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Predigt über Philipper 1,21-26 von Pfr. Heidenreich für den Ewigkeitssonntag (22. November 2020)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

 

Philipper 1,21-26:

Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll im Fleisch, so dient mir das dazu, mehr Frucht zu schaffen; und so weiß ich nicht, was ich wählen soll. Denn es setzt mir beides hart zu: Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben um euretwillen. Und in solcher Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen sein werde, euch zur Förderung und zur Freude im Glauben, damit euer Rühmen in Christus Jesus größer werde durch mich, wenn ich wieder zu euch komme.

 

Gebet

 

Liebe Gemeinde,

liebe Angehörige unserer Verstorbenen,

deren wir heute noch einmal gedenken!

Im Volksmund nennen viele den heutigen letzten Sonntag im Kirchenjahr ganz schlicht und nüchtern den Totensonntag. Das klingt aber wenig einfühlsam.

Die kirchliche Bezeichnung für den heutigen Sonntag dürfte in vielen Ohren dagegen zu weich oder zu blumig klingen: Gedenktag der Entschlafenen.

Ja, schön wär‘s, wenn das Sterben immer ein sanftes Entschlafen wäre. Bei Einzelnen unserer Verstorbenen war das vielleicht so, aber andere haben Jahre darauf gewartet, endlich sterben zu dürfen. Wieder andere wurden viel zu früh aus diesem Leben gerissen.

Und vor allem: Für uns, die wir zurückbleiben, ist es ja nicht so, als ob unsere Lieben einfach nur schlafen und wir sie jederzeit wieder aufwecken könnten.

Nein, der Schmerz bleibt: In diesem Leben sehen wir sie nicht wieder. Die gemeinsame Zeit hier ist vorbei. Was schön war, können wir nicht zurückholen. Was ungut war, können wir nicht mehr miteinander klären und was wir versäumt haben, können wir nicht mehr nachholen.

 

Trostsätze (Vers 21)

Der Missionar Paulus blickt genau diesem Schicksal ins Auge. Er sitzt wegen seines Glaubens im Gefängnis. Möglicherweise erwartet ihn sogar die Todesstrafe. Er weiß also nicht, ob er die Menschen wiedersehen wird, die ihm wichtig sind, die er liebhat, die er vermisst.

Erstaunlicherweise versinkt er aber weder in Trauer und Trübsal, noch tröstet er sich mit jenen oberflächlichen Sätzen, die manche von Ihnen, liebe Angehörige, im vergangenen Jahr wohl gehört haben dürften:

Kopf hoch; es wird schon wieder! - Irgendwie geht es weiter! - Sei nicht traurig; ihm/ihr geht es jetzt bestimmt besser. Oder: Es nützt alles nichts, man muss es nehmen, wie es kommt.

So gut gemeint solche Sätze sind, so hilflos und so allgemein kommen sie meist daher.

Tragfähige Hoffnung und tiefen Trost können wir als Christen aber aus anderen Sätzen schöpfen, wie z.B. aus dem des Apostels Paulus: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“

Ich gebe zu, liebe Gemeinde, dieser Satz kann provozieren. Denn wir, die Hinterbliebenen, erleben das Sterben nicht als Gewinn, sondern als Verlust.

Die Gelegenheit, noch einmal Gutes miteinander zu erleben, ist genauso verloren wie die Chance, das Ungute doch noch anzusprechen und auszuräumen.

 

Verlust. - In unserem Leben, in unserer Familie hat sich im vergangenen Jahr eine Lücke aufgetan, die vielleicht niemals ganz geschlossen werden wird und mit der wir nun umzugehen lernen müssen.

Und doch ist jener Glaubenssatz von Paulus keine gemeine, sondern eine heilsame Provokation. Denn er lässt uns etwas Gutes, Hoffnungsvolles ahnen.

Er lässt uns hoffen, dass der Tod nicht einfach nur schrecklich ist, dass er uns nicht für immer in Traurigkeit versetzen kann, dass er seine Endgültigkeit eingebüßt hat.

Denn es gibt jemanden, der sogar das Sterben in Gewinn verwandeln kann – und damit den Tod in den Durchgang ins Leben, ins ewige Leben bei Gott.

 

Optionen (Vers 22-25): So sicher ist das für Paulus, so selbstverständlich, so klar, dass er ganz offen und geradezu ungeniert darüber nachdenken kann, was ihm eigentlich lieber wäre:

Sterben und dadurch bei Jesus sein – oder weiterleben und Menschen im Glauben an Christus stärken? Endlich am Ziel ankommen – oder noch eine wichtige Aufgabe erfüllen?

Das sind zwei gute Optionen, zwischen denen er regelrecht hin- und hergerissen ist. Wobei Paulus die erste Option eindeutig lieber wäre, weil es die viel, viel besser ist: Ich habe Lust – so jetzt wörtlich – aufzubrechen und bei Christus zu sein.

Das ist wieder so eine heilsame Provokation: Sterben ist doch nicht schön! Aber für den, der an den auferstandenen Sieger über den Tod glaubt, an Jesus Christus, für den ist es ein Aufbruch zur himmlischen Heimat, hin zum großen Ziel unseres Lebens.

 

Das Losgehen in ein neues Land. Das Aufbrechen in ein neues Leben – in das Leben ohne Leiden, das Leben ohne Missverständnisse und Streit, das Leben ohne Enttäuschung und Entbehrung.

Sterben ist für den, der an den auferstandenen Bezwinger des Todes glaubt, der Aufbruch in das ewige Leben voller Frieden, voller Freude und voller Fülle. Es ist der Aufbruch in das ewige Leben bei Jesus Christus. Das ist die bessere Option.

Und dieser Glaube gibt uns jetzt schon einen tiefen Trost.

 

Als in diesem Jahr der Sohn eines unserer Freunde zusammen mit der Enkeltochter tragisch ums Leben kam, standen später auf der Traueranzeige die Worte: „Wir sind zu Hause und wir sind am Ziel!“

Liebe Gemeinde, ich persönlich befinde mich nach menschlichem Ermessen ja im letzten Drittel des Lebens, aber ich hatte schon mehrfach den Eindruck: es ist noch nicht Zeit für mich zu gehen.

Als ich vor rund zwei Jahren mit meinem Sohn mit Auto und Anhänger zum ehemaligen Garten meines Vaters fahren wollte, um noch die letzten Dinge auszuräumen, da blieben wir an einem steilen Stück kurz vor dem Garten hängen.

Dort im Schatten der Bäume war noch Eis. Das ganze Gespann rutschte unkontrolliert zurück und der Anhänger stellte sich quer. Es gab kein Vorwärts und kein Rückwärts. Wir mussten an diesem steilen Stück den Anhänger abkoppeln.

Am Ende der Aktion konnten wir beide den Anhänger nicht mehr halten. Ich stürzte kopfüber in einen Graben und der Anhänger kam hinterher.

Gott sei Dank traf er mich nicht. Ich blieb unverletzt. Nur das Rücklicht war zerbrochen.

Da kann ich im Rückblick auch nur sagen: es war noch nicht Zeit für mich zu gehen. Irgendetwas hat Gott offenbar noch mit mir vor. ---

Geschieht es Ihnen nicht auch ab und zu ähnlich, wenn etwa im Straßenverkehr Sie oder jemand anderes gerade noch rechtzeitig bremsen können und sie merken: das hätte schlimm ausgehen können.

Haben Sie dann nicht auch manchmal den Eindruck: Gott will, dass ich noch bleibe. Scheinbar hat er noch etwas mit unserem Leben vor.

Kennen Sie diesen Eindruck auch?

Ich vermute, dass Paulus solch einen Eindruck hatte. Denn obwohl es für ihn die eindeutig bessere Option wäre, aufzubrechen und bei Christus zu sein, ist er überzeugt, dass es für ihn noch nicht Zeit ist zu gehen.

Er spürt, dass Gott vorerst die andere Option für ihn bereithält, die nötigere, die wichtigere, die dringendere: nämlich weiterleben und Menschen helfen, auf Christus den Bezwinger des Todes, zu vertrauen, im Glauben an ihn zu wachsen und Freude daraus zu schöpfen.

Darin sieht Paulus seine Aufgabe. Das macht sein Leben sinnvoll. Das gibt ihm Kraft, hier zu bleiben und weiterzumachen.

 

Zuspruch

Liebe Gemeinde, liebe Angehörige unserer Verstorbenen, das soll heute auch unsere Kraftquelle sein, heute am Totensonntag, am Gedenktag der Entschlafenen: dass wir im Vertrauen auf Jesus Christus zwei gute Optionen, zwei gute Wege vor uns haben:

Der Tod ist nicht das bittere Ende, sondern die Tür zu dem Ort, wo Gott abwischen wird alle Tränen, wo kein Leid, kein Geschrei und kein Schmerz mehr sein werden, wo wir ausruhen können, wo uns keine Schuld mehr plagt und keine Angst uns mehr jagt.

Durch die Verbindung mit Jesus Christus wird unser Sterben zu einem Aufbruch in jene neue Welt voller Frieden, Freude und Fülle. Dort werden wir bei Christus sein und ihn von Angesicht zu Angesicht sehen.

Darum müssen wir nicht vorher, in diesem Leben, noch alles schaffen und hinkriegen. Das Entscheidende ist, dass wir bereit sind aufzubrechen.

Und bis dahin hat Gott noch etwas mit uns vor. Solange wir noch in diesem unserem Körper, in dieser unserer Welt und in dieser unserer Zeit leben, können wir Gutes und Sinnvolles tun.

Wir brauchen uns dabei nicht um uns selbst zu drehen. Wir brauchen uns nicht in den Alltagspflichten verlieren. Wir brauchen nicht in die Lücke fallen, die durch den Weggang eines lieben Menschen in unserem Leben oder in unserem Herzen entstanden ist.

Denn Christus hat noch etwas mit uns vor. Wir sollen und wir dürfen Glauben, Hoffnung und Freude verbreiten. Das wird unser Leben sinnvoll machen. Das wird uns Kraft geben.

 

Schluss

Liebe Gemeinde, komme, was wolle: Christen haben immer zwei gute Optionen vor sich: Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.

Wäre das nicht etwas, wenn wir darum - wie Paulus - dem Tod so nüchtern und furchtlos ins Auge sehen könnten, weil wir wissen: Er ist nur der Durchgang – und zwar der Durchgang in das ewige Leben bei Jesus!

Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. Wäre das nicht etwas, dass wir wie Paulus das Sterben, unser Sterben oder das unserer Lieben, nicht tabuisiert und nicht verdrängen müssen, weil wir glauben und wissen: Das Beste kommt noch!

Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Wäre das nicht etwas, dass wir den Schlusspunkt unseres Lebens nicht selber kontrollieren und bestimmen müssen, weil wir fest darauf vertrauen können:

Solange es nötig ist, bleiben wir noch hier, denn Christus hat noch etwas mit uns vor.

Und wenn es Zeit ist, dann brechen wir auf – zu ihm, unserem Herrn! Und dann sind wir am Ziel!

 

Deshalb hat Melchior Vulpius im Jahr 1609 dichten können:

  1. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; ihm will ich mich ergeben, mit Fried fahr ich dahin.
  2. Mit Freud fahr ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf dass ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei.
  3. In dir, Herr, lass mich leben und bleiben allezeit, so wirst du mir einst geben des Himmels Wonn und Freud.

 

Amen

 

Und der Friede Gottes, welche höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen

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