeit war sein Leben. Nein, es geht um die Bestimmung von uns Menschen, wie Gott uns gedacht und erschaffen sind.

„Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“

Der Mensch ist also zur Mitarbeit an der Schöpfung Gottes berufen und gewürdigt. So wie Gott schöpferisch ist, können auch wir Menschen auf dieser Erde schöpferisch tätig sein.

Das ist eine gute Wertschätzung für uns. Wir können uns entfalten, unsere Gedanken, Ideen und Pläne in die Tat umsetzen.

Von Gott her ist Arbeit etwas, was dem Leben Sinn und Erfüllung gibt. ---

Das sehen wir vor allem an denen, denen das vorenthalten wird. Denn wo Menschen arbeitslos sind, wo sie alt und gebrechlich sind, stellt sich schnell das Gefühl ein, unbrauchbar oder nutzlos zu sein.

„Bebauen und bewahren“ – das ist der Auftrag, den der Mensch von Gott bekommt. Arbeit als Mitarbeit an Gottes Schöpfung ist sinnvoll und befriedigend. Es ist ein gutes Gefühl, am Abend auf das zu sehen, was ich am Tag geschafft habe! ---

Hier könnte die Predigt schließen. Aber dann käme der Einwand: So ist diese Welt doch gar nicht!

Es ist die schmerzliche Erfahrung, dass unsere Erde nicht mehr dem entspricht, wie sie von Gott her ursprünglich gedacht war. Die Welt, in der wir leben, ist ja in vielem kein Paradies mehr.

Wir sollen die Erde bebauen und bewahren, aber lange Zeit stand das Bebauen im Vordergrund und das Bewahren wurde sträflich vernachlässigt.

Der Mensch verhielt und verhält sich oft so, als ob die Erde sein Eigentum wäre. Als könne er mit ihr tun und lassen, was er wolle.

Sie ist uns aber nur von Gott anvertraut. Jeder Einzelne von uns trägt Verantwortung dafür, Verantwortung vor dem Schöpfer.

Wo der Mensch meint, er könne frei über die Erde verfügen, schadet er sich letztlich selber. Immer wieder können und müssen wir sehen, wohin das führt, wenn der Mensch sich von seinem Schöpfer trennt und sein eigener Herr sein will.

Da wird z.B. auch die Arbeit entstellt. Sie wird dann oft zum einzigen Lebensinhalt.

Der Wert des Menschen wird dann nur noch nach seiner Leistung bemessen. Viele werden krank von den viel zu hohen Anforderungen.

Auch die Zerstörung der Umwelt schlägt auf uns Menschen zurück. Das hat inzwischen globale Ausmaße angenommen (Müllproblem, Klima).

Aber das deutete sich schon in 1. Mose 3 an: Da kam die Sünde in die Welt. Sie zerstört die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen.

Und das wirkt sich dann aus auf die Beziehung der Menschen untereinander – und auch auf das Verhältnis von Mensch und Schöpfung. ---

Doch auch das ist – Gott sei Dank! – nicht der Schlusspunkt. In seine Liebe geht Gott uns nach. Denn er will uns wieder in enger Gemeinschaft mit sich haben, wie am Anfang. Gott steht nämlich immer noch zu der ersten Liebe, die wir Menschen so schmählich verlassen haben. Denn in Jesus ist Gottes Hand immer noch für dich und mich ausgestreckt, trotz allem, was war.

Wo - durch Jesus aber die Beziehung zu Gott wieder heil wird, hat das dann auch Auswirkungen auf die Beziehung zur Welt. Da gehen Menschen anders miteinander und mit der Schöpfung um. Und sie sehen wieder ihre Verantwortung.

Da bleibt das, was uns in der Schöpfungsgeschichte erzählt wird, keine Vergangenheit, die unwiederbringlich verloren ist. Da leuchtet vielmehr die ursprüngliche Schöpfung neu auf: Die Welt, so wie sie von Gott gedacht ist.

Das ist Gottes gute Absicht, dass jeder Einzelne von uns wieder in die Gemeinschaft mit dem Schöpfer kommen und die Welt wieder neu als Gottes gute Schöpfung entdecken kann.

Und dass wir unseren Schöpfer dafür wieder loben und preisen. In jeder Pflanze, in jedem Tier und vor allem in jedem Menschen spiegelt sich die Herrlichkeit Gottes wieder.

Jedes Geschöpf ist darauf angelegt, seinen Schöpfer zu loben. Umso mehr ist es unsere Aufgabe als Menschen, Gott zu loben und ihm die Ehre zu geben.

In der Schöpfung zeigt uns Gott, dass er für uns sorgt. Da erfahren wir seine Güte. Und daraus erwächst dann das Vertrauen: Gott, der Schöpfer, wird seine Schöpfung nicht dem Chaos überlassen.

Am Ende werden nicht die Kräfte der Zerstörung siegen, sondern Gott wird alles neu machen.

So wird der Rückblick auf den Anfang zur Verheißung für die Zukunft: Der lebendige Gott, der uns hier einen Raum zum Leben geschaffen hat, hat sogar einen Raum für uns vorbereitet, der einmal hineinreicht bis in seine Ewigkeit.

Amen

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

 

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Den Predigttext für den 14. Sonntag nach Trinitatis (13. September 2020) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Gebet

 

Liebe Konfirmandinnen, lieber Konfirmand, werte Festgemeinde!

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg! So heißt es einmal im 119. Psalm.

Besondere Worte Gottes begleiten uns gerade als evangelische Christen durch unser ganzes Leben.

Da gibt es den Taufspruch, über den der Pfarrer bei meiner Taufe gepredigt hat. Ein Wort Gottes also, das mir ganz am Anfang meines christlichen Lebens ganz persönlich zugerufen wurde.

Wer sich kirchlich hat trauen lassen, der hat auch einen Trauspruch bekommen. Ein Wort Gottes, welches das Ehepaar auf dem ganzen gemeinsamen Lebensweg begleiten will. Ein Wort, das uns Orientierung und Zuspruch geben möchte.

Und so gibt es in unserer Kirche auch besondere Bibelworte zu Konfirmation. Der Konfirmationsspruch ist ein persönliches Wort Gottes, das uns ein Leben lang begleiten möchte.

Mir hat damals zum Beispiel mein Konfirmationspfarrer ein Wort aus Johannes 15,5 zugerufen, wo es aus dem Munde Christi heißt:

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun!

Früher wurden diese Worte vom Pfarrer selber ausgesucht und den Konfirmanden bei der Konfirmation zugerufen. Das hatte etwas von einem Überraschungseffekt an sich. Es ist wie ein Geschenk, dass ein anderer für uns ausgewählt hat. ---

Wie ist es den Älteren unter uns mit ihrem Konfirmationsspruch ergangen? Hat er sie angesprochen, bewegt, zum Nachdenken gebracht? Hat sich dieser Spruch bei ihnen tief in ihr Gedächtnis eingebrannt oder haben sie ihn unterdessen vergessen?

Es lohnt sich auf alle Fälle, diese Worte Gottes, die wir bei der Taufe, der Konfirmation oder der kirchlichen Trauung zugerufen bekommen haben, wieder einmal hervorzuholen und bewusst zu lesen. Kann sein, dass diese Worte uns heute ganz neu und ganz anders ansprechen als damals, weil wir heute in einer anderen Situation leben.

 

Ihr, liebe Konfirmandinnen, lieber Konfirmand, habt euch eure Sprüche selber ausgesucht. Ihr habt euch Gedanken gemacht, nachgedacht, nach einem Wort gesucht, das euch besonders anspricht.

Vielleicht habt ihr bei der Suche auch die Hände gefaltet und Gott um seine Führung gebeten.

Ich möchte heute eure Konfirmandensprüche als Grundlage der Predigt nehmen und die Bibelworte, die ihr für euch ausgewählt und erklärt habt, heute für uns wie eine Perlenkette aneinanderreihen.

Gott hat einen reichen Gabentisch für uns gedeckt. Lassen wir uns deshalb jetzt mit seinem Wort beschenken!

Die A. hat sich einen Vers aus dem Buch der Sprüche, Kapitel 16, Vers 9 ausgesucht:

Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus, aber der Herr lenkt seine Schritte.

Du hast dir viel Gedanken gemacht, welchen Spruch du nehmen möchtest und warum. Dieser Spruch hat für dich etwas, was dich im Leben irgendwie leitet. Du stehst inhaltlich voll dahinter, du kannst das für dich ganz persönlich glauben. Dieser Spruch hat dich zum Nachdenken gebracht du bist überzeugt, dass er dir auf deinem Lebensweg helfen wird. ---

Es ist ja tatsächlich oft so, dass wir etwas von Herzen möchten. Da haben wir einen großen Wunsch, den wir uns unbedingt erfüllen wollen. Vielleicht geht es dabei um die Berufswahl, um den Partner, um besondere Reiseziele oder eine besondere Anschaffung. Wir müssen im Leben oft Entscheidungen treffen, stehen dann wie an Weggabelungen, an denen wir nur rechts oder links weitergehen können.

Manches ist dann verlockend für uns, manches erscheint auf den ersten Blick richtig und gut. Wir denken uns halt unseren Weg aus. - Aber nicht immer erreichen wir dann das, was wir uns erdacht haben.

Für mich war es an den Weggabelungen meines Lebens immer tröstlich zu wissen, dass Gott bei allen Entscheidungen dabei sein will. Und so durfte ich es erleben, dass Gott manchmal Türen geöffnet und Wege ermöglicht hat, er mir dann aber auch einmal wieder Wege verbaut und Türen verschlossen hat.

Für mich war das dann immer gut, weil ich glauben darf, dass Gottes Willen für mich der Beste ist.

 

Die S.  hat sich nun ein Wort aus Sprüche 4,23 gewählt: Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.

Du hast dir diesen Spruch ausgesucht, weil du findest, dass man auf sein Herz hören sollte. Ohne das Herz gibt es auch kein Leben. Du bist der Meinung, dass es gut ist, wenn man auf sein Herz hört, weil man dann weit im Leben kommt. ---

Oft bekommen wir ja auch den guten Rat, bei wichtigen Entscheidungen auf unser Herz zu hören. Dann stehen wir im Einklang mit uns. Denn gegen unser Herz zu handeln würde uns gewiss Schmerzen bereiten.

876-mal soll in unserer Bibel etwas über das Herz zu lesen sein. Das Herz ist der Sitz des Lebens. In unserem Herzen kann viel Gutes sein. Dann bringt es auch gute Früchte hervor. Aber es kann auch das Gegenteil der Fall sein.

Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, was in unserem Herzen ist, was es erfüllt, was es leitet.

Deshalb ist es so wichtig, auf unser Herz zu achten. Denn wenn es mit Gutem gefüllt ist, dann bringt es auch Gutes hervor.

In einem Kindergebet heißt es: Ich bin klein, mein Herz mach rein, soll niemand drin wohnen, als Jesus allein.

Wenn Jesus also der Hausherr in unserem Herzen ist, dann wird unser Herz Gutes hervorbringen, dann wird es uns auf dem richtigen Weg leiten, dann führt es uns den Weg zum wahren Leben.

 

Die I. hat sich nun ein Wort aus Josua 1,5b ausgewählt: Gott sagt: Niemals werde ich dir meine Hilfe entziehen, nie dich im Stich lassen.

Du hast dir diesen Spruch ausgesucht, weil er dir sagt, dass da immer einer ist, der dich liebhat, für dich da ist und dir neue Kraft gibt, wenn du dich nicht gut fühlst. Einer, den du jederzeit ansprechen kannst. ---

Es ist ja ein wunderbares, großes Versprechen, das Gott damals zunächst dem Josua gegeben hat.

Es sind absolute Aussagen, wunderbare Zusagen, die du aber auch für dich und dein Leben nehmen darfst. Gott will dir niemals seine Hilfe entziehen, dich nie im Stich lassen. D.h. ja, dass Gott immer bereit ist, dir zu helfen und dass er jederzeit an deiner Seite sein möchte.

Das ist fast wie ein Blankoscheck. Aber so, wie man auf den Blankoscheck auch die entsprechende Summe eintragen und den Scheck dann einlösen muss, so ist es auch bei jeder Zusage Gottes.

Sie gilt hundertprozentig. Aber sie tritt nicht automatisch in Kraft, sondern immer dann, wenn wir Gott auf sein Versprechen ansprechen, wenn wir uns auf seine Verheißungen stellen, wenn wir seine Zusage an uns persönlich glauben.

Und so darfst du dich auch immer wieder über Gottes Nähe und Hilfe freuen. Du brauchst dazu nur den Kontakt mit ihm aufzunehmen. Er ist immer in Rufbereitschaft und eilt, dir zu helfen!

 

Ich möchte nun den nächsten Spruch herausgreifen. Es ist ein Wort aus Psalm 91,11, das die L. für sich ausgesucht hat: Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Du hast dich für diesen Spruch entschieden, weil du dich dadurch nicht alleine fühlst. Du weißt dich beschützt, egal für welchen Weg du dich entscheidest.

- Es gibt in unserer Bibel ja viele Hinweise darauf, dass Gott uns selbst dann noch nachgeht, wenn wir eigensinnig falsche Wege eingeschlagen haben. Dass er uns auch dann noch sucht und sicher zurückbringen möchte. Denken wir nur an die bekannte Geschichte vom verlorenen Schaf.

Und so hat Gott viele Möglichkeiten, uns auf unseren Lebenswegen zu behüten und zu begleiten.

Engel sind eine Möglichkeit davon. Engel sind ja Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und die seinen guten Willen für uns umsetzen sollen.

Dabei haben Engel oft ganz menschliche Züge. Es können auch Eltern, Großeltern, Freunde oder Lehrer sein, die uns als Engel, als Boten Gottes auf unserem Lebensweg begleiten.

Engel müssen nicht immer Wesen aus der jenseitigen Welt sein. Auch wenn ich gewiss bin, dass Gott uns manchmal auch so umgibt und begleitet, dass er uns manchmal auch solche Engel zur Seite stellt, die uns unsichtbar beschützen, führen und begleiten.

Mit den Worten Martin Luthers dürfen wir deshalb immer wieder bitten: Dein heiliger Engel sei mit uns, dass der böse Feind keine Macht an uns finde!

 

Die J. und die M. haben sich beide für ein Wort aus Josua 1,9 entschieden. Dort heißt es: Sei mutig und entschlossen. Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken, denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!

Für dich, liebe Julia, war es entscheidend, diesen Spruch auszuwählen, weil du dadurch weißt, dass Gott immer bei dir ist und auf dich aufpasst. Du musst deshalb keine Angst haben. Und wenn du dich einmal falsch entschieden haben solltest, ist es für dich ein Trost zu wissen, dass Gott dann immer noch zu dir steht.

Und dir, liebe Mathilde, macht dieser Spruch Mut und bestätigt dir, dass Gott immer an deiner Seite steht, egal welchen Weg du einschlägst!

Du glaubst ganz fest, dass Gott dich nie allein lässt, vor allem dann, wenn du ihn brauchst!

Deswegen hast du dir diesen Spruch ausgesucht, weil du auch öfter im Alltag, wenn du mal Angst hattest oder alleine warst, dir gedacht hast, dass du dann nie alleine bist und Gott dich immer begleitet!

 

Und die M. hat sich auch diesen Spruch gewählt, aber in einer etwas anderen Übersetzung. Dort heißt es: Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nie den Mut; denn ich dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.

Du hast diesen Spruch ausgewählt, weil er dir immer sagt, dass Gott bei dir ist. Auch in schwierigen Zeiten. Er ist immer da und hilft dir. ---

 

Für den Josua war es damals eine spannende Zeit. Denn lange schon hat er den alten Mose bei der großen Aufgabe begleitet, das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten zu befreien und in das von Gott versprochene gute Land zu bringen.

Dies war aber alles andere als einfach. Denn mehrere 100.000 Menschen aller Altersgruppen und dazu viele Tiere und das Gepäck mussten quer durch die Wüste transportiert werden.

Und dabei war das Volk Israel nicht immer einfach zu führen. Oft murrten sie, waren unzufrieden oder gingen ihre eigenen Wege, ohne auf Gott zu achten.

- Und nun sollte Josua diese Aufgabe alleine übernehmen. Kein Wunder, dass ihm dabei das Herz in die Hosentasche gerutscht war. Wie sollte er das nur schaffen, so eine große Aufgabe?

Verständlich, dass er irgendwie mutlos war, erschrocken und ängstlich, weil er nicht wusste, wie er diese Aufgabe bewältigen sollte.

Aber wenn Gott uns vor große Aufgaben stellt, dann lässt er uns nie allein. Er gibt uns die nötige Kraft, Mut und Entschlossenheit, seine Führung und Begleitung. Denn er selber will dann an unserer Seite stehen, wohin wir auch gehen.

Diesen Trost dürft auch ihr mitnehmen. Gott will auch euch begleiten auf den Wegen durch euer Leben. Er trägt euch, macht euch immer wieder neuen Mut und lässt euch nie allein.

In diesem Vertrauen dürfte in die Zukunft gehen und bei allen Entscheidungen gewiss sein, dass Gott euch begleiten will.

 

Ich komme nun zum letzten Spruch. Ein Wort aus dem 1. Timotheus-Brief, Kapitel 6, Vers 12, das der M. für sich ausgesucht hat:

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, und ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist.

Du hast eine interessante Begründung dafür geliefert, warum du diesen Spruch ausgesucht hast. Denn dieser Spruch ist ja eigentlich der Taufspruch deines Vaters, der bei euch zu Hause irgendwie am Kühlschrank hängt. Dort hast du ihn gesehen und ihn toll gefunden. ---

Ich weiß ja nun, dass dein Herz für Motocross schlägt. Und da wirst du sicher auch manche Wettkämpfe fahren. Um dabei vorne mitzufahren, braucht es viel Training. Man muss immer in Übung bleiben, um letztlich einmal einen Siegerpokal in Händen halten zu können.

Der Apostel Paulus hat dies mit unserem Glauben verglichen. Auch da ist es wichtig in Übung zu bleiben, regelmäßig zu beten, in der Bibel zu lesen, mit gläubigen Menschen Kontakt zu halten und christliche Veranstaltungen zu besuchen.

Und manchmal ist das wie ein Kampf, weil uns vieles davon abhalten möchte, mit Jesus in Kontakt zu bleiben. Aber es lohnt sich. Es winkt ein Siegespreis, das ewige Leben, zu dem wir berufen sind.

Ein Leben mit Jesus, das hier schon beginnt und sich einmal nach unserem Tod in Gottes neuer Welt fortsetzen wird.

Es ist für uns alle wichtig, diesen Kampf gegen Zweifel, Unglauben, Versuchung, Anfeindungen oder die eigene Bequemlichkeit zu kämpfen.

Denn es gilt, was in einem unserer alten Lieder steht: Wer nicht gekämpft, trägt auch den Lohn des ew´gen Lebens nicht davon!

 

Vielleicht fangen wir heute damit an, dass wir zu Hause unsere Tauf-, Konfirmations- und Trausprüche einmal wieder ganz bewusst hervorholen.

Vielleicht schreiben wir sie uns ab und hängen sie auch an den Kühlschrank oder einen anderen zentralen Ort, damit sie uns immer im Blickfeld und somit in Erinnerung bleiben. Denn es sind persönliche Geschenke an uns, die Gott uns aus der Schatzkammer seines Herzens gegeben hat. Geschenke, die wir täglich auspacken und für uns benutzen dürfen.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

 

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Den Predigttext für den 13. Sonntag nach Trinitatis (06. September 2020) finden Sie hier:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Markus 3,31-35:

Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn.

Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.

Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?

Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!

Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

 

Wenn das Stichwort „Familie“ fällt, scheiden sich oft die Geister. Vielleicht auch unter uns.

 

Da sind die einen, für die ihre Familie „alles“ ist. Denn sie ist immer und ganz für sie da. Sie erfahren von ihr Liebe und Fürsorge. Sie gibt ihnen Halt und Geborgenheit. Sie macht und schenkt ihnen viel Freude. Deshalb sind sie dankbar für ihre Familie.

 

Aber es gibt auch andere, die gar nicht gut auf ihre Familie zu sprechen sind. Sie fühlen sich von ihr unverstanden. Sie kommen sich in ihr wie ein Fremdkörper vor. Sie werden ihrer Meinung nach von ihr bevormundet. Sie geraten mit ihr häufig in Streit. Deshalb sind sie über ihre Familie gar nicht glücklich.

 

  1. Doch am gestörten Familienglück kann auch eines der Kinder schuld sein!

Jesu Familie sah es jedenfalls so. Er, Jesus, hatte sie verlassen, seinen Zimmermannsberuf an den Nagel gehängt und war Wanderprediger geworden. Aber was für einer!

Mit seiner Verkündigung löst er bei vielen Entsetzen aus. Mit fragwürdigen Typen wie Zöllnern und Huren gibt er sich ab. Mit den Schriftgelehrten und Pharisäern legt er sich häufig an.

Auf spektakuläre Weise treibt er Teufel und Dämonen aus. Vor allem maßt er sich an, Sünden zu vergeben, was doch nur Gott darf!

Und von Gott als seinem Vater spricht er so, als wäre er sein Sohn.

 

Seine Familie erklärt ihn daher kurzerhand für verrückt (Markus 3,21). Jesus kann nicht normal sein! Sie plant deshalb ein Familientreffen mit ihm.

Ziel ist es, das „schwarze Schaf“ in den Schoß der Familie zurückzuholen.

Vielleicht aus Fürsorge, um ihn vor dem tödlichen Hass seiner Gegner zu schützen.

Vielleicht aber auch nur aus Sorge um den guten Ruf der Familie.

Der rund 40 km lange Weg von Nazareth nach Kapernaum ist ihnen jedenfalls nicht zu weit, um Jesus wieder unter ihre Fittiche zu nehmen.

Und so kommen seine Mutter, seine Brüder und seine Schwestern. - Doch es kommt nicht zu der geplanten Familienrückführung!

Zwar schicken sie jemand zu Jesus hinein und lassen ihn rufen.

Doch er kommt nicht zu ihnen heraus.

Um ihn herum sitzen zu viele Menschen, die ihn hören wollen. Als Rabbi sitzt Jesus in ihrer Mitte und predigt vom Reich Gottes. Das ist für ihn jetzt dran! Daher kann er momentan nicht aufstehen und hinausgehen, um mit seiner Familie zu sprechen.

 

Aber Jesus will ihr das auch nicht erklären, sondern tut etwas Anderes. Er hat für sie nur eine Antwort in Form einer Frage: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?

Damit deutet er an, dass für ihn „Familie“ auch etwas Anderes sein kann als die biologische Blutsverwandtschaft. Aber was?

 

Um die Spannung zu erhöhen, schweigt Jesus zunächst und schaut alle „ringsum“ an, die um ihn im Kreis sitzen – also einen nach dem anderen. ---

Typisch für Jesus: er sieht immer den einzelnen Menschen an, um ihn bewusst wahrzunehmen!

Er übersieht niemanden. Er hat alle im Blick. Mit einem besonderen Blick!

Er ruft bei ihm Zorn und Traurigkeit hervor, wenn er in ein verstocktes Herz schaut (Markus 3,5).

Er schmerzt ihn zutiefst, wenn er Menschen sieht, die wie Schafe sind, die keinen Hirten haben – hilflos, schutzlos, orientierungslos (Matthäus 9,36).

Jesu Blick ist immer der - einer großen Liebe, die nur eines möchte: Menschen retten! Für Gott gewinnen. Für sein Reich gewinnen. Für ein Leben mit ihm gewinnen, das bis in die Ewigkeit hineinreicht.

 

  1. Deshalb sprengt Jesus seine menschlichen Familienbande. Er hat eine andere Familie vor Augen: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

 

Ist diese Messlatte Jesu aber für uns nicht zu hoch? Denn Hand aufs Herz: Wer von uns tut denn Gottes Willen immer und vollständig! ---

Doch die Wesensmerkmale seiner neuen Familie dürfen nicht auf das Halten der göttlichen Gebote reduziert werden.

Gottes Wille wird im Neuen Testament vor allem als Heilswillen beschrieben!

Etwa von Paulus, wenn er schreibt: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Timotheus 2,4).

 

Das ist Gottes größter Wunsch: dass wir den erkennen, der die Wahrheit in Person ist: Jesus Christus (Johannes 14,6).

Ihn erkennen als Gottes menschgewordene Liebe, die nur eines möchte: uns zum Leben, zum wahren Leben zu verhelfen. Zu einem Leben aus ihm, mit ihm und einmal bei ihm!

 

Der Wille Gottes ist es, für den Jesus seine Familienbande sprengt: Wir sollen uns mit ihm einlassen! Hören und glauben, was er uns sagen will und schenken möchte!

Etwa, dass er das Brot des Lebens ist, das unseren Hunger nach Leben stillt (Johannes 6,35).

Oder dass er gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist (Lukas 19,10).

Oder dass er der gute Hirte ist, aus dessen Händen uns niemand und nichts reißen kann (Johannes 10,11.28).

Oder dass er die Auferstehung und das Leben ist, das auch der Tod nicht beenden kann (Joh. 11,25).

Gottes Willen tun heißt daher schlicht: Zu Jesus zu kommen!

 

Ein Vergleich dazu aus dem Schulleben: Da ist ein Sportlehrer inmitten seiner Schüler auf dem Trainingsplatz. Seine Schüler stehen in größeren und lockeren Abständen um ihn herum. Manche alleine, andere in Gruppen.

Da ruft der Sportlehrer: „Kommt alle her zu mir!“

Die Schüler gehen auf ihn zu und kommen ihm immer näher – kommen dabei auch einander immer näher!

„Kommt noch näher an mich heran, damit ihr mich alle hört“, ruft der Sportlehrer. Schließlich stehen die Schüler Schulter an Schulter um ihn herum.

 

So entsteht auch Jesu neue Familie! Er ruft uns zu: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken (Matth. 11,28).

Und so gehen wir auf Jesus zu. Und je näher wir ihm kommen, umso näher sind wir einander.

Und zuletzt sind wir uns dann ganz nahe – wie in einer Familie! Da werden wir zu einer Schar, die sich eng um Jesus schart. Wir verstehen einander und stehen uns bei. Wir stehen für den anderen auf und - wenn nötig - auch ein. ---

 

Doch ist Jesu Gemeinde, ist unsere Kirchengemeinde immer so – so einladend? ---

Eine Geschichte dazu aus dem Religionsunterricht in einer Grundschule. Die Lehrerin malt ihren Schülern mit leuchtendsten Farben den Himmel vor Augen. Dann fragt sie: „Wer von euch möchte einmal in den Himmel kommen?“

Alle melden sich – bis auf einen, bis auf Ben. Sein Arm bleibt unten. Die Lehrerin fragt ihn, warum er nicht in den Himmel wolle.

Worauf Ben sagt: „Klar möchte ich auch einmal in den Himmel – aber nicht mit diesem Haufen hier!“

 

Wir schmunzeln vielleicht über diese Antwort. Aber irgendwie geben wir Ben recht. Ist Jesu Gemeinde nicht in der Tat manchmal auch ein fragwürdiger „Haufen“?

Sie besteht ja aus Menschen mit Licht- und Schattenseiten, Vorzügen und Nachteilen, Stärken und Schwächen, Begabungen und Defiziten, Erfolgen und Versagen, guten und schlechten Eigenschaften.

Aber in einem Punkt gleichen sie sich: sie stehen alle bei Gott in derselben Schuld, weil sie ihm immer wieder Dankbarkeit, Gehorsam und Vertrauen schuldig bleiben. Sie brauchen daher alle Jesus. Denn erst, wenn er ihnen ihr Versagen abnimmt, dann stehen sie vor Gott recht da!

 

Wer dieses Glück der Vergebung, der hat eine neue „Blutsverwandtschaft“. Der gehört zu einer neuen Familie: zur Familie Gottes!

Was ihn dann mit seinen „Schwestern und Brüdern“ verbindet, ist die gleiche geistliche Blutgruppe: G-H-L. Ungekürzt: Glaube, Hoffnung, Liebe (1. Kor. 13,13).

Genauer gesagt: Es ist der gemeinsame Glaube an Jesus, die gemeinsame Hoffnung auf Jesus und die gemeinsame Liebe zu Jesus.

 

III. Deshalb ist der Glaubende, Hoffende, Liebende für Jesu Familie dankbar, auch wenn er manchmal von ihr enttäuscht ist, sich über sie ärgert oder ihr am liebsten den Rücken kehren würde.

Denn er weiß: allein geht er als Christ ein!

Er braucht „Väter und Mütter“ im Glauben, die ihn in seinem Gottvertrauen ermutigen, korrigieren und bestärken.

Er braucht Beter und Beterinnen, die für ihn in Schwierigkeiten und Notlagen bei Gott eintreten; auch einmal mit ihm beten.

Er braucht „Brüder und Schwestern“, die ihn mit Geduld und Nachsicht tragen und ertragen.

Er braucht die Gemeinschaft von Christen, die ihn im Glauben begleiten, trösten und aufbauen.

Er braucht Menschen, die für ihn ein Segen Gottes sind. ---

So gesehen ist dann jeder Gottesdienst und jeder Gemeindekreis so etwas wie ein Familientreffen Jesu, welches für unser persönliches Christsein und Leben immer neu hilf- und segensreich sein will.

Denn allein mit Gottes Hilfe, aber auch mit der von Menschen, können wir recht glauben, hoffen, lieben!

 

Manfred Siebald singt daher einmal:

„Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Wege gehn.

Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt und dass Gott, von dem wir reden, hier in unsrer Mitte ist.“

 

Denn dann ist Jesu Familienneugründung geglückt.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

 

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Den Predigttext für den 12. Sonntag nach Trinitatis (30. August 2020 - Kirchweihsonntag) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Jesus Christus und die Liebe Gottes die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

1. Kor. 3,9-17:

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Als mein Sohn vor einigen Monaten mit dem Bau seines Hauses begann, da ist mir ganz neu bewusstgeworden, wie wichtig dabei das Fundament ist.

Bevor mit dem Bau überhaupt begonnen wurde, noch bevor eine Bodenplatte gegossen wurde, wurden Bodenproben genommen, die Bodenbeschaffenheit geprüft und danach erst entschieden, wie das Fundament gelegt werden muss.

Das Fundament ist für das Haus entscheidend. Denn es muss später alles tragen. Das Fundament muss dabei selber auf festem Grund liegen.

Und erst wenn das Fundament gelegt ist, kann ein stabiles Haus darauf gebaut werden. ---

Als vor vielen Jahrhunderten unsere Vorfahren hier in Mistelbach an den Kirchenbau herangingen, da haben sie sicher auch zunächst die Bodenbeschaffenheit geprüft. Und sie haben gut gewählt, denn unsere Kirche ist auf Fels gegründet. So steht sie, so wie wir sie heute kennen, hier schon seit über 300 Jahren. Und die ersten kleineren Vorläufer unserer Kirche gehen noch in viel frühere Zeiten zurück.

Und unsere Kirche steht noch immer, auch wenn sie in den nächsten Jahren etwas Pflege brauchen wird, wofür wir jetzt schon Geld sammeln. ---

Wenn nun so eine Kirche gebaut wird, dann wird auch meistens ein Grundstein mit eingebaut.

So wird auch der Beginn eines Kirchenbaus mit Gottes Segen verbunden. Denn der Bau so einer Kirche ist ein Glaubenswerk.

So zeugt unsere Kirche bis auf den heutigen Tag von dem festen und biblisch begründeten Glauben unserer Vorfahren. Nicht nur der Bau selber, sondern auch unzählige Bilder tun das bis heute.

Der Glaube an Jesus Christus war für unsere Vorfahren so wichtig, dass sie uns diese Kirche hinterlassen haben, damit auch wir durch die vielfältigen Zeugnisse des Glaubens, die wir hier hören und betrachten können, selber zum persönlichen Glauben an Jesus Christus kommen.

Seitdem unsere Kirche so vor vielen Jahren eingeweiht wurde, haben an diesem Ort unzählige Menschen - auch unter uns - schon diesen Segen empfangen: bei der Taufe oder der Konfirmation, bei einer Beichte oder einer Abendmahlsfeier, bei einer kirchlichen Trauung oder einer Trauerfeier. ---

Heute feiern wir nun so etwas wie den Tauftag, den Tag der Einweihung unserer Kirche. Denn unsere Vorfahren wollten sie nach dem Abschluss der Baumaßnahmen unter Gottes Segen stellen. Denn an Gottes Segen ist ja bekanntlich alles gelegen.

Nun feiern wir ja heute einen Gottesdienst zur Kirchweih. Deshalb wollen wir nicht so sehr das Kirchengebäude selber in den Mittelpunkt stellen, sondern unseren Gott, der in unserer Kirche gewirkt hat, heute wirkt und dies auch in Zukunft tun wird.

Dabei kann Gott ganz gewiss nicht nur in unserer Kirche oder in irgendeiner anderen Kirche wirken. Denn er bindet sich nicht an Raum und Zeit. Er ist für uns hier in diesem Haus nicht verfügbar, aber er lässt sich hier von uns finden.

So können wir nicht Kirchweih feiern, ohne dabei auch uns und unser Verhältnis zu Gott zu betrachten.

Der Apostel Paulus gibt uns im heutigen Predigttext dazu eine Steilvorlage, wenn er schreibt:

Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Denn nicht nur ein neues Einfamilienhaus oder unsere Kirche selber brauchen ein gutes Fundament.

Auch wir selber brauchen so ein Fundament für unser Leben, das uns trägt und auf dem wir aufbauen können.

Jesus Christus selber hat einmal in der sogenannten Bergpredigt von der Wichtigkeit dieses Fundaments für unser Lebenshaus gesprochen.

Er erzählt dabei von zwei Menschen, die ein Haus bauen wollen.

Der eine baute sein Haus auf Sand. So ist es auf den ersten Blick schnell und problemlos hingestellt.

Der andere machte sich viel Mühe. Er suchte einen geeigneten Bauplatz. Und als er ein felsiges Grundstück fand, baute er dort sein neues Haus.

Beide Häuser mögen auf den ersten Blick ziemlich gleich ausgeschaut haben. Erst als im Herbst der Regen und die Stürme kamen, zeigte sich der Wert eines guten Fundaments.

Das Haus auf Sand wurde einfach weggespült.

Das Haus auf Fels aber trotzte den Elementen.

Deshalb baut ein kluger Mann sein Lebenshaus auf ein festes Fundament.

So wünscht es sich Jesus auch für uns!

Das beste Fundament für unser Lebenshaus ist deshalb Jesus und sein Wort.

Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Worauf bauen wir also unser Leben auf?

Ist es der Sand des vermeintlich schnellen Glücks? Ist es der Sand der vergänglichen irdischen Güter?

Oder der Sand der Gesundheit und eines langen unbeschwerten Lebens?

Oder ist es der Fels einer tragfähigen Verbindung zu Jesus Christus? Der Fels einer grenzenlosen Hoffnung auf die Auferstehung und ein Leben in Gottes neuer Welt? Oder der Fels eines durch das Hören auf Gottes Wort gefestigten Glaubens, der immer wieder neu von Gott Trost und Hilfe, Wegzehrung und Ermutigung bekommt?

Im Gespräch mit manchen meist älteren Menschen in unserer Gemeinde höre ich immer wieder, dass es ganz wichtig sei, einen Halt im Leben zu haben.

Ein Halt, der uns auch in den Stürmen des Lebens trägt. Ein Halt, der sich auch in Alter und Krankheit, in Verlust und Trauer als tragfähig erweist.

Wie aber bekommen wir dieses feste Fundament für unser Leben? Wie wird Jesus die Grundlage unseres Lebens?

Die Taufe mag dabei ein wichtiger Meilenstein sein. Schon Martin Luther hat sich angesichts unserer menschlichen Schwachheit schon an der Taufe festgehalten, weil sie eine ganz wichtige Zusage für unser Leben beinhaltet. Denn in der Taufe hat Gott „ja“ zu dir und mir gesagt.

In der Taufe hat er uns seine ganze Gnade angeboten. In der Taufe hat er uns mit vollen Händen beschenkt.

Aber wie jedes Geschenk muss auch das Geschenk der Taufe dankbar angenommen werden.

Deshalb sprechen wir oft im Gottesdienst den Satz: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden.

Es gehört also neben der Taufe noch der persönliche Glaube dazu. Ein felsenfester Glaube, der sich auf Jesus und sein Wort gründet. Ein Glaube, der Jesus beim Wort nimmt. Ein Glaube, der seine ganze Hoffnung, sein ganzes Vertrauen im Leben wie im Sterben auf Jesus setzt. Ein Glaube, der von Jesus sich die Vergebung all seiner Schuld hat schenken lassen. Ein Glaube, der Jesus alles zutraut und von ihm alles erwartet. Ein Glaube, der von einer persönlichen Beziehung zu Jesus getragen ist. Ein Glaube, der deshalb im Gebet ständige Gemeinschaft mit Jesus pflegt.

Zu diesem Glauben müssen wir im Laufe unseres Lebens einmal finden.

Und wenn das geschieht, dann ist das wie eine neue Geburt. Dann ist das so, als ob unser Leben noch einmal ganz von vorne beginnen würde. Weil es dann endlich auf das felsenfeste Fundament von Jesus Christus gegründet ist.

Solchen Menschen gilt dann der Satz des Apostels Paulus: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

Solche Menschen bezeichnet Paulus dann sogar als Heilige, weil sie ganz fest zu Gott gehören.

Da wohnt dann Gott in uns. Da haben wir dann ständige Gemeinschaft mit ihm. ---

Wo dieses Fundament aber in unserem Leben gelegt ist, da gilt es auch, darauf weiterzubauen.

Denn Jesus soll ja nicht nur das Fundament unseres Lebens sein, er soll auch in allen Räumen unseres Lebens gegenwärtig sein.

Im Arbeitszimmer, in dem wir treu und gewissenhaft unserem Beruf nachgehen. Im Wohnzimmer, in dem wir uns versammeln und Gemeinschaft pflegen. In der Vorratskammer, in der wir die Schätze, die Gott uns anvertraut hat, aufbewahren aber auch weitergeben. In Küche und Esszimmer, in denen wir dankbar die guten Gaben Gottes empfangen und genießen. Im Schlafzimmer, in dem wir Ruhe finden. –

 

Wo Jesus aber das Fundament unseres Lebens geworden ist, da bauen wir nicht nur an unserem eigenen Lebenshaus. Da bauen wir dann auch an unserer Gemeinde.

Gemeindeaufbau ist dabei nicht nur Aufgabe des Pfarrers oder des Kirchenvorstands. Gemeindeaufbau ist eine Aufgabe, die allen Christinnen und Christen ans Herz gelegt ist. Denn Gott hat jedem und jeder von uns seine besonderen Gaben gegeben.

Wer handwerklich geschickt ist, soll diese Gabe genauso einbringen wie die, die ein einfühlsames Gemüt hat. Wer gerne mit Kindern umgeht, kann diese Gabe dazu einsetzen, den Glauben schon bei den Jüngsten in Kindergarten und Schule, im Kindergottesdienst oder in der Jugendarbeit einzubringen.

Und wer ein Herz für ältere Menschen hat kann diese damit erfreuen. Wer gut reden kann, kann sich zum Lektor oder Prädikanten ausbilden lassen.

Wer gerne spazieren geht oder sich gerne mit Menschen unterhält, könnte diese Gabe als Sammler oder Austräger einsetzen.

Und wer zu all dem nicht mehr in der Lage ist, kann die Hände falten und dabei einen ganz wichtigen und segensreichen Dienst für seine Familie aber auch für unsere ganze Gemeinde tun.

Mag sein, dass dabei der eine Dienst mehr Bestand hat als der andere. Mag sein, dass dabei auch einmal etwas danebengeht.

Wo unser Leben und unser Dienst als Christen aber auf das Fundament von Jesus Christus aufgebaut ist, werden wir am Ende das Ziel unseres Lebens erreichen. Gott schenkt uns dann das ewige Leben in seiner neuen Welt, in der er für uns alle schon Wohnungen vorbereitet hat.

Denn: Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, bewahre Herzen und Sinne in Jesus Christus.

 

Amen

 

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Den Predigttext für den 11. Sonntag nach Trinitatis (23. August 2020) 

 

Urlaubsvertretung 

 

Die Predigt für den 10. Sonntag nach Trinitatis (16. August 2020)

 

Urlaubsvertretung

 

Den Predigttext für den 9. Sonntag nach Trinitatis (09. August 2020) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Jeremia 1,4-10:

Und des Herrn Wort geschah zu mir:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Worte können ganz unterschiedliche Wirkungen auf uns haben: Sie können uns einschläfern oder elektrisieren. Sie können uns fertigmachen oder ermutigen. Sie können uns auf falschen Wegen bestärken oder auf den richtigen Weg zurückholen.

Die einen können viele Worte sagen, aber damit nichts ausdrücken. Andere hingegen verändern mit einem Wort die ganze Welt.

Vielleicht erinnern Sie sich auch an solche besonderen Worte in ihrem Leben. Worte, die ihr Leben verändert oder bereichert haben. Worte, die nicht wie ein Redeschwall ins eine Ohr hinein und durchs andere wieder hinausgegangen sind, sondern Worte, die sich ihnen fest und tief eingeprägt haben.

Worte die ihrem Leben eine ganz neue Richtung gegeben haben, einen neuen Sinn, ein neues Ziel.

Solche Worte empfinden wir dann manchmal wie ein Naturereignis, sie schlagen irgendwie ein. ---

 

Dem Jeremia muss es damals ganz ähnlich ergangen sein. Aber in unserem heutigen Predigttext berichtet er nicht von menschlichen Worten, die sein Leben beeinflusst oder verändert haben, sondern von Gottes Wort: „Des Herrn Wort geschah zu mir.“

Als Priestersohn hat Jeremia Gottes Wort sicher schon oft gehört. Er wird sich auch viele Worte im Kopf gemerkt haben. Aber das, von dem er hier berichtet, war anders. Er hört Gottes Wort nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen. Gottes Wort war für ihn plötzlich nicht wie ein Wort unter vielen, sondern ganz persönliche Botschaft, ganz persönliche Anrede an ihn. Und so hat ihn Gottes Wort wie ein Ereignis getroffen. Es hat sich tief in sein Bewusstsein eingeprägt. Ein Wort Gottes, das ihn aus der Komfortzone seines Elternhauses herausgeholt und in den Dienst Gottes gerufen hat.

Vielleicht war Jeremia damals gedanklich mit der Frage nach dem richtigen Beruf beschäftigt. Vielleicht erwartete man auch von ihm, einmal Priester zu werden wie seine Vorfahren.

Aber die Worte Gottes, die ihn damals erreichten, waren seine Berufung zum Prophetenamt, nicht nur für Israel, sondern für die Völker.

Von solchen Berufungen erzählt die Bibel an verschiedenen Stellen. Mose erlebte seine Berufung zum Befreier seines Volkes aus der Knechtschaft in Ägypten. Jesaja oder Hesekiel sind zum Propheten berufen worden.

Aber auch im Neuen Testament gibt es diese Berufungen. Jesus hat seine zwölf Jünger berufen. Später begegnete er dem Paulus, holt ihn von seinem hohen Ross herunter, wendet sein Leben um 180° und macht ihn zum Apostel für die Heiden.

Auch ich durfte das in jungen Jahren erleben, als ich auf der Suche nach dem richtigen Beruf war. Denn ich wollte nicht nur einfach einen Job tun, sondern den richtigen Beruf ergreifen. So habe ich damals mit Gott und Menschen gesprochen, um Führung und Fürbitte gebeten. Und eines Abends, als ich in der Bibel las, erlebte ich es ähnlich wie Jeremia. Ich las einen Vers aus 2. Timotheus 4,5: Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus.

Wenn Gottes Wort an uns geschieht, dann geht es vom Kopf ins Herz, dann lässt es uns nicht mehr los, dann verändert es unser Leben.

Dabei kann Gott ganz unterschiedlich zu uns reden. Manchmal trifft uns ein Bibelwort. Ein anderes Mal spricht uns ein Liedtext besonders an. Manchmal bitten uns Menschen um einen besonderen Dienst. Und wieder ein anderes Mal legt Gott eine bestimmte Aufgabe vor unsere Füße.

In allen Fällen wissen wir uns dann aber angesprochen. Da lässt uns das Wort nicht mehr los. Da können wir trotz aller Ausflüchte dann nicht mehr ausweichen.

Jeremia hört die Worte: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Gott hat also einen Plan mit uns. Und er hat diesen Plan schon seit langer Zeit. Nicht erst, nachdem wir mit unserer Ausbildung fertig waren. Nicht erst, als wir alt genug waren. Nicht erst, nachdem wir uns bewährt hatten.

Er kannte uns schon, bevor eine Eizelle und eine Samenzelle sich im Mutterleib vereinigten. Er hatte schon vorher einen Plan mit dir und mir. Er hat unser Leben von Anfang an liebevoll begleitet. Er will mit uns etwas erreichen. Und er verfolgt mit jedem und jeder von uns ein großes Ziel. ---

Aber es ist nur allzu verständlich, dass Menschen, die so eine Berufung erlebt haben, dies hinterfragen und manchmal viele gute Gründe dagegen vorbringen können.

Das war bei Jeremia genauso. Er sagt:

Ich kann nicht predigen und ich bin viel zu jung!

Jeremia muss damals höchstens 20 Jahre alt gewesen sein. Und sicherlich hatte er keine Ausbildung zum Redner gemacht.

Aber das sind für Gott keine Hindernisse. Er kann uns gebrauchen, auch wenn wir uns zu jung oder zu alt fühlen. Er kann uns gebrauchen, auch wenn wir unerfahren sind oder in menschlichen Augen nicht die passende Ausbildung genossen haben.

Wichtig ist nur, dass wir auf Gott hören und dann dorthin gehen, wohin Gott uns sendet und das sagen, was er uns gebietet.

Wenn der Prediger in unserer Kirche auf die Kanzel geht, dann erinnert ihn die Aufschrift an unserem Kanzelaufgang genau daran: Du sollst predigen, was ich dich heiße!

Gott geht dabei aber nicht einfach über unsere Einwände, Ängste oder Sorgen hinweg. Er sagt: Ja, du magst dich zu jung fühlen oder zu alt. Ja, du magst dich als unbegabt einschätzen. Ja, du magst gehörigen Respekt vor dieser Aufgabe haben. Ja, du magst Angst vor Menschen haben. Ja, du magst dir dabei recht verloren vorkommen.

Aber ich lass dich doch nicht allein! Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.

Dem stotternden Mose hat er seinen Bruder Aaron als Sprachrohr an die Seite gestellt. Dem ängstlichen Josua hat er zugerufen: Ich will mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen!

Und all diese Zusagen gelten doch auch uns bei allen Aufgaben, die Gott uns heute ans Herz legt.

Gott lässt uns nie allein. Er steht an unserer Seite. Er gibt uns den nötigen Mut. Und er wird über alles, was wir in seinem Namen tun, seine segnende Hand halten.

Bei Jeremia hat er ja auch dafür gesorgt, dass er zur rechten Zeit das rechte Wort sagen konnte.

Jeremia beschreibt es mit den Worten: Der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Dieses machtvolle Handeln Gottes begegnet uns immer wieder in der Bibel. Da streckt der Herr Jesus seine Hand aus und der Sturm ist still. Da legt er seine Hand auf den Kranken und er ist gesund. Da berührt er die Augen des Blinden und er kann sehen.

Und wie oft hat Gott dabei seinen Leuten schon die rechten Worte in den Mund gelegt. Jesus selber durfte das erfahren, als man die Ehebrecherin zu ihm brachte und ihn bewusst in die Zwickmühle zwischen dem Gesetz Gottes und seiner erbarmende Liebe gesteckt hat. Während Jesus damals mit dem Finger in den Sand kritzelte, da hat er sicher gebetet und dann gesagt: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Und dieser eine Satz hat die hartherzigen Richter zum Nachdenken gebracht und der Frau eine neue Chance geschenkt.

Und als später seine Jünger vor dem Richterstuhl standen und gegen ihren Glauben und ihre Überzeugung reden sollten, da gab er ihnen auch die rechten Worte ein.

Und selbst dann, wenn Gott uns einen schweren Auftrag gibt, gibt er uns noch Hoffnung und Zuversicht mit auf den Weg.

Zu Jeremia sagte er: Ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreisen und einreisen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Selbst in den schweren Gerichtsworten für das Volk Israel steckt noch die Hoffnung auf einen Neubeginn. Hinter allem Handeln Gottes steckt seine grenzenlose Liebe für dich, für mich und seine ganze Welt.

Denn Gottes Wille ist es, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. ---

Nun könnten wir uns ja heute zurücklegen und sagen: Ich bin doch kein Jeremia. Gott gibt doch nicht jedem Menschen einen solchen Auftrag! Was geht mich das also heute noch an? ---

Das geht dich und mich auch heute noch sehr viel an. Denn egal ob du jung bist oder älter. Egal ob du ein sogenannter einfacher Mensch bist oder ein Gelehrter. Gott hat mit jedem und jeder von uns einen Plan. Und er kann mit seinem Plan bei uns in jungen Jahren beginnen oder erst im fortgeschrittenen Alter wie bei Abraham, der mit 75 Jahren den Auftrag bekam, seine Heimat zu verlassen und in ein neues Land zu gehen.

Wichtig ist, dass wir immer ein offenes Ohr für Gott und sein Wort behalten. Wichtig ist die innere Bereitschaft zu haben, sich von Gott führen zu lassen.

Denn Gottes Plan mit uns und mit unserem Leben ist ein guter Plan. Ein Plan bei dem wir oft die Wunder Gottes und sein Eingreifen erleben dürfen. Ein Plan, bei dem wir selber ganz viel Segen für uns und unser Leben empfangen. Ein Plan aber, durch den auch wir zum Segen für viele Menschen werden können.

Dem Abraham hat er zum Beispiel damals die Zusage mit auf den Weg gegeben: In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden!

Und so gilt auch uns allen das Wort Gottes: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein!

So wurde der siebenjährige Junge zum großen Segen für seine Oma, weil er merkte, dass sie sehr traurig war und er deshalb zu ihr sagte: Oma, du bist so traurig. Komm, ich bet jetzt mit dir!

So wurde der erfahrene Christ auf einer Hochzeit zum großen Segen, als er auf den Alleinunterhalter zuging und ihn bat, doch auch um der Kinder willen auf seine dreckigen Witze zu verzichten.

Da wurde die Mutter zum großen Segen, weil sie ein Leben lang für ihren ungläubigen Sohn bat, bis dieser zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kam und später als Kirchenvater Augustin vielen selber ein Segen wurde.

Da wurde der junge Mann zum großen Segen, weil er treu und hartnäckig immer wieder zum Jugendkreis einlud.

Und da wurde die alte Großmutter zum großen Segen für ihre ganze Familie, weil sie jeden Tag neu für alle betete.

Wie schaut es also mit deiner und meiner Berufung aus?

Vielleicht ist es dir schon längst klar, dass du dich mit einem bestimmten Menschen aussöhnen musst.

Vielleicht ist es dir schon lange klar, dass du einen ganz bestimmten Menschen besuchen solltest.

Vielleicht spricht dich aber auch ein Pfarrer oder ein Mitarbeiter der Gemeinde auf eine besondere Not an und bitte dich um Hilfe.

Und vielleicht legt dir Gott auch ein ganz bestimmtes Projekt ans Herz und dir ist klar, dass du da jetzt nicht ausweichen darfst. ---

Wenn Gott etwas von uns fordert, dann gibt er uns auch alles, was wir für diese Aufgabe brauchen.

Unser heutiger Predigttext macht uns Mut dazu. Denn Gott kennt uns. Er liebt uns. Er streckt seine Hand aus nach uns. Er beruft uns. Er rührt uns an. Er legt seine Worte in unseren Mund. Er ist für uns und bei uns.

Es lohnt sich, in den Diensten dieses Gottes zu sein und seine Berufung für uns persönlich immer wieder anzunehmen.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

 

 

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Den Predigttext für den 8. Sonntag nach Trinitatis (02. August 2020): 

 

Am 2. August 2020 fand ein Berggottesdienst auf dem Schobertsberg statt, deshalb finden Sie hier

keinen Predigttext

 

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Den Predigttext für den 7. Sonntag nach Trinitatis (26. Juli 2020) finden Sie hier: 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Hebräer 13,1-3:

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Glauben und Werke, Lehre und Leben, die müssen unbedingt zusammenpassen. Sie sind wie die beiden Ruder an einem Kahn. Wenn ich nur ein Ruder betätige, dreht sich der Kahn nur im Kreis. Erst wenn ich beide Ruder gleichzeitig bewege, setzt sich der Kahn in eine bestimmte Richtung in Bewegung.

So ist es auch bei uns als Christinnen und Christen. Das, was wir im Herzen glauben und das, was wir im Alltag leben, das muss unbedingt zusammenpassen. Denn wir werden heute genau beobachtet. Wir Christen sind nämlich oft nur noch die einzige Bibel, die die Menschen heute noch lesen.

Und das war damals nicht anders. Zur Zeit der ersten Christen lebten diese ja in einer mehrheitlich heidnischen Umwelt. Der neue Weg, der neue Glaube an Jesus Christus, wurde ganz genau beobachtet. Woran glauben die denn? Was machen die denn? Was unterscheidet die denn von anderen?

Und sehr schnell ist damals ein besonderes Kennzeichen der Christen offenbar geworden. Es war die Liebe, mit der sie sich gegenseitig begegneten.

Und es war die Liebe, mit der sie auch Fremde, Andersdenkende ja sogar Feinde behandelten.

Die ersten Christen schmorten also nicht nur im eigenen Saft. Sie waren vielmehr das Salz in ihrer Gesellschaft.

Und diese Liebe war anziehend. Viele Menschen spürten, dass die Christen anders waren. Deshalb suchten sie nach dem Grund für ihr Verhalten.

Bei dieser Suche stießen sie auf Jesus Christus.

Und dadurch kamen damals viele Heiden zum christlichen Glauben.

In den zwölf Kapiteln vor unserem heutigen Predigttext geht es um diese Grundlage des christlichen Glaubens. Es geht um Jesus Christus gestern und heute und denselben auch in Ewigkeit.

Es geht darum, was Christus für uns und die ganze Welt getan hat. Es geht darum, wie er gelebt hat, wie er Menschen behandelt hat und wie er dadurch alle Menschen zu Gott führen wollte.

Jesus hat diese brüderliche Liebe gelebt. Obwohl er Gottes Sohn war, obwohl er eigentlich im Himmel zu Hause war, war er sich nicht zu schade, auf unsere Erde zu kommen bis hinein in den Dreck eines Stalles, bis hinein in Angst und Sorge, Krankheit und Unfreiheit, Bedrohung und Gefahr, Trauer und Tod.

Er hat unser Leben geteilt. Er ist unser Bruder geworden. Er hat immer ein offenes Ohr gehabt und oft eilte er, um zu helfen.

Er sah die Existenznot eines Petrus und schenkte ihm den Fang seines Lebens. Er berührte einen Blinden und machte seine Augen gesund. Als Petrus nach seinem Treuebruch unendlich traurig war, ging Jesus auf ihn zu und vergab ihm seine Schuld. Als seine Freunde auf dem Meer im Sturm um ihr Leben bangten, da griff er ein. Als Menschen in ihrer Trauer untröstlich waren, hat er manchmal sogar Tote zum Leben erweckt. Als zwei seiner Freunde niedergeschlagen auf dem Heimweg nach Emmaus waren, da begleitet er sie seelsorgerlich auf ihrem Weg und führt sie zu neuer Hoffnung und neuem Glauben.

Es gäbe noch viele Beispiele dazu, wie Jesus die brüderliche Liebe vorgelebt hat.

Und wie sah es bei ihm mit der Gastfreundschaft aus? Jesus hatte selber ja kein richtiges Zuhause. Er sagte ja einmal: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nichts, da er sein Haupt hinlege.

 

Dennoch hat Jesus Gastfreundschaft gelebt. Auf der einen Seite hat er sich selber gerne einladen lassen. Er ging zum Beispiel auf die Hochzeit in Kana. Er kehrte ein ins Haus eines Zöllners, der von vielen verachtet wurde, und brachte diesem Haus großen Segen. Er war daheim bei Maria und Martha, nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um den Menschen die frohe Botschaft zu bringen. Und auch die Einladung der frommen Pharisäer schlug er nicht aus.

 

Kurz vor seiner Kreuzigung wurde er aber auch selber einmal zum Gastgeber. Auch, wenn es in einem geliehenen Saal war. Denn dort wollte er mit seinen Freunden das Passafest feiern. Dort hat er sich dann seinen Freunden selber gegeben verborgen in Brot und Wein, wie er es auch heute noch im Heiligen Abendmahl tut, um uns Vergebung, Leben und Seligkeit zu schenken.

Überall dort, wo Jesus zu Gast war oder selber als Gastgeber einlud, da waren nicht nur Engel zu Gast, da kehrte Gott persönlich in die Herzen und Häuser ein und es geschah ein großer Segen.

Und auch an die Misshandelten hat er gedacht. Als ihn einmal jemand nach dem Weg zum Himmel fragte, da erinnerte er an das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe, die untrennbar zusammengehören. Und als der Fragende etwas begriffsstutzig nachhakte, wer denn sein Nächster sei, da erzählte er die berühmte Geschichte vom barmherzigen Samariter. Da stellte er einen ungläubigen Ausländer als Paradebeispiel für gelungene Nächstenliebe hin. Denn dieser Mann ging nicht einfach weiter, als er die Not des anderen sah, er machte keine Sensationsfotos, sondern packte an, brachte den Überfallenen in Sicherheit und sorgte für seine weitere Pflege.

Und auch dort wo Menschen gefangen waren in ihrer falschen Sucht nach Sexualität, da schenkte er Freiheit und eröffnete neue Wege. Und dort, wo Menschen von Lynchjustiz bedroht waren, entlarvte er die selbstherrlichen Richter und gab der Angeklagten eine zweite Chance.

So blieb Jesus fest in der brüderlichen Liebe, vergaß die Gastfreundschaft nicht und dachte auch an die Leidenden.

So hat Jesus ein gutes Beispiel und ein leuchtendes Vorbild gegeben. Aber er war viel mehr als das. Denn Vorbilder lassen ihre Nachfolger allein. Vorbilder zeigen vielleicht das, was richtig ist, sie geben aber nicht die Kraft dazu. So lassen Vorbilder uns manchmal im Regen stehen oder überfordern uns in ihrem Beispiel.

Ganz anders Jesus. Was er von uns fordert, dazu will er uns auch die Kraft geben. Wenn wir etwas sagen sollen, dann legt er uns auch die rechten Worte in den Mund. Wenn uns der Mut fehlt, dann macht er uns neuen Mut. Wenn er etwas von uns fordert, dann gibt er uns auch zur rechten Zeit die nötigen Gaben dafür.

Mein Konfirmationsspruch aus dem Johannesevangelium, Kapitel 15, Vers 5, ist mir dabei eine große Hilfe. Denn dort heißt es aus dem Munde Christi: Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Jemand hat einmal gefragt, was denn eigentlich das Geheimnis eines christlichen Lebens sei? Denn nach außen christlich leben kann ja auch so mancher Menschenfreund. Und manchmal vollbringen diese wirklich vorbildliche Taten, vielleicht manchmal noch besser, als wir Christen.

Aber wirklich echt kann ein christliches Leben nur sein, wenn es von einem gläubigen Christen gelebt wird, der in Verbindung zu Jesus steht.

Denn nur aus dieser Verbindung zu Jesus Christus kommt auch die Kraft, als Christ zu leben und christliche Werke zu tun.

Johannes bemüht dabei ein einfaches Bild aus dem Weinbau. Da gibt es einen Weinstock, da gibt es Reben und es gibt die Trauben, die in dicken Träubeln an den Reben hängen.

So eine Rebe kann nur köstliche Trauben hervorbringen, wenn sie in Verbindung zum Weinstock bleibt. Denn aus dem Weinstock kommt die ganze Kraft dafür. Wenn diese Verbindung aus irgendeinem Grund unterbrochen wäre, würde die Rebe kaputtgehen und die Trauben vertrocknen.

Und genauso kann ein Christ nur dann christlich leben, wenn er in der ständigen Gemeinschaft mit Jesus Christus bleibt. Diese Verbindung ist die Lebensader. Ohne diese Verbindung zu Christus ist kein wahres christliches Leben möglich.

Christliches Leben ohne Christus ist nur eine schlechte Kopie, die sich auf die Dauer als wenig wertvoll erweist.

Nicht umsonst bezeichnet der Brief des Paulus an die Gemeinde in Galatien einmal christliche Werke als Früchte des Geistes, als Früchte des Glaubens.

Keinem Baum muss man befehlen, Früchte hervorzubringen. Er tut es einfach. Und genauso soll es ja auch bei uns Christen sein. Wir Christen sollten aus unserem Innersten, aus der lebendigen Verbindung zu Christus heraus, christlich handeln.

 

Aber nun kann es sein, dass unser Glaube im Laufe der Jahre müde wird, dass das Feuer des Glaubens schwächer brennt, dass der Wind des Geistes nur noch schwach weht.

Das erleben viele Christen im Laufe ihres Lebens. Und deshalb ist es wichtig, dass wir uns auch wieder daran erinnern lassen, dass wir den Glauben neu entfachen lassen, damit dann auch die Liebe wieder stärker brennen kann.

Genau das hat der Hebräerbrief im Auge. Er wendet sich an Christen, die schon lange auf dem Weg des Glaubens sind. Er wendet sich an Christen, die durch manche Kämpfe müde geworden sind, an die, die nur noch wie ein geknicktes Rohr oder ein glimmender Docht sind.

Aber auch dafür will Gott sorgen. In Jesaja 42 heißt es ja: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

So sorgt Gott auch für seine müde gewordenen Christen. Er erinnert uns an die Quelle, aus der wir Kraft schöpfen und neu leben können.

Es ist wie bei jenem Beispiel vom brennenden Holzscheit. Wenn man das Holzscheit aus dem Feuer nimmt, brennt es bald nicht mehr. Wenn man es aber wieder ins Feuer zurücklegt, fängt es wieder an, Wärme und Licht zu bringen.

Je mehr wir mit Jesus Christus verbunden sind, der doch das Licht der Welt ist, umso mehr werden auch wir hinausstrahlen in diese Welt und Liebe und Orientierung geben können.

Erst auf diesem Hintergrund können wir die Worte unseres heutigen Predigttextes richtig verstehen. Ohne diesen Hintergrund wären diese Worte nur eine Moralpredigt. Aber mit Jesus Christus, aus seiner Kraft und aus seiner Liebe heraus, können auch wir wieder Licht in diese Welt hineinstrahlen.

Dann leben wir nicht nach dem egoistischen Grundprinzip ich zuerst, me first, sondern stehen unseren Geschwistern im Glauben bei mit Wort und Tat. Da nehmen wir uns Zeit und öffnen unsere Geldbeutel. Da überlegen wir auch, wie wir Fremden eine Heimat geben können. Da behandeln wir unsere Mitmenschen so, wie wir selber behandelt werden möchten. Da schauen wir nicht weg, sondern greifen ein.

Und wenn wir selber nicht die Mittel dazu haben, haben wir immer noch im Gebet ein wunderbares und kraftvolles Mittel, um auch aus der Ferne heraus anderen zur Seite zu stehen.

So wirkt unser Glaube gegen alle Trennung, hilft gegen Vergesslichkeit und befreit von aller Gedankenlosigkeit. So wird in unserem Leben Christus sichtbar. So geben wir letztlich auch durch unsere Nächstenliebe wieder unseren Dank an Gott zurück. So wie es in der Losung des heutigen Tages aus dem Munde Jesu heißt: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als unsere Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

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Den Predigttext für den 6. Sonntag nach Trinitatis (19. Juli 2020) finden Sie hier:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Römer 12,17-21:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ (Sprüche 25,21-22).

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

 

Der Kirchenvater Augustin sagte einmal:

- Gutes mit Bösem vergelten ist teuflisch.

- Gutes mit Gutem oder Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.

- Aber Böses mit Gutem vergelten ist göttlich. ---

 

Um Gut und Böse geht es in unserem heutigen Predigttext.

 

Es sind Worte des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde damals wie heute.

Gut und Böse spielen auch in unserem Alltag eine wichtige Rolle. Von guten und von bösen Taten hören wir jeden Tag in den Nachrichten.

Und immer wieder neu erschrecken wir darüber, wenn von einer neuen Dimension der Gewalt und der Brutalität gesprochen wird. ---

 

(Eine Familie nimmt ein Kind auf und sorgt liebevoll für es. Aber im Laufe der Jahre entfernt sich dieses Kind trotz aller Liebe immer mehr von den Pflegeeltern. Es gerät in schlimme Kreise hinein und zum Schluss bringt es den Pflegevater um. ---

 

Da ist Gutes mit Bösem vergolten worden. Da ist das Gute nicht gedankt worden.)

Manchmal haben wir den Eindruck, dass sich diese teuflische Entwicklung in unserer Welt von Jahr zu Jahr verschlimmert. ---

 

Wenn wir auf die Bibel hören, dann wissen wir, dass der Mensch eben nicht so edel, hilfreich und gut ist, wie er nach den Worten eines Johann Wolfgang von Goethe sein sollte.

Wir erleben stattdessen, dass es stimmt, dass der Mensch dem andern oft wie ein reißender Wolf ist. –

 

Nun stellt sich die Frage, wie diese Spirale der Gewalt eingedämmt werden kann, dass es eben nicht immer schlimmer wird, dass das Böse nicht immer mehr überhandnimmt.

Denn in einer Welt, in der sich der Mensch immer mehr selbst der Nächste ist, in der der Mensch sich immer mehr zum Gott aufspielt, in der wir Menschen immer mehr Gott - loswerden, kann es letztlich nicht besser werden.

Das hat auch schon die Bibel erkannt. Bereits im dritten Kapitel hat diese Abwärtsbewegung begonnen. Da meinte der Mensch es besser zu wissen als Gott. Und kurz darauf geschieht der erste Mord: Kain erschlägt seinen Bruder Abel.

Da war kein Paradies mehr auf Erden.

Ja, Gutes mit Bösem zu vergelten ist eben teuflisch!!

- Aber Gott hat uns Menschen ja ursprünglich gut geschaffen und gut gewollt. Er hat uns den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Wir sollte Gottes Stellvertreter sein. Wir sollte etwas von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes repräsentieren.

Und Gott wollte in täglichem Kontakt mit uns Menschen sein und liebevollen Umgang mit uns pflegen.

Aber der Mensch hat sich im Ungehorsam gegen Gott und gegen sein Wort gestellt.

Und dieser Sündenfall geschah nicht nur damals!

Er geschieht auch heute noch, wo wir uns von Gott und seinem guten Willen abwenden. ---

Aber unser Gott wollte nun in seiner großen Liebe diesem Treiben nicht länger zuschauen. Deshalb hat er uns zunächst seine Gebote gegeben. Sie sollten uns zeigen, wie wir nach dem Willen Gottes gut mit ihm und untereinander leben könnten. Die Gebote sollten das Schlimmste verhindern und für uns wie Leitplanken auf einem guten Weg sein.

Jesus hat diese guten Wegweiser später im Doppelgebot der Liebe zusammengefasst: „Wir sollen Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst.“

Aber auch da hat sich im Laufe der Zeit eine schlimme Entwicklung ergeben. Es entstand daraus ein durch unzählige Regeln und Gesetze begleitetes Leben, in dem es nur noch um Gebote und Verbote ging. Ein Leben, in dem der Mensch aus eigener Kraft versuchte, sich selber zu verbessern. ---

Im jüdischen Glauben waren es genau 613 Gebote und Regeln, die der Mensch zu befolgen hatte.

Und auch im christlichen Bereich hat sich der Glaube oft auf das inhaltlich leere Schlagwort „Nächstenliebe“ reduziert.

So entstanden schon im Alten Testament Anweisungen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, durch die die Eskalation der Gewalt vermieden werden sollte.

Und bei uns hat sich das dann niedergeschlagen in Sprichworten wie: „Wie du mir, so ich dir!“ - Das ist das Echogesetz der Welt.

Aber all das sind nur menschliche Versuche, die Eskalation des Bösen zu begrenzen. Es sind Versuche, ohne Gott die Welt zu verbessern.

Augustin hatte schon recht, wenn er sagte:

„Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.“ ---

Paulus versucht uns nun hier einen neuen Weg zu zeigen. Er weist uns auf einen Weg hin, durch den diese Welt nicht aus menschlicher Kraft, sondern allein durch - und mit Gottes Hilfe erneuert werden kann. „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.“

Es ist der Weg, über den Augustin sagt: Böses mit Gutem vergelten, das ist göttlich. ---

Es kann nun sein, dass sich gegen diese Worte des Paulus Widerstand regt.

Wenn du so handelst, dann verzichtest du doch auf dein gutes Recht! Wer nur lieb und nett ist, der zeigt doch nur Schwäche und bringt es zu nichts!

Soll man denn alles schlucken, was uns andere antun? Die Psychologen sagen doch, dass das Hinunterschlucken von erlittenem Unrecht noch viel schlimmer sei, als das Abreagieren!

 

Liebe Gemeinde, dass mich niemand an diesem Punkt falsch versteht. Der Staat hat das Schwert nicht umsonst, d.h. dass jeder Übeltäter natürlich der gerechten irdischen Strafe zugeführt werden soll.

Und sollte er ihr entgehen, wird Gott selber einmal im Jüngsten Gericht über ihn urteilen.

Paulus schreibt ja auch: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

In unserem heutigen Predigttext geht es vielmehr darum, wie ich persönlich mit zugefügtem Leid oder erfahrenen Verletzungen umgehe. Ob ich dem Täter immer alles sofort heimzahle oder ihn gar mit Hass überziehe. ---

 

Aber seien wir doch ehrlich: Vergeltung hat doch noch nie zu etwas Gutem geführt, dafür aber umso mehr Trümmer hinterlassen: in Ehen und Familien, unter Hausbewohnern, am Arbeitsplatz, sogar unter ganzen Volksgruppen und Völkern!

Wenn nun jemand jetzt sagt: „Aber ich bringe das nicht fertig“, dann ist das verständlich, dann ist das ehrlich. Wir können nicht aus eigener Kraft über unseren Schatten springen. Wir können nicht aus uns selbst heraus den inneren Vergeltungszwang überwinden! Das schaffen wir einfach nicht.

Aber mit meinem Gott kann ich über Mauern springen! Mit Jesus kann es möglich werden, wenn wir ihn in unser Herz aufgenommen haben!

Wir dürfen deshalb die Worte unseres heutigen Predigttextes nicht aus dem Gesamtzusammenhang des Römerbriefes herausnehmen! Denn wenn wir das tun, sind diese Worte des Paulus wieder nur Appelle, Aufforderungen oder Gesetze, die wir einhalten sollen.

Gegen solche moralischen Appelle lehnen wir uns aber entweder innerlich auf, weil wir es nicht schaffen, sie einzuhalten, oder wir werden traurig und resigniert über unsere Schwäche oder unserem Versagen.

Wir werden dann entweder fromme Heuchler, die von ihrer eigenen Gutheit überzeugt sind, oder wir gehen kaputt unter unseren dauernden Selbstvorwürfen.

 

Jesus möchte aber aus uns frohe und freie Christen machen.

Und deshalb erzählt Paulus in den elf Kapiteln vorher davon, wie wir trotz unserer Schuld, trotz unserer Gottlosigkeit, immer wieder in den Augen Gottes recht dastehen können.

Er erzählt davon, wie wir allein durch den Glauben an Jesus Christus gerecht werden, wie wir allein durch den Glauben zu neuen Menschen werden können. Denn Jesus hat uns doch das Mut-machende Wort zugerufen: Siehe ich mache alles neu!

Und er hat auch die Macht und die Möglichkeit, uns und diese Welt zu erneuern. Er kann uns zu Menschen machen, die die Liebe Gottes widergeben. Er kann uns Schritt für Schritt verändern und erneuern!

Aber das geschieht nie aus eigener Kraft. Das kann nur geschehen in der ständigen Verbindung zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns diese Liebe und diese Vergebungsbereitschaft vorgelebt hat.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Zwei Menschen saßen einmal an einem Lagerfeuer. Die Holzscheite, die mitten in der Glut lagen, die brannten, die gaben Licht und Wärme ab.

Dann nahm einer ein Holzscheit aus dem Feuer heraus. Es brannte anfänglich noch. Aber dann wurden die Flammen immer kleiner und nach einer Weile brannte dieses Holzscheit nicht mehr. ---

Wir Menschen sind wie solche Holzscheite. Wenn wir außerhalb des Feuers liegen, dann sind wir dunkel und kalt. Erst wenn wir in das Feuer der Liebe Jesu Christi mit hineingenommen werden, dann verändert sich etwas, dann brennen auch wir. Dann geht etwas von der verändernden Liebe Jesu von uns aus. Dann können wir so leben, wie Jesus es uns für uns gedacht hat. Dann können wir auch Werkzeuge des göttlichen Friedens werden.

Paulus schreibt ja: Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Und Jesus hat es vorgemacht. Als ihm einmal jemand eine Ohrfeige gab, dann zahlte er es ihm nicht mit gleicher Münze zurück, sondern fragte nur: „Warum schlägst du mich?“ Und mit dieser Frage entwaffnete er seinen Gegner. ---

Die Königsdisziplin aber scheint mir der letzte Satz des Paulus zu sein: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Dadurch werden dann die sprichwörtlichen feurigen Kohlen, das schlechte Gewissen, auf das Haupt unseres Gegners gelegt.

So ein Handeln schafft aber niemand von sich aus. Erst wenn wir selber die große, vergebene Liebe unseres Gottes erlebt haben. Erst wo wir im eigenen Leben erfahren durften, dass Gott auf unsere Schuld nicht mit der verdienten Strafe reagiert, sondern bereit ist - wo wir voll Reue zu ihm kommen - uns täglich neu Vergebung zu schenken. Erst da können wir dem anderen vergeben wie Gott uns vergibt. ---

 

Ich möchte schließen mit einer Geschichte, die mich sehr bewegt hat: Erino Dapozzo war ein italienischer Christ. Während der Nazi-Herrschaft wird er jahrelang gefangen gehalten. Er ist abgemagert und verletzt.

In diesem Zustand kommt es zu einer Begegnung mit dem Lagerkommandanten.

Dapozzo erzählt davon in eigenen Worten:

„Am Weihnachtsabend 1943 ließ mich der Kommandant rufen. Er saß vor einer reich gedeckten, festlichen Tafel. Stehend musste ich zusehen, wie er sich all die Leckerbissen schmecken ließ. - Er setzte mir zu, weil ich Christ war und meinen Mitgefangenen Hoffnung zusprach im Blick auf Jesus.

Eine Ordonnanz brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse herein. Der Lagerkommandant begann, auch diese zu essen. Dann wandte er sich an mich:

„Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo.“ - Ich verstand nicht, was er meinte. - Er erklärte es mir: „Seit Jahren schickt ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich aufgegessen habe.“

Ich kämpfte mit den Tränen. Meine Frau und meine Kinder hatten von ihrer ohnehin kargen Ration Mehl, Fett und Zucker abgespart, um mir etwas zukommen zu lassen. Und dieser Kerl hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen. - Der Teufel flüsterte mir zu: „Hass ihn, Dapozzo!“ Aber ich betete, damit in mir der zerstörerische Hass nicht aufkomme. ---

Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach diesem Mann; zehn Jahre dauerte es, bis ich ihn fand. Er erkannte mich erst, als ich ihm sagte: „Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?“

Da bekam er Angst. „Sie sind gekommen, um sich zu rächen?“ fragte der ehemalige KZ-Kommandant.

„Ja“ bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein großer Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir zusammen den Kuchen und tranken Kaffee.“ ---

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

An dieser Geschichte merken wir, dass das alles andere als einfach ist und dass es Kraft kostet, die Gefühle der Vergeltung und des Hasses nicht hochkommen zu lassen. Denn diese negativen Gefühle würden uns sonst innerlich Stück für Stück zerreißen und zerstören.

So eine Kraft der Liebe und der Vergebung kann uns nur geschenkt werden, wo wir uns im Glauben immer wieder neu von Jesus stärken lassen. ---

So eine besondere Stärkung wird uns heute im Abendmahl geschenkt. Wenn wir es feiern, können wir uns von Jesus die Kraft erbitten, die nötig ist, um das Böse mit Gutem zu überwinden.

Und dann mag das Wunder geschehen:

Andere ballen ihre Fäuste – wir öffnen unsere Hände.

Andere rufen nach Vergeltung – wir sprechen von Vergebung.

Andere brüllen aus Hass – wir singen von Liebe.

Wo das geschieht, werden die Worte des Heiligen Augustin wahr, der damals gesagt hat:

„Böses mit Gutem vergelten ist göttlich.“

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

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Den Predigttext für den 5. Sonntag nach Trinitatis (12. Juli 2020) finden Sie hier:

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Lukas 5,1-11:

Eines Tages stand Jesus am See Genezareth, und eine große Menschenmenge drängte sich um ihn. Alle wollten Gottes Botschaft von ihm hören. Da sah er am Ufer zwei leere Boote liegen. Die Fischer hatten sie verlassen und waren gerade dabei, ihre Netze zu reinigen.

Jesus stieg in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustoßen. Dann setzte Jesus sich und lehrte vom Boot aus die Menschen.

Anschließend sagte er zu Simon: „Fahrt jetzt weiter hinaus auf den See und werft eure Netze aus!“

„Herr“, erwiderte Simon, „wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich es tun.“

Sie warfen ihre Netze aus und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen begannen.

Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, ihnen zu helfen. Sie kamen, und bald waren beide Boote bis zum Rand beladen, so dass sie beinahe sanken.

Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und rief: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!“

Er und alle anderen Fischer waren erschrocken und erstaunt über diesen Fang, auch Jakobus und Johannes, die Söhne von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Aber Jesus sagte zu Simon: „Fürchte dich nicht! Du wirst von nun an keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen.“

Sie brachten die Boote an Land, ließen alles zurück und gingen mit Jesus.                                              

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Wie wird man eigentlich Christ? Diese Frage scheint auf den ersten Blick ganz einfach zu sein.

Manche sagen, man käme in einem christlichen Elternhaus zur Welt und wächst einfach in den christlichen Glauben hinein.

Andere sagen: Wenn du getauft bist, bist du ein Christ.

Wieder andere sagen: Wenn du gewisse Gebote und Regeln einhältst, dann bist du ein Christ!

 

Aber ist das richtig?

Normalerweise hören wir am Sonntag im Gottesdienst Woche für Woche den Satz: Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden!

Glaube und Taufe gehören also dazu. Wir alle, die wir heute hier in unserer Kirche sind, sind wohl getauft. Die Taufe ist für uns die Grundlage unseres christlichen Lebens. In der Taufe hat Gott zu uns vorbehaltlos ja gesagt. Er hat uns alle eingeladen zu einem Leben mit ihm. Alle seine Verheißungen, die er in der Bibel hat aufschreiben lassen, gelten jedem und jeder von uns. Ohne Ausnahme!

Aber mit dem Glauben ist es so wie mit jedem Angebot das uns begegnet. Es muss angenommen werden.

Wenn am Kiosk steht: Heute frisches Eis! Die Kugel für einen Euro! Dann habe ich das Eis noch lange nicht gegessen. Ich muss erst hingehen, es kaufen und genießen.

Mit dem Glauben ist es nicht anders. Er wird mir nicht aufgezwungen. Auch habe ich ihn nicht automatisch.

 

  1. Er beginnt vielmehr mit einer Entscheidung!

Der Fischer Petrus am See Genezareth hatte vorher sicher schon so manches von Jesus gehört. Die Nachrichten von seinen Wundern und Heilungen werden auch ihn erreicht haben. Und wie vollmächtig Jesus predigt und den Menschen Gott groß macht, davon hat Petrus sicher schon vieles erfahren.

Er durfte sogar eine Heilung hautnah erleben. Denn einige Zeit vorher, da war Jesus schon einmal in Kapernaum gewesen. Er war sogar im Haus des Petrus. Damals war seine Schwiegermutter krank. Sie hatte Fieber. Und Jesus hat sie damals in einem Augenblick geheilt. Seine Schwiegermutter hatte sofort wieder so viel Kraft, um Jesus und den vielen anderen Gästen im Haus dienen zu können. ---

Aber selbst das, was er da hören und erfahren durfte, hat sein Leben noch lange nicht geändert. Er lebte weiter ohne Jesus. Er lebte weiter im Alltagstrott. Er war Fischer und dachte, diesen Beruf wohl ein Leben lang auszuüben.

Aber dann kam dieser eine bewusste Tag. Jesus trat ein weiteres Mal mitten in sein Leben hinein. Petrus hatte ihn nicht gesucht. Er hatte ihn nicht erwartet. Aber plötzlich war Jesus da. Und er war in einer ganz bestimmten Situation seines Lebens gegenwärtig.

Solche besonderen Zeiten schenkt Gott uns immer wieder. Es ist der sogenannte Kairos, die Stunde Gottes, die Stunde der Entscheidung.

Petrus hatte damals ein frustrierendes Erlebnis gehabt. Wie jeden Tag hatte er die ganze Nacht draußen auf dem See versucht, Fische zu fangen. Aber in dieser Nacht hatte er nichts gefangen. Frustriert und von Existenzsorgen gebeutelt saß er nun am Ufer und reinigte die Netze. Außer Spesen nichts gewesen. Nichts zum Essen, nichts zum Verkaufen.

 

Als er an jenem Tag gedankenversunken seiner Arbeit nachging, da wurde es am idyllischen Ufer des Sees plötzlich laut und unruhig. Immer mehr Menschen kamen. Ein richtiger Menschenauflauf, ein Flashmob kam da zusammen. Was ist da bloß los? Warum kommen die alle? Was wollen die nur?

Und dann erkennt Petrus Jesus in der Mitte dieser Menschenmenge. Jetzt weiß er, warum die alle da sind. Die sind alle gekommen, um Jesus zu hören, seine Hilfen und seine Wunder zu erfahren. ---

Petrus hatte an jenem Tag nichts mehr erwartet.

Aber dann trat Jesus in sein Leben. Er bat Petrus, ihn ein Stück weit mit dem Boot hinauszufahren, damit alle Menschen ihn sehen und hören konnten und er allen von Gott erzählen konnte.

Da war Petrus aus seinem Alltag herausgerissen. Die Netze lagen am Ufer. Er saß mit Jesus im Boot und konnte ihm nur zuhören. Aber da gingen ihm schon die Ohren und das Herz immer mehr auf.

Gespannt wird er auf die Worte Jesu gelauscht haben. Und er wird viel von dem menschenfreundlichen Gott erfahren haben, der möchte, dass alle Menschen gesucht, gefunden und gerettet werden, auch du und ich. ---

Es war schon die erste kleine Entscheidung, Jesus diesen Dienst zu erweisen. Denn Petrus hätte ja auch sagen können: Guter Mann ich habe jetzt keine Zeit, ich muss meine Netze reinigen, um heute Nacht wieder hinausfahren zu können, damit ich und meine Familie leben kann.

Aber Petrus nahm sich jetzt die Zeit. ---

Nimmst du dir auch Zeit, um täglich auf Gottes Wort zu hören und um täglich im Gebet mit ihm zu sprechen? Liegst du auch immer wieder einmal deine Netze nieder, deine Arbeit also weg, um Zeit für Jesus zu haben? ---

Denn ohne Bibellese und Gebet kann unser Glaube auf Dauer keinen Bestand haben. Glaube braucht immer wieder Nahrung.

So wie jede Beziehung, jede gute Freundschaft, auch regelmäßige Kommunikation und Austausch brauchen, denn sonst gehen sie langsam zugrunde und man wird sich immer fremder. ---

Nachdem Jesus das Herz des Petrus nun mit seiner Predigt vorbereitet hatte, kam nun die Stunde der Entscheidung. Ist der Glaube, ist das Vertrauen von Petrus zu Jesus schon so gewachsen, schon so gereift, dass er seinen Worten bedingungslos folgt?

Fahr jetzt raus! Fahr mitten auf den See und wirft die Netze aus! Diesen Auftrag gibt Jesus dem Petrus.

Jetzt kam die Stunde der Entscheidung. Vertraut Petrus diesen Jesus ganz? Nimmt er sein Wort für bare Münze? Traut er sich auf Jesu Wort hin sich dem Gespött der Menschen auszusetzen?

Petrus war ja ein erfahrener Fischer. Man fischt in der Nacht und näher am Ufer. Ganz gewiss nicht am helllichten Tag und mitten auf dem See. Was für ein verrückter Auftrag also!

Da kamen Zweifel hoch in Petrus. Sollte er diesem Jesus jetzt vertrauen? ---

Auch wir werden immer wieder in so einer Situation stehen. Auch wir werden immer wieder vor die Entscheidung gestellt, Gottes Wort zu gehorchen.

Und manchmal setzen wir uns als Christinnen und Christen auch dem Sport der Menschen aus.

Aber Petrus wagt den Glauben. Er gehorcht den Worten Jesu. Er fährt hinaus.

Und so ein Glaube wird von Jesus nie enttäuscht. So ein Glaube wird vielmehr immer ganz reich beschenkt und belohnt.

Als er mitten auf dem See das Netz wieder einziehen will, da wimmelt es in dem Netz vor Fischen. Er schafft es gar nicht, das Netz allein einzuziehen. Er braucht seine Kollegen als Hilfe. Und beide Boote sind zum Schluss bis an den Rand voll mit Fischen.

 

So reich belohnt Jesus den Glauben, so sehr segnet er. Er gibt dir nicht karg und kleinlich, sondern beschenkt dich reich mit allem, was du zum Leben brauchst.

 

Gerade junge Christen, Menschen, die die ersten Schritte des Glaubens gehen, erfahren oft, wie reich Gott sie beschenkt. Er macht ihnen Mut, beim nächsten Mal, bei der nächsten Entscheidung wieder den Glauben zu wagen.

Gott tritt auch in dein und mein Leben immer wieder einmal. Er stellt uns dann vor die Entscheidung des Glaubens. Und diese Entscheidung wird im Leben eines Christen nicht nur einmal gefällt, sondern sie fällt jeden Morgen neu:

Jesus, ich bitte dich, heute mit mir zu leben. Ich bitte dich, mich an diesem Tag zu begleiten. Ich bitte dich, mich zu schützen und zu segnen. Ich bitte dich um ein gehorsames Herz.

 

  1. Wenn Jesus dann aber in dein Leben tritt, dann kommt es erst einmal zu einer tiefe Selbsterkenntnis, zu einer tiefen Erkenntnis der eigenen Schuld.

Bei Petrus war das nicht anders. Als er an jenem Tag die Vollmacht und Heiligkeit Jesu erkannte. Als ihm klar wurde: Jetzt steht hier kein Mensch vor mir.

In Jesus steht vielmehr der lebendige Gott von mir, da fällt es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen. Da erkennt er, wie sehr er bisher ohne Gott und oft gegen seinen Willen und seine Gebote gelebt und gehandelt hatte.

Und diese Erkenntnis macht ihm Angst, er erschrickt. Er fühlt sich so, als ob in der Gegenwart Gottes die hintersten, dunkelsten und dreckigsten Ecken seines Lebens beleuchtet würden.

Jemand sagte einmal: Wenn du im Kohlekeller sitzt, kannst du dir noch einbilden, sauber zu sein, aber wenn du ans Licht des Tages trittst, dann erkennst du die Menge des Schmutzes, die an dir klebt!

Genauso ergeht es uns. Wo wir im Licht vor der Heiligkeit Gottes stehen, da erkennen wir, dass wir schuldige Menschen sind, dass wir so, wie wir sind, überhaupt nicht zu Gott passen. ---

Aber auch da stehen wir vor der nächsten Entscheidung: Weglaufen und die Schuld kleinreden, oder vor sich und vor Gott ganz ehrlich zu werden und die eigene Schuld zu bekennen.

Bei Petrus war das auch nicht anders: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!

Aber Jesus geht nicht. Er bleibt. Er hört zu, wenn wir unsere Schuld vor ihm bekennen. Und er verurteilt uns da nicht. Er schaut uns vielmehr mit Augen der Liebe an. Denn er weiß ja um deine und meine Schuld und er wartet nur darauf, dass wir damit zu ihm kommen, ihm alles bekennen und dann immer wieder neu die Freude der Vergebung erfahren.

Das ist christlicher Glaube, der durch die Tiefen geht. Ein Glaube, der durch Sündenerkenntnis getrieben, zum Bekennen der Sünde kommt und dann die Freude der Vergebung täglich neu erfahren darf.

 

Denn es ist Freude im Himmel über jeden Menschen, der zu Gott umkehrt und Buße tut!

Der Apostel Johannes schreibt später: Wo wir unsere Sünde bekennen, da ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit!

  1. Aber damit ist noch nicht Schluss. Wer sich bewusst für den Glauben an Jesus Christus entschieden hat, wer Vergebung seiner Sünden geschenkt bekommen hat, wer durch Gottes Heiligen Geist zu einem neuen Menschen gemacht wurde, den nimmt Gott dann auch in den Dienst. Denn Gott hat uns allen Gaben gegeben. Und aus diesen Gaben will er eine Aufgabe machen.

Und Jesus gibt dem Petrus nun eine Aufgabe, mit der er nie gerechnet hätte, eine Aufgabe, für die er bisher überhaupt keine Ausbildung genossen hatte: „Fürchte dich nicht! Du wirst jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen!“

Und wieder steht Petrus vor einer Entscheidung. Verlasse ich wirklich alles, was bisher mein Leben bestimmt hat? Lass ich meinen Beruf hinter mir, der mich bisher ernährt hat? Gehe ich jetzt mit Jesus in eine ungewisse Zukunft? ---

Petrus wagt den Schritt des Glaubens. Er und seine Gefährten bringen die Boote an Land, verlassen alles und gehen mit Jesus.

 

Nicht in jedem christlichen Leben vollziehen sich solche grundlegenden Veränderungen. Aber hast du nicht auch schon einmal erlebt, dass Gott dir eine ganz bestimmte Aufgabe ans Herz gelegt hat?

Da bittet dich jemand um einen Gefallen und du stehst vor der Entscheidung, ihm zu helfen oder nicht.

Da fällt dir plötzlich ein Mensch ein, dem es schlecht geht und du empfindest den inneren Drang, diesen Menschen zu besuchen und ihm zu helfen.

Da fällt dir die Not eines Menschen ein und es ist dir klar, dass du jetzt die Hände falten solltest, um wenigstens für ihn zu beten.

Da steht dir ein großes soziales Projekt vor Augen und du bist gefragt, dieses mit einer Spende zu unterstützen. ---

Und manchmal ist es vielleicht auch ein Auftrag, der dein Leben verändert.

Und immer wieder stellt sich dir die Frage, dem Ruf Jesu zu gehorchen oder nicht. ---

Aber eines ist sicher. Wo wir ihm gehorchen, werden wir selber reich gesegnet. Denn wo wir geben, da bekommen wir ein überreiches Maß zurück an Dank, an Erfüllung, an Sinn.

Und wenn wir denken, dass uns die Kraft und die Begabung fehlt, wird Gott auch uns damit reich beschenken.

Bei Petrus jedenfalls war die Ernte groß. Bei seiner ersten Predigt schon kamen Tausende zum Glauben, andere erlebten durch ihn später Hilfe und Heilung. Sein Leben hinterließ eine Spur des Segens.

Und das darf und soll auch in deinem und meinem Leben so geschehen.

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

 

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Den Predigttext für den 4. Sonntag nach Trinitatis (05. Juli 2020) finden Sie hier:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Römer 12,17-21:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ (Sprüche 25,21-22).

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Der Kirchenvater Augustin sagte einmal:

- Gutes mit Bösem vergelten ist teuflisch.

- Gutes mit Gutem oder Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.

- Aber Böses mit Gutem vergelten ist göttlich. ---

 

Um Gut und Böse geht es in unserem heutigen Predigttext.

 

Es sind Worte des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde damals wie heute.

Gut und Böse spielen auch in unserem Alltag eine wichtige Rolle. Von guten und von bösen Taten hören wir jeden Tag in den Nachrichten.

Und immer wieder neu erschrecken wir darüber, wenn von einer neuen Dimension der Gewalt und der Brutalität gesprochen wird. ---

 

(Eine Familie nimmt ein Kind auf und sorgt liebevoll für es. Aber im Laufe der Jahre entfernt sich dieses Kind trotz aller Liebe immer mehr von den Pflegeeltern. Es gerät in schlimme Kreise hinein und zum Schluss bringt es den Pflegevater um. ---

 

Da ist Gutes mit Bösem vergolten worden. Da ist das Gute nicht gedankt worden.)

Manchmal haben wir den Eindruck, dass sich diese teuflische Entwicklung in unserer Welt von Jahr zu Jahr verschlimmert. ---

 

Wenn wir auf die Bibel hören, dann wissen wir, dass der Mensch eben nicht so edel, hilfreich und gut ist, wie er nach den Worten eines Johann Wolfgang von Goethe sein sollte.

Wir erleben stattdessen, dass es stimmt, dass der Mensch dem andern oft wie ein reißender Wolf ist. –

 

Nun stellt sich die Frage, wie diese Spirale der Gewalt eingedämmt werden kann, dass es eben nicht immer schlimmer wird, dass das Böse nicht immer mehr überhandnimmt.

Denn in einer Welt, in der sich der Mensch immer mehr selbst der Nächste ist, in der der Mensch sich immer mehr zum Gott aufspielt, in der wir Menschen immer mehr Gott - loswerden, kann es letztlich nicht besser werden.

Das hat auch schon die Bibel erkannt. Bereits im dritten Kapitel hat diese Abwärtsbewegung begonnen. Da meinte der Mensch es besser zu wissen als Gott. Und kurz darauf geschieht der erste Mord: Kain erschlägt seinen Bruder Abel.

Da war kein Paradies mehr auf Erden.

Ja, Gutes mit Bösem zu vergelten ist eben teuflisch!!

- Aber Gott hat uns Menschen ja ursprünglich gut geschaffen und gut gewollt. Er hat uns den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Wir sollte Gottes Stellvertreter sein. Wir sollte etwas von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes repräsentieren.

Und Gott wollte in täglichem Kontakt mit uns Menschen sein und liebevollen Umgang mit uns pflegen.

Aber der Mensch hat sich im Ungehorsam gegen Gott und gegen sein Wort gestellt.

Und dieser Sündenfall geschah nicht nur damals!

Er geschieht auch heute noch, wo wir uns von Gott und seinem guten Willen abwenden. ---

Aber unser Gott wollte nun in seiner großen Liebe diesem Treiben nicht länger zuschauen. Deshalb hat er uns zunächst seine Gebote gegeben. Sie sollten uns zeigen, wie wir nach dem Willen Gottes gut mit ihm und untereinander leben könnten. Die Gebote sollten das Schlimmste verhindern und für uns wie Leitplanken auf einem guten Weg sein.

Jesus hat diese guten Wegweiser später im Doppelgebot der Liebe zusammengefasst: „Wir sollen Gott lieben und unseren Nächsten wie uns selbst.“

Aber auch da hat sich im Laufe der Zeit eine schlimme Entwicklung ergeben. Es entstand daraus ein durch unzählige Regeln und Gesetze begleitetes Leben, in dem es nur noch um Gebote und Verbote ging. Ein Leben, in dem der Mensch aus eigener Kraft versuchte, sich selber zu verbessern. ---

Im jüdischen Glauben waren es genau 613 Gebote und Regeln, die der Mensch zu befolgen hatte.

Und auch im christlichen Bereich hat sich der Glaube oft auf das inhaltlich leere Schlagwort „Nächstenliebe“ reduziert.

So entstanden schon im Alten Testament Anweisungen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, durch die die Eskalation der Gewalt vermieden werden sollte.

Und bei uns hat sich das dann niedergeschlagen in Sprichworten wie: „Wie du mir, so ich dir!“ - Das ist das Echogesetz der Welt.

Aber all das sind nur menschliche Versuche, die Eskalation des Bösen zu begrenzen. Es sind Versuche, ohne Gott die Welt zu verbessern.

Augustin hatte schon recht, wenn er sagte:

„Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergelten ist menschlich.“ ---

Paulus versucht uns nun hier einen neuen Weg zu zeigen. Er weist uns auf einen Weg hin, durch den diese Welt nicht aus menschlicher Kraft, sondern allein durch - und mit Gottes Hilfe erneuert werden kann. „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.“

Es ist der Weg, über den Augustin sagt: Böses mit Gutem vergelten, das ist göttlich. ---

Es kann nun sein, dass sich gegen diese Worte des Paulus Widerstand regt.

Wenn du so handelst, dann verzichtest du doch auf dein gutes Recht! Wer nur lieb und nett ist, der zeigt doch nur Schwäche und bringt es zu nichts!

Soll man denn alles schlucken, was uns andere antun? Die Psychologen sagen doch, dass das Hinunterschlucken von erlittenem Unrecht noch viel schlimmer sei, als das Abreagieren!

 

Liebe Gemeinde, dass mich niemand an diesem Punkt falsch versteht. Der Staat hat das Schwert nicht umsonst, d.h. dass jeder Übeltäter natürlich der gerechten irdischen Strafe zugeführt werden soll.

Und sollte er ihr entgehen, wird Gott selber einmal im Jüngsten Gericht über ihn urteilen.

Paulus schreibt ja auch: Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“

In unserem heutigen Predigttext geht es vielmehr darum, wie ich persönlich mit zugefügtem Leid oder erfahrenen Verletzungen umgehe. Ob ich dem Täter immer alles sofort heimzahle oder ihn gar mit Hass überziehe. ---

 

Aber seien wir doch ehrlich: Vergeltung hat doch noch nie zu etwas Gutem geführt, dafür aber umso mehr Trümmer hinterlassen: in Ehen und Familien, unter Hausbewohnern, am Arbeitsplatz, sogar unter ganzen Volksgruppen und Völkern!

Wenn nun jemand jetzt sagt: „Aber ich bringe das nicht fertig“, dann ist das verständlich, dann ist das ehrlich. Wir können nicht aus eigener Kraft über unseren Schatten springen. Wir können nicht aus uns selbst heraus den inneren Vergeltungszwang überwinden! Das schaffen wir einfach nicht.

Aber mit meinem Gott kann ich über Mauern springen! Mit Jesus kann es möglich werden, wenn wir ihn in unser Herz aufgenommen haben!

Wir dürfen deshalb die Worte unseres heutigen Predigttextes nicht aus dem Gesamtzusammenhang des Römerbriefes herausnehmen! Denn wenn wir das tun, sind diese Worte des Paulus wieder nur Appelle, Aufforderungen oder Gesetze, die wir einhalten sollen.

Gegen solche moralischen Appelle lehnen wir uns aber entweder innerlich auf, weil wir es nicht schaffen, sie einzuhalten, oder wir werden traurig und resigniert über unsere Schwäche oder unserem Versagen.

Wir werden dann entweder fromme Heuchler, die von ihrer eigenen Gutheit überzeugt sind, oder wir gehen kaputt unter unseren dauernden Selbstvorwürfen.

 

Jesus möchte aber aus uns frohe und freie Christen machen.

Und deshalb erzählt Paulus in den elf Kapiteln vorher davon, wie wir trotz unserer Schuld, trotz unserer Gottlosigkeit, immer wieder in den Augen Gottes recht dastehen können.

Er erzählt davon, wie wir allein durch den Glauben an Jesus Christus gerecht werden, wie wir allein durch den Glauben zu neuen Menschen werden können. Denn Jesus hat uns doch das Mut-machende Wort zugerufen: Siehe ich mache alles neu!

Und er hat auch die Macht und die Möglichkeit, uns und diese Welt zu erneuern. Er kann uns zu Menschen machen, die die Liebe Gottes widergeben. Er kann uns Schritt für Schritt verändern und erneuern!

Aber das geschieht nie aus eigener Kraft. Das kann nur geschehen in der ständigen Verbindung zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns diese Liebe und diese Vergebungsbereitschaft vorgelebt hat.

Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Zwei Menschen saßen einmal an einem Lagerfeuer. Die Holzscheite, die mitten in der Glut lagen, die brannten, die gaben Licht und Wärme ab.

Dann nahm einer ein Holzscheit aus dem Feuer heraus. Es brannte anfänglich noch. Aber dann wurden die Flammen immer kleiner und nach einer Weile brannte dieses Holzscheit nicht mehr. ---

Wir Menschen sind wie solche Holzscheite. Wenn wir außerhalb des Feuers liegen, dann sind wir dunkel und kalt. Erst wenn wir in das Feuer der Liebe Jesu Christi mit hineingenommen werden, dann verändert sich etwas, dann brennen auch wir. Dann geht etwas von der verändernden Liebe Jesu von uns aus. Dann können wir so leben, wie Jesus es uns für uns gedacht hat. Dann können wir auch Werkzeuge des göttlichen Friedens werden.

Paulus schreibt ja: Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

Und Jesus hat es vorgemacht. Als ihm einmal jemand eine Ohrfeige gab, dann zahlte er es ihm nicht mit gleicher Münze zurück, sondern fragte nur: „Warum schlägst du mich?“ Und mit dieser Frage entwaffnete er seinen Gegner. ---

Die Königsdisziplin aber scheint mir der letzte Satz des Paulus zu sein: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Dadurch werden dann die sprichwörtlichen feurigen Kohlen, das schlechte Gewissen, auf das Haupt unseres Gegners gelegt.

So ein Handeln schafft aber niemand von sich aus. Erst wenn wir selber die große, vergebene Liebe unseres Gottes erlebt haben. Erst wo wir im eigenen Leben erfahren durften, dass Gott auf unsere Schuld nicht mit der verdienten Strafe reagiert, sondern bereit ist - wo wir voll Reue zu ihm kommen - uns täglich neu Vergebung zu schenken. Erst da können wir dem anderen vergeben wie Gott uns vergibt. ---

 

Ich möchte schließen mit einer Geschichte, die mich sehr bewegt hat: Erino Dapozzo war ein italienischer Christ. Während der Nazi-Herrschaft wird er jahrelang gefangen gehalten. Er ist abgemagert und verletzt.

In diesem Zustand kommt es zu einer Begegnung mit dem Lagerkommandanten.

Dapozzo erzählt davon in eigenen Worten:

„Am Weihnachtsabend 1943 ließ mich der Kommandant rufen. Er saß vor einer reich gedeckten, festlichen Tafel. Stehend musste ich zusehen, wie er sich all die Leckerbissen schmecken ließ. - Er setzte mir zu, weil ich Christ war und meinen Mitgefangenen Hoffnung zusprach im Blick auf Jesus.

Eine Ordonnanz brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse herein. Der Lagerkommandant begann, auch diese zu essen. Dann wandte er sich an mich:

„Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo.“ - Ich verstand nicht, was er meinte. - Er erklärte es mir: „Seit Jahren schickt ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich aufgegessen habe.“

Ich kämpfte mit den Tränen. Meine Frau und meine Kinder hatten von ihrer ohnehin kargen Ration Mehl, Fett und Zucker abgespart, um mir etwas zukommen zu lassen. Und dieser Kerl hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen. - Der Teufel flüsterte mir zu: „Hass ihn, Dapozzo!“ Aber ich betete, damit in mir der zerstörerische Hass nicht aufkomme. ---

Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach diesem Mann; zehn Jahre dauerte es, bis ich ihn fand. Er erkannte mich erst, als ich ihm sagte: „Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?“

Da bekam er Angst. „Sie sind gekommen, um sich zu rächen?“ fragte der ehemalige KZ-Kommandant.

„Ja“ bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein großer Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir zusammen den Kuchen und tranken Kaffee.“ ---

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,

sondern überwinde das Böse mit Gutem.

 

An dieser Geschichte merken wir, dass das alles andere als einfach ist und dass es Kraft kostet, die Gefühle der Vergeltung und des Hasses nicht hochkommen zu lassen. Denn diese negativen Gefühle würden uns sonst innerlich Stück für Stück zerreißen und zerstören.

So eine Kraft der Liebe und der Vergebung kann uns nur geschenkt werden, wo wir uns im Glauben immer wieder neu von Jesus stärken lassen. ---

So eine besondere Stärkung wird uns heute im Abendmahl geschenkt. Wenn wir es feiern, können wir uns von Jesus die Kraft erbitten, die nötig ist, um das Böse mit Gutem zu überwinden.

Und dann mag das Wunder geschehen:

Andere ballen ihre Fäuste – wir öffnen unsere Hände.

Andere rufen nach Vergeltung – wir sprechen von Vergebung.

Andere brüllen aus Hass – wir singen von Liebe.

Wo das geschieht, werden die Worte des Heiligen Augustin wahr, der damals gesagt hat:

„Böses mit Gutem vergelten ist göttlich.“

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

 

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Den Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis (28.Juni 2020) finden Sie hier   

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

 

Lukas 19,10: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde!

Haben Sie schon einmal etwas verloren? Ich vermute, dass das vielen von uns schon einmal passiert ist. Da hat man einen Regenschirm liegen lassen, den Geldbeutel oder den Hausschlüssel verloren.

Da ist einem etwas aus der Hosentasche gerutscht oder vom Gepäckträger des Fahrrades gefallen.

Oft sind das nur Nebensächlichkeiten, oft kann man die Sachen wieder ersetzen oder man hat das Glück, sie wiederzufinden.

Aber es gibt auch Dinge, die richtig weh tun, wenn wir sie verlieren. Dann etwa, wenn etwas für uns eine besondere Bedeutung hat, wenn ich etwas nicht mehr ersetzen kann oder wenn etwas unwiederbringlich verloren ist.

Sehr gute Freunde von uns haben jetzt etwas verloren, was unwiederbringlich ist, was von unschätzbarem Wert ist.

Sie werden es wohl alle in den Medien gehört oder gelesen haben. Jener junge Mann, der mit seiner vierjährigen Tochter in der letzten Woche im Trebgaster Badesee auf tragische Weise ertrunken ist.

Es sind der Sohn und das Enkelkind von Jörg Streng gewesen. Viele von uns kennen Jörg Streng, weil er als christlicher Liedermacher weit über die Grenzen von Bayreuth bekannt ist und hier schon in unserer Kirche Konzerte gegeben hat.

Den Sohn, Ehemann, Vater oder Bruder zu verlieren, das ist ein tragisches Ereignis.

Manche nehmen das sensationsgierig zur Kenntnis, andere stellen Fragen nach dem Warum oder klagen gleich Gott an, wie er das zulassen kann. Denn der junge Mann war ja selber bekennender Christ.

Und jemand hat auch gleich gefragt, ob man da nicht seinen Glauben verlieren muss. ---

Wir können die Trauer und das Entsetzen darüber, was da geschehen ist, nicht einfach kleinreden. Es ist und bleibt auch für Christen ein schwerer Brocken.

Nun heißt es aber in unserem neuen Wochenspruch über Jesus: Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!

Es gibt also noch eine viel schlimmere Art, etwas zu verlieren. Es gibt die Möglichkeit, sich selber zu verlieren, auf ewig die Beziehung zu Gott zu verlieren. Und das ist in den Augen Gottes der allerschlimmste Verlust, dann, wenn ein geliebtes Geschöpf Gottes für ewig verloren geht.

Um das zu verhindern, kam Jesus zu uns auf unsere Erde. Er kam, weil Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Er will, dass auch kein einziger Mensch verloren geht.

Deshalb starb er für deine und meine Schuld am Kreuz. Deshalb gab er sich selbst als Opfer, damit du und ich die verlorene Verbindung zu Gott wiederbekommen können.

Auf ganz besondere Weise hat das damals der Zachäus erlebt. Er war auch so ein verlorener Mensch. Er hatte sich an das Geld verloren. Es war sein Gott geworden. Dem Geld opferte er Freundschaften und Ansehen. Dem Geld opferte er seine Zeit und sein Leben. Um immer mehr Geld zu scheffeln, nutzte er seine Machtposition damals am Zoll schamlos aus. Die Tarife erhöhte er zu seinen Gunsten. So wurde er immer reicher an Geld, aber immer ärmer an Leben, an Liebe, an Sinn oder auch an Beziehungen.

Irgendwie hat er gerade noch rechtzeitig die Kurve gekriegt. Er hat angefangen, noch einem neuen und besseren Sinn im Leben zu suchen.

Dabei hat er am Zoll wohl so einiges über Jesus gehört. Und das hat ihn neugierig gemacht. Den Mann wollte er unbedingt mal kennenlernen. Und als er erfuhr, dass Jesus durch Jericho kommen würde, da wollte er ihn unbedingt sehen und hören.

Weil er aber zu klein war und die Leute ihn wohl auch bewusst nicht vorließen, stieg er auf einen Baum, um von dort herab Jesus zu sehen.

Der kleine reiche Mann machte sich zum Gespött der Leute. Aber das war ihm egal.

Als Jesus mit einer großen Menschenmenge kam, da zog er gerade unter diesem Baum durch. Aber Jesus hat ihn dennoch da oben bemerkt.

Er forderte ihn auf, herunterzukommen. Und dann kam die Sensation des Tages, über die sich wohl viele das Maul zerrissen haben: Jesus wollte genau bei diesem Außenseiter als Gast einkehren.

Wie kann er nur? Weiß er denn nicht, wer der ist?

Aber Jesus kannte den Zachäus bestens. Er wusste, dass er dort oben mit sehnsuchtsvollem Herzen im Baum saß. Gerade deshalb will er bei ihm einkehren.

Und das verändert das Leben des Zachäus schlagartig. Er steht nicht mehr abseits. Jesus will mit ihm etwas zu tun haben.

Aber in der Begegnung mit Jesus erkannte Zachäus auch, was ihn bisher vom Leben getrennt hat. Es war seine ungerechte Geldgier, seine Habsucht, seine Betrügereien, durch die er ein verlorener Mensch geworden war.

Aber in der Begegnung mit Jesus wird er ein neuer Mensch. Jesus macht ihn frei und froh. Durch Jesus hat er Gott wiedergefunden, das Zentrum des Lebens.

Und so will er – soweit überhaupt möglich – seine alte Schuld wiedergutmachen. Er sagt zu Jesus: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Und Jesus sagt darauf sofort: Heute ist diesem Haus und somit auch dem Zachäus Heil widerfahren. Er ist geheilt, frei von seiner Geldsucht geworden.

Aber noch mehr: er ist auch wieder Abrahams Sohn geworden. Das heißt er gehört wieder dazu zum Volk Gottes. Die Verbindung ist wiederhergestellt.

Und dann sagte Jesus noch unseren heutigen Predigtvers: Denn der Menschensohn – und damit meint er sich - ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Jesus sucht und rettet verlorene Menschen. Er bringt auch dich und mich immer wieder neu zu Gott zurück, er nimmt alle Schuld weg, die uns bislang von ihm getrennt hat. Er bringt uns zurück in die Gemeinschaft mit Gott, wenn wir uns nur von ihm retten lassen.

Und wenn so eine Menschenseele wieder gesucht, gefunden und zurückgebracht ist, dann herrscht im Himmel und auf Erden eine riesengroße Freude darüber.

Genauso, wie du dich freust, wenn du etwas für dich Wertvolles wiedergefunden hast. ---

 

Wie können wir nun aus diesem Glauben heraus als Christinnen und Christen reagieren, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben?

Sicher auch mit Tränen und Trauer! Sicher oft mit der Frage: Warum? Warum mussten die beiden schon in so jungen Jahren sterben? Wir hätten sie doch noch so sehr gebraucht und noch gerne viel länger behalten.

Aber manchmal wird dann mit der Zeit aus der Frage nach dem Warum, auf die wir oft keine Antwort bekommen, die Frage nach dem Wozu!

Mein früherer Seelsorger hat dazu einmal sinngemäß Folgendes aus seinem Leben erzählt: Er hatte auch zwei Kinder im Laufe der Jahre verloren. Das war für ihn alles andere als leicht.

Aber eines Tages, da bekam er eine Antwort, einen Trost geschenkt. Sein kleiner, verstorbener Sohn erschien ihm im Traum und sagte zu ihm: Vati, sei nicht traurig, mir geht es doch so gut! - Ja, der kleine Junge war geborgen in Abrahams Schoß. Er war am Ziel angekommen. Er war im Himmel bei Gott.

Und das ist doch letztlich unser aller Ziel als Christen. Wir wollen doch alle ans Ziel in den Himmel kommen. Dorthin, wo es unvergleichlich schön ist, dorthin, wo es kein Leid und kein Geschrei, keine Trauer und kein Leid mehr gibt.

Wer uns im Glauben an Jesus Christus vorangegangen ist, der ist schon am Ziel. Der ist schon im Himmel angekommen. Vielleicht viel früher, als wir es uns gewünscht hätten. Aber am Ziel!

Und manchmal handelt Gott auch anders, als wir es uns gewünscht haben. Vielleicht brauch er droben im Himmel jetzt schon einen guten Lehrer, der den Kindern im Himmel von der großen Liebe Gottes erzählt.

Mein Enkel hat kürzlich ein Bild fertig gestickt. Es war so eine bunte Stickvorlage für Kinder. Als er fertig war zeigte er uns stolz sein Werk. Auf der Vorderseite ein wunderbares Bild. Aber er hielt es erst falsch herum. Man sah nur die Unterseite, ein Gewirr von chaotischen Fäden, die da kreuz und quer verliefen. Man hatte von unten keine Chance, etwas von dem fertigen Bild auf der Oberseite zu erahnen.

 

Genauso ergeht es uns auch oft im Leben. Wir erkennen die Wege Gottes mit uns nicht. Sie sind für uns nur wie ein wirres Durcheinander.

Aber von oben aus, vom Himmel aus mit Gottes Auge gesehen, da macht alles irgendwie einen Sinn.

 

Am Sterbetag der beiden jungen Leute stand in der Herrnhuter Losung ein Satz aus dem Römerbrief im 8. Kapitel. Eine sogenannte rhetorische Frage: Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

Und Paulus gibt einige Verse später selber die Antwort darauf: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Und in der Herrnhuter Losung stand dazu noch ein Liedvers von Arno Pötzsch: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt. Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit und werden sein und leben in Gott in Ewigkeit.

Ja, Gott sei Dank ist Jesus gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was sonst verloren ist.

Deshalb macht er uns auch immer wieder Mut zum Glauben, denn wer ihn sucht, der findet ihn; wer ihn bittet, dem wird gegeben und wer bei ihm anklopft, dem wird aufgetan.

Und dieser Glaube verändert dann unser Leben! Wir können wir dann voll Vertrauen vorwärtsschauen. Und in diesem Glauben werden wir auch durch die dunkelsten Täler im Leben geführt und getragen. ---

Wir sind deshalb als Christinnen und Christen nicht unbedingt besser, aber wir sind besser dran.

Das möchte ich zum Abschluss noch mit einer bekannten Geschichte von Margaret Fishback Powers verdeutlichen, die in ihrem Gedicht „Fußspuren im Sand“ geschrieben hat:

Eines nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen." ---

Und so wird er auch uns durch manch schwere Zeiten tragen, weil er uns liebt, uns sucht und uns ans große Ziel unseres Lebens bringen will.

Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen