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Predigt über Lukas 2,11 am 2. Weihnachtsfeiertag (26. Dezember 2021)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Lukas 2,11: Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.

Gebet

Liebe Gemeinde!

Gleich an der Ecke einer Amsterdamer Geschäftsstraße war ein altbekanntes Uhrengeschäft. Dort schlugen nicht nur die Uhren für die großen und kleinen Kunden, sondern auch ein Herz für große und kleine Kinder.

Der alte Uhrmachermeister Caspar ten Boom war eine Seele von Mensch. Immer zum Heiligen Abend lud er die ganze Rasselbande aus der Nachbarschaft in seinen Laden ein, schenkte heiße Schokolade aus, verteilte kleine Geschenke und erzählte eine Geschichte. So auch die folgende: ---

Königin Victoria von England ging im Urlaub gerne in einfachen Kleidern durch den Wald. Bei solch einem Spaziergang geriet sie einmal in ein heftiges Unwetter. Zum Glück tauchte eine Hütte auf, die sie mit ein paar schnellen Schritten erreichen konnte. Dort schaute ein runzeliges Weiblein durch den Türspalt, und die Königin inkognito bat freundlich um einen Schirm.

„Nun“, krächzte die Alte, „meinen Verschlissenen können sie haben, aber meinen Neuen verleihe ich niemandem. Wer weiß denn, ob ich ihn jemals wiedersehe?“

So zog das königliche Oberhaupt lächelnd davon, beschirmt mit einem schrecklichen Regenschirm, dessen Stangen nach allen Himmelsrichtungen hinaus spießten.

Als aber am anderen Morgen ein schmucker Butler der alten Frau ihren Schirm mit den Worten zurückbrachte: „Königin Viktoria lässt danken und Ihre Majestät lässt grüßen“, da kippte die Alte schier um und stammelte nur noch: „Wenn ich das gewusst hätte, o wenn ich das gewusst hätte!“ ---

Das ist die Klage derer“, fügte Meister ten Boom an, „die zu spät erkennen, wer der Herr vorm Haus und wer der Herr im Haus ist“.

Beide Fragen sind entscheidend. Auch und erst recht heute an Weihnachten!

Wer ist der Herr vor dem Haus?

Am Heiligen Abend läuten die Glocken. In der Heiligen Nacht klingen die Glöckchen. Zum Fest aller Feste klopft es an unsere Tür. Wer ist der Herr vorm Haus?

Einfache Gemüter reden vom Christkind, das über allem schwebt. Naive Gemüter vom Weihnachtsmann, der durch die Nacht geht. Gebildete Gemüter reden von der ersten Ursache, vom absoluten Sein, vom großen X, das vor allem und hinter allem steht. Nur wir Christen reden von einem Gott in Menschengestalt.

Über das Christkind kann man lächeln, aber nicht fröhlich werden. Über den Weihnachtsmann kann man lachen, aber nicht zufrieden werden. Über das absolut Seiende, was immer da sein soll, kann man diskutieren, aber nicht glücklich werden.

Zum Glück brauchen wir uns mit solch abstrusen und absurden Ideen wie dem großen X, dem großen Unbekannten, nicht herumzuschlagen!

Es ist überhaupt nicht nötig, dass wir uns irgendwelche Vorstellungen über Gott machen. Denn Gott hat sich nach der prophetischen Vorankündigung zu Weihnachten höchstpersönlich vorgestellt!

Er ist kein Christkind, sondern der Sohn Gottes. Kein Weihnachtsmann, sondern der Friedefürst. Kein Herr X, sondern der Herr Jesus Christus. Kein absolut Seiender, sondern der Heiland der Welt.

Sein Vater, der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde, verpackte ihn nicht in Samt und Seide, sondern steckte ihn in eine menschliche Haut.

Damit ist er uns hautnah auf den Leib gerückt. Mehr noch, er will uns jetzt buchstäblich unter die Haut gehen, deshalb steht er vor dem Haus.

Schauen Sie doch einmal durch den Türspalt, der sich an Weihnachten auftut, und erkennen Sie den, der in einfachen Kleidern dort steht! Kein Doktorhut ziert seinen Kopf, kein Stern blitzt auf seiner Achselklappe, kein Brillantring schmückt seinen Finger. Diese Jesus, der zeitlebens eine arme Haut blieb, borgte sich mehr als nur einen Schirm: nämlich eine Krippe für seine Geburt, einen Esel für seinen Einzug in Jerusalem, einen Saal für das Abendmahl mit seinen Jüngern und ein Felsengrab für seine Bestattung.

Jesus Christus, der anspruchslose Herr vor dem Haus, er beansprucht nur eines: nämlich der Herr im Haus zu sein!

Um das überhaupt werden zu können, lädt er sich selbst zu uns ein. Er sagt: „Siehe, ich komme und will bei dir wohnen!“ - Aber nicht nur als Gast für ein paar Feiertage, auch nicht als Untermieter.

Nein, Herr im Haus will er sein! Nicht, um auf unsere Kosten zu leben, sondern um ganz für uns da sein zu können - koste es, was es wolle. Um uns ganz mit seiner Liebe zu umsorgen.

Ihm hat es das Leben gekostet, unser Herr und Heiland zu werden. Doch den Preis hat er gerne dafür bezahlt. Aus Liebe zu uns, die wir ohne ihn verloren wären! ---

Doch: Wer ist der Herr im Haus

Viele Herrschaften haben sich bei uns einquartiert. Zum Beispiel die Angst vor dem Morgen in einer Welt, die von uns Menschen immer mehr ausgebeutet, vergiftet und zerstört wird.

Viele Herrschaften haben bei uns das Sagen. Zum Beispiel die Sorge um die eigene Gesundheit, die angeschlagen ist und zu schlimmen Befürchtungen Anlass gibt.

Viele Herrschaften haben sich bei uns breitgemacht. Zum Beispiel der Schmerz und die Trauer über den verstorbenen Angehörigen, der so plötzlich und unerwartet mitten aus seiner Arbeit, mitten aus dem Leben gerissen wurde.

Wer ist der Herr im Haus?

Jesus weiß, dass wir mit diesen Herrschaften nur mutlos, hoffnungslos oder gar depressiv werden können, deshalb will er ins Haus. Die Lösung seines Wohnungsproblems ist die Lösung unseres Lebensproblems!

Manche bieten ihm dafür ein Hinterstübchen an, so wie der Wirt von Bethlehem damals. Damit hat er ein Dach über dem Kopf und wir ein gutes Gewissen. Wer Jesus im Hinterhaus beziehungsweise der Hinterhand hat, kann sich notfalls auf ihn berufen. Aber Jesus will mehr!

Manche bieten ihm eine kleine Krippe an, aus Holz geschnitzt oder aus Lehm geformt. Damit hat er seine Ruhe und wir unseren Frieden. Wer Jesus unterm Christbaum hat, ist jedenfalls nicht unchristlich. Aber Jesus will mehr!

Manche bieten ihm ein Kreuz an, in der Zimmerecke oder im Hausflur, oder auch an einer Halskette. Damit hat er seine Ehren und wir unseren Schmuck. Wer Jesus im Herrgottswinkel oder am Hals hat, glaubt an den Herrgott. Aber Jesus will mehr! ---

Er will nicht nur im Hinterhaus kampieren, unter dem Christbaum logieren, im Zimmerwinkel vegetieren oder als Schmuckstück kokettieren. Jesus will im ganzen Haus regieren!

Deshalb muss er überall am Platz sein. Im Arbeitszimmer, wo uns die Fehlbilanz des alten Jahres belastet. Im Schlafzimmer, wo uns die Sorgen und Schwierigkeiten des Alltags nachts den Schlaf rauben. Im Wohnzimmer, wo wir uns nur noch um den Fernseher versammeln. Im Esszimmer, wo schon beim Frühstück die Hetze des Tages beginnt. Im Spielzimmer, wo die Kinder sich in die Haare kriegen und streiten. In der Küche, wo die Nur – Hausfrau über die immer gleiche Tretmühle stöhnt.

Auch im Badezimmer, wo einem der Blick in den Spiegel sagt: „Du wirst älter, mein Freund!“ Oder im „Stillen Kämmerlein“, wo einem eigene Schuld, eigenes Versagen aufgeht und verklagt. Erst recht im Krankenzimmer, wo Schmerzen und Ängste quälen oder ärztliche Kunst gar am Ende ist. ---

Liebe Gemeinde! Überall will er mitreden, Frieden stiften, Freude oder Trost bringen, uns bei der Hand nehmen, führen, tragen, auch mahnen und in Liebe warnen.

Jesus will in allen Zimmern unseres Lebensgebäudes die Herrschaft ausüben! Denn wenn er der Herr im Hause ist, haben alle anderen Herrschaften ihr Hausrecht verloren.

Wer Jesus mehr Macht einräumt, hat weniger mit seiner eigenen Ohnmacht zu kämpfen! Der wird gestärkt.

Wer Jesus mehr Freiheiten lässt, bei dem werden die Ketten der Sünde zerspringen! Der wird echt frei.

Wer Jesus mehr in seine Traurigkeit hineinholt, wird in den finsteren Tälern seines Lebens nicht allein sein! Er wird getröstet.

Wer Jesus mehr Platz gönnt, hat weniger unter seinen Problemen zu leiden! Dem wird geholfen.

Wer Jesus mehr Raum gibt, braucht sich nicht länger mit seiner Schuld herum zu schlagen! Dem wird vergeben.

Wer für Jesus mehr übrig hat, bei dem werden sich manche Sorgen erübrigen! Der wird entlastet.

Wer Jesus mehr mitreden lässt, braucht nicht alle Entscheidungen selber zu treffen! Er wird geführt.

Wer Jesus mehr fürchtet, der braucht sich weder vor Gott noch vor Menschen zu fürchten! Der bekommt Mut. ---

Mir fiel dazu Mathilda Wrede ein. Man nannte sie „den Engel der Gefangenen“. An Weihnachten erlebte sie einmal, dass sich ein wild gewordener Sträfling ein Messer verschaffte und damit jeden bedrohte, der sich ihm näherte.

Als Mathilda Wrede davon hörte, sagte sie:

„Es ist Weihnachten heute. Da ist ja gerade vom Himmel her Leben auf Erden geboren worden. Da kann doch niemand daran denken, einem anderen das Leben zu nehmen.“

Ganz alleine, ohne jeden Schutz, ging sie auf den Häftling zu – und ihre grenzenlose Liebe überwand den Tobenden.

Ja, wer Jesus mehr fürchtet, der braucht sich weder vor Gott noch vor Menschen zu fürchten!

Und wer mehr mit Jesus lebt, dessen Leben ist selbst mit dem Tod nicht zu Ende! Der hat eine Hoffnung über den Tod hinaus. ---

Als die eben zitierte Mathilda Wrede Jahre später an Weihnachten im Sterben lag, sagte sie: „Ich fühle, dass ich den Christtag in der ewigen Welt feiern werde. Ich sehe mir von der anderen Seite Licht entgegenstrahlen, viel Licht!“

„Kommt das Licht näher?“, fragte eine Freundin. „Nein, denn es ist da!“, sagte sie noch – und starb.

So gehen Jesus - Leute heim. ---

Deshalb lassen Sie ihn, um Gottes und seiner Liebe willen, nicht draußen vor der Tür stehen! Der Herr vorm Haus will zum Herrn im Hause werden.

Das hat weitreichende Konsequenzen! Der Evangelist Johannes hat die ganze Weihnachtsgeschichte in zwei Sätze zusammengefasst:

„Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben!“

Zu wem gehören wir?

Zu denen, die Jesus zwar am Heiligen Abend in ihr Haus lassen, ihn dann aber, spätestens nach dem zweiten Feiertag, wieder aus dem Haus komplimentieren? Dann war die Heilige Nacht nur eine scheinheilige Nacht.

Oder zu denen, die – seit es einmal Weihnachten in dieser Welt geworden ist – nur jeden Tag neu dankbar und voll Verlangen bitten können:

„Komm, o mein Heiland, Jesu Christ,

meins Herzens Tür dir offen ist.

Ach zieh mit deiner Gnade ein;

dein Freundlichkeit auch mir erschein.

Dein Heiliger Geist mich führ uns leit

den Weg zur ewgen Seligkeit.

Dem Namen dein, o Herr,

sei ewig Preis und Ehr.“

Komm zu mir, Herr, in mein Leben: In meinen Alltag mit seinen Erfolgen und Niederlagen. In meine Ehe und Familie mit ihren Aufgaben und Problemen. In meine Sorgen und Ängste, Hoffnungen und Enttäuschungen. Ich brauche dich!

Bei wem er der Herr im Hause sein kann, der hat Tag und Nacht die Hilfe, den Trost, die Kraft, den Halt und die Geborgenheit, die er braucht.

Noch mehr! Luther konnte sagen: „Wenn ich an Jesus Christus glaube, bin ich daheim in meinem Vaterhaus!“

Liebe Gemeinde!

Was für eine Perspektive schenkt uns damit der Weihnachtsglaube! Denn dann darf ich wissen, was schon ein David wusste: „Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Wo Jesus Herr in meinem Hause ist, gehöre ich Gott, bin ich unverlierbar in seiner Hand, kann mich nichts, nicht einmal der Tod, von ihm trennen!

Wo er Herr in deinem Hause ist, gilt dir und den deinen das großartige Versprechen: „… so wirst du und dein Haus selig!“

Eine schönere Bescherung gibt es daher nicht als die: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr!“

Deshalb: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

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